Nach Übernahme von Schell: Swisttaler Bäckereikette Voigt setzt auf Expansion

Nach Übernahme von Schell : Swisttaler Bäckereikette Voigt setzt auf Expansion

Die Swisttaler Bäckereikette Voigt wird in diesem Jahr die 50. Filiale eröffnen und feiert 125-jähriges Bestehen. Zum 1. Mai wird die Übernahme von Schell wirksam.

Doppelte Geschäftigkeit auf dem Gelände der Unternehmenszentrale von Voigt: Während draußen ein Lkw an diesem Morgen flüssigen Beton durch eine Pumpe in eine Bodenvertiefung gießt, fertigt im Inneren der Werkshalle bereits die zweite Schicht an diesem Tag Brötchen, Croissants und Mandelhörnchen. Mehl lagert in großen Kesseln. Ein Bäcker schiebt ein Gestell, auf dem Bleche mit Dutzenden runden Käsekuchen liegen, in den Ofen. Es riecht nach Hefeteig und Vanillezucker.

Um 5 Uhr haben die Firmen-Lkws die fertigen Backwaren an die Filialen von Voigt im Raum Bonn-Köln auszuliefern begonnen, um 7 Uhr startete die zweite Auslieferungsrunde. Noch rechtzeitig, bevor der Berufsverkehr die Straßen gänzlich verstopft, wie Geschäftsführer Theo Voigt erklärt. Jetzt um 9 Uhr reinigen Mitarbeiter die leeren Körbe, die die Fahrer zurückgebracht haben.

Keine Frage: Bei Voigt, das in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert, werden keine kleinen Brötchen gebacken. Gerade hat Voigt die Übernahme der Bonner Bäckerei Schell verkündet, 26 Mitarbeiter wechseln damit den Arbeitgeber. Der Grund ist die Geschäftsaufgabe durch die Familie Schell, bei der kein Nachfolger bereitstand.

Das ist bei Voigt anders: Sohn Martin ist mit in die Geschäftsführung eingestiegen, zu der auch noch Theos Bruder Andreas gehört, der für die Logistik verantwortlich ist. Der 27-jährige Jungunternehmer hat einen Masterabschluss in Betriebswirtschaftslehre und schließt jetzt noch eine Konditorlehre an, um auch das eigentliche Handwerk der Familie von der Pike auf zu erlernen.

Im Flur der Verwaltungsetage hängt ein großes Schwarz-Weiß-Foto an der Wand: Es zeigt Theo Voigts Großvater Fritz, wie er Teig knetet. Heute sind längst viele Arbeitsabläufe automatisiert. Auf dem Gelände in Heimerzheim, wo der in Merten gegründete Betrieb 1995 hinzog, sind die Produktionskapazitäten nun aber auch schon an Grenzen gestoßen. Deshalb wurde ein Erweiterungsbau hochgezogen, der im Juni fertig werden soll. Gerade hat der Innenausbau begonnen.

46 Filialen von Köln bis Bad Honnef

Heute betreibt Voigt 46 Filialen von Köln bis Bad Honnef in Nord-Süd-Ausrichtung und von Kerpen im Westen bis Windeck im Osten. Die 645 Mitarbeiter erwirtschaften laut Voigt einen Umsatz von mehr als 30 Millionen Euro. In den kommenden Monaten sollen noch sechs weitere Läden hinzukommen, zu denen auch drei Schell-Filialen gehören.

Ein Viertel des Umsatzes macht Voigt zufolge das Geschäft mit Snacks, Kaffee und Kaltgetränken aus. Ein Trend, der in den vergangenen Jahren immer stärker geworden ist. „Die Kunden wollen genießen, nehmen sich Zeit, aber es soll auch nicht zu viel kosten.“ In der Oxfordstraße in Bonn wird die Bäckerei Voigt auf zwei Ebenen in das ehemalige Geschäft von Ligne Roset einziehen. Mitte Mai werde es auf der ersten Etage ein Frühstücksbuffet geben, kündigt der Geschäftsführer an.

Außerdem will die Familie ein Konzept ausbauen, das sie seit 2017 am Friedensplatz in Bonn anbietet: das „Theo's“. Eine Backstube gleichen Namens wird im Sommer am Bertha-von-Suttner-Platz öffnen. Kunden können hier dem Bäcker beim Teigkneten und Backen zusehen, die Backwaren kommen also nicht fertig aus Heimerzheim. Dafür gibt der Chef nicht nur seinen Namen, sondern auch sein Konterfei her. Das Mohnbrötchen heißt hier Tünnes und das Sesambrötchen Schäl, man verspricht regionale Zutaten und eine andere Rezeptur als in den übrigen Filialen.

Das Versprechen, regional einzukaufen, lässt sich aber nur bedingt einhalten. Das Dinkelmehl stammt tatsächlich nach Voigts Auskunft aus Neunkirchen-Seelscheid, aber bei den Erdbeeren, die im März schon auf dem Kuchen gewünscht werden, muss er passen: Die Früchtesaison beginnt im Rheinland später.

Der allseits beklagte Fachkräftemangel zeigt sich bei der Bäckerei am ehesten bei den Verkäuferinnen. Das habe wohl auch mit den Arbeitszeiten zu tun, die Sonntage mit einschließen, erklärt Voigt. In der Produktion gebe es kaum Schwierigkeiten, Personal zu finden. Rund 80 Mitarbeiter gibt es im Backbetrieb, vom Azubi bis zum Bäckermeister. Zwei Drittel davon sind in der Nachtschicht eingesetzt.

Voigt wirbt dafür, dass jeder Bewerber, der teamfähig sei und sich anstrenge, einen Platz im Betrieb finden könne, unabhängig von der Ausbildung. „Wir haben ungelernte Ofenleute bei uns, die sind manchmal besser als ein Geselle.“