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Spargel Ritter: Investor soll Bornheimer Unternehmen retten

Unternehmen im Vorgebirge : Investor soll Bornheimer Spargel Ritter retten

Nach dem Insolvenzantrag des Bornheimer Unternehmens Spargel Ritter läuft der Anbau auf rund 85 Hektar Fläche in der Region weiter. Die Ernte beginnt voraussichtlich Anfang April.

Auf den Feldern geht die Arbeit auch nach dem Insolvenzantrag der Bornheimer Claus und Sabine Ritter GbR weiter: „Im Betrieb ist nichts ins Stocken gekommen“, sagte Claus Ritter am Freitag in Bonn. „Wir rechnen mit dem Beginn der Erdbeerernte ab Mitte April, der erst Spargel soll Anfang April gestochen werden.“

Die Zukunft des insolventen Betriebes, der zu den größten Spargel- und Erdbeererzeugern der Region zählt, liegt nun in den Händen des Bonner Rechtsanwalts Andreas Schulte-Beckhausen. Er wurde Anfang März als Insolvenzverwalter für das Unternehmen eingesetzt.

Spargel Ritter führt Gespräche mit Investor

Schulte-Beckhausen hat nach eigenen Angaben mit Hilfe eines nicht näher genannten Finanzierungspartners den Betrieb bis zum Abschluss der Ernte 2020 gesichert. Anschließend sieht der Anwalt gute Chancen für eine so genannte übertragene Sanierung, bei der das Unternehmen in eine neue Gesellschaft übergeht. Gespräche mit möglichen Investoren liefen bereits. Auch hier wurden keine Namen genannt.

Derzeit beschäftigt Spargel Ritter 27 fest angestellte Mitarbeiter und 70 Erntehelfer, die etwa Folientunnel aufstellen und Unkraut jäten. Laut Insolvenzverwalter sind die Löhne und Gehälter zwischen Dezember und Februar über Insolvenzgeld bezahlt worden. Ab März springt der Finanzierungspartner ein, später sollen die Erlöse aus der Spargel- und Erdbeerernte für den Betriebsablauf aufkommen.

Für die Unternehmenspleite macht Claus Ritter vor allem schwierige Wetterbedingungen verantwortlich. Zum einen hätten die Hitzewellen der vergangenen zwei Jahre für Temperaturen von bis zu 50 Grad in den Folientunneln gesorgt. Dadurch hätten die Erdbeeren nicht ordnungsgemäß reifen könne, sagte Ritter. Der Erlös fiel geringer aus. Im März vergangenen Jahres hätten außerdem Sturmschäden bei den Folienkonstruktionen für hohe Verluste gesorgt. „Die Tunnel sind umgekippt und wir hatten allein 200.000 Euro zusätzliche Personalkosten, um sie wieder instandzusetzen“, so Ritter. Insolvenzverwalter Schulte-Beckhausen verwies außerdem auf fehlende Rücklagen im Betrieb, mit denen Einbußen durch schlechtes Wetter hätten ausgeglichen werden können.

Der Anbau von Spargel und Erdbeeren erfordert hohe Vorleistungen. Ritter hat nach eigenen Angaben jährlich einen hohen einstelligen Millionenbetrag investiert, in der Hauptsaison beschäftigte er bis zu 500 Erntehelfer gleichzeitig, die meisten stammen aus Rumänien.

Auch der Folienanbau, bei dem Erdbeeren vor der herkömmlichen Freilandernte reifen und damit höhere Preise erzielen, ist teuer: In den vergangenen neun Jahren hat Ritter nach eigenen Angaben rund zehn Millionen Euro in die Tunnel investiert.

Der gelernte Kfz-Mechaniker hat seinen Betrieb seit 1985 gemeinsam mit seiner Frau Sabine aufgebaut. Ritter, der aus einer Landwirtsfamilie stammt, erinnert sich an „sehr steinige Anfangsjahre“. Während er die Erdbeeren auf einem kleinen Feld in Dransdorf gepflückt habe, habe seine Frau die Früchte verkauft. Das Geschäft sei Jahr um Jahr gewachsen. Derzeit baut Ritter auf 50 Hektar Erdbeeren und auf 35 Hektar Spargel an, größtenteils auf Pachtland.

Neben den Zahlen des insolventen Betriebs waren für den Insolvenzverwalter auch Probleme mit der Müllentsorgung ein Thema. Unter anderem hatten Folienreste an den Containerunterkünften für die Erntehelfer in Bornheim die Behörden auf den Plan gerufen. Die Lage soll sich nun ändern: Die Abholung des Folienmülls sei organisiert, hieß es.