Blick in Unternehmen: So war die "Lange Nacht der Industrie" in der Region

Blick in Unternehmen : So war die "Lange Nacht der Industrie" in der Region

Unternehmen in Bonn und der Region haben ihre Pforten bei der "Langen Nacht der Industrie" geöffnet. Besucher konnten einen seltenen Blick hinter die Kulissen werfen.

Normalerweise kommen neugierige Besucher am Pförtnerhäuschen des Troisdorfer Kunststoffmaschinenbauers Reifenhäuser nicht so schnell vorbei. Am Donnerstagabend waren es gleich zwei Busladungen an Besuchern, denen das Familienunternehmen Tür und Tor öffnete und über seine Produkte und Dienstleistungen, seine Historie und seine Innovationen berichtete.

Reifenhäuser war eines von 77 Unternehmen, dass zur Langen Nacht der Industrie in der Metropolregion Rhein-Ruhr seine Pforten öffnete. "Wir sind ein Teil der Region, sind mit über 900 Mitarbeitern am Standort Troisdorf ein großer Arbeitgeber in der Region und zugleich Innovations- und Weltmarktführer in bestimmten Segmenten des Kunststoffmaschinenbaus", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Geschäftsführung Bernd Reifenhäuser die erstmalige Teilnahme an der Industrienacht: "Das wollen wir den Menschen, die uns noch nicht kennen zeigen."

Ein Anspruch, dem auch die anderen regionalen Teilnehmer der Langen Nacht der Industrie folgten. So hatten auch das Bonner Unternehmen GKN Sinter Metals, das auf Spezialgraphit und Verbundwerkstoffe Unternehmen SGL Carbon in Bonn, der Schwertransport- und Kranspezialist Viktor Baumann in Bornheim, der auf wärmegeschrumpften Kunststoffe spezialisierte Herstelle DSG-Canusa in Rheinbach, die Rhein-Sieg-Abfallverwertungsgesellschaft in Siegburg, der Kunststoffmaschinenbauer Kuhne in Sankt Augustin sowie die Energie- und Wasserversorgung Bonn/Rhein-Sieg nach der Tagschicht ihre Werktore geöffnet. Auch die Müllverwertungsanlage Bonn und die Weiterbildungsgesellschaft der IHK beteiligten sich an der Aktionsnacht, die mehr Bürger-Akzeptanz für die Industrie, öffentliche Wahrnehmung sowie die Positionierung von Arbeitgebermarken im Blick hatte.

Unternehmen empfangen Besucher

So freute man sich auch bei Reifenhäuser insbesondere über die jüngeren Besucher im gemischten Publikum, das vom angehenden Zerspanungsmechanikern Marc Molitor und dem Auszubildenden zum Industriemechaniker Till Brüggen durch die Werkhallen geführt wurde. "Jedes Unternehmen freut sich über gute Bewerber", sagt Bernd Reifenhäuser, "wir sind in der glücklichen Situation, dass wir derzeit alle Lehrstellen gut besetzen können." Bundesweit über hundert Auszubildende zählt der Unternehmer derzeit: "Und die blieben anschließend auch bei uns."

So betrage die durchschnittliche Verweildauer im Unternehmen etwa 18 Jahre, erfahren die Besucher, und einige Mitarbeiter hätten jüngst die 50-jährige Betriebszugehörigkeit gefeiert. "Wir sind ein echtes Familienunternehmen. Das Unternehmen gehört keinem Investor, sondern der Familie Reifenhäuser." Und die Familie investiert derzeit in Nachhaltigkeit und Zukunft: Ein neues Technikum ist im Bau, um hausgroße Maschinen für die Herstellung von Kunststofffolien im Realbetrieb testen und weiterentwickeln zu können. Mit der neuen Sparte "R Digital" wappnet sich das Unternehmen für die Digitalisierung und verkauft ihre Erkenntnisse als Dienstleistung an Mitbewerber der Industrie.

In der Werkhalle führte Till Brüggen derweil mit einem alten Fleischwolf vor, wie Kunststoffgranulat in Extrudern durch eine Schnecke zusammengepresst und zu einer formbaren Masse erwärmt wird. Solche Extruder sind ein Kerngeschäft des Troisdorfer Unternehmens. Das Potenzial neuerer Verarbeitungsverfahren wie dem 3D-Druck mit Kunststoff führte derweil den Besuchern der Hochschulstudent Hyseyin Teke vor, dem Reifenhäuser ein eigenes Labor in einem gläsernen Container spendierte: "Nahezu jedes Unternehmen muss sich in Zukunft mit dieser Technologie auseinandersetzen. Hier tut man dies bereits seit Jahren."

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