Deutlich weniger Kunden: So lief das Weihnachtsgeschäft für den Einzelhandel in Bonn und der Region

Deutlich weniger Kunden : So lief das Weihnachtsgeschäft für den Einzelhandel in Bonn und der Region

Es ist dasselbe Bild wie jedes Jahr: An den Werktagen nach Weihnachten drängen sich die Besucher durch die Einkaufstraßen Bonns und der Region. Doch der Trubel trügt. Denn dem Einzelhandelsverbands zufolge besuchten deutlich weniger Kunden die Städte.

„Das Weihnachtsgeschäft lief schlechter als im Vorjahr“, sagt Harry Benzrath, Geschäftsführer der Bonner Kaufhof-Filiale. Kaufhof hatte sich mit einer um eine Stunde verlängerten Öffnungszeit auf die Weihnachtszeit eingestellt. „Gerade am Samstag vor Heiligabend waren wir froh darüber, weil der Ansturm so groß war.“ Befürchtungen, dass die Kunden wegen der sonst üblichen mittäglichen Schließung an Heiligabend ausblieben, bestätigten sich nicht. „Dafür erreichten wir aber in den Wochen davor nicht das Verkaufsniveau der vergangenen Jahre.“

Auch Nikolas Adamopoulos, Inhaber des Bonner Lederwarenherstellers Ricano, berichtet von Einbußen – sowohl im Laden in der Bonner City, als auch bei den Großkunden, die das Unternehmen beliefert. „Die Konsumfreude scheint sich von Bekleidung mehr in Richtung Technik und Unterhaltungselektronik zu verlagern“, sagt Adamopoulos.

Das beobachte er schon seit einigen Jahren. Ein weiterer Grund: „Gerade in der Textilbranche macht uns der Onlinehandel Konkurrenz.“ So habe beispielsweise Amazon kürzlich eine eigene Modemarke herausgebracht. „Dem Kunden kann man den Onlinekauf nicht verübeln. Es ist bequem, von zu Hause aus zu bestellen.“ Ricano setzt deshalb schon lange auf einen eigenen Onlineshop.

"Allyouneed"

Mit der Plattform „Allyouneed“ wollten die Bonner Einzelhändler und die Post gegensteuern. Das Angebot, bei dem die lokalen Geschäfte ihre Waren im Internet verkaufen, sie von DHL binnen zwei Stunden zustellen oder vom Kunden abholen lassen, war zumindest für Michaela Verheyen ein voller Erfolg. Sie betreibt das Geschäft Flaschengeist, das Filialen in Bonn und Münster hat.

„Das Niveau war in beiden Städten etwa gleich, der Anteil an Onlinebestellungen besonders hoch“, berichtet sie. Viele Kunden hätten die Möglichkeit genutzt, die Ware über „Allyouneed“ zu bestellen und dann selbst abzuholen. „Die Pakete und Tüten hatten wir fertig gepackt, die Kunden mussten sie nur noch mitnehmen.“ Im Vergleich zum Vorjahr habe es im Gesamtgeschäft eine Umsatzsteigerung gegeben. „Für uns war angenehm, dass die Kunden nicht alle auf einmal am letzten Tag, sondern über die Woche verteilt kamen“, sagt Verheyen.

Doch insgesamt war die Besucherfrequenz im Gebiet des Einzelhandelsverbands Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen rückläufig. „Speziell in der Bonner Innenstadt lag sie sogar im zweistelligen Minusbereich“, sagt Vorsitzender Jannis Vassiliou. Gründe dafür seien die Onlinekonkurrenz, aber auch die verschlechterte Erreichbarkeit der Bonner Innenstadt. „Die Parkplätze und Parkhäuser waren während der Weihnachtszeit teilweise schlecht erreichbar.“

Einzelhändler in der Region ziehen gemischte Bilanz

Die Händler aus dem Einkaufszentrum Huma sind zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft. Anders die Einzelhändler im Siegburger Zentrum und in Hennef: Für einige fiel das Weihnachtsgeschäft schlecht aus.

Mit der Eröffnung der gesamten Huma-Shoppingwelt im September dieses Jahres sind viele neue Geschäfte nach Sankt Augustin gekommen. So auch die Parfümerie Becker, die pünktlich zum Weihnachtsgeschäft eine Filiale im Einkaufszentrum eröffnen konnte. „Unser Start war sehr erfolgreich“, sagt Verkäuferin Claudia Werthmann. Viele Umtausche erwartet sie zwischen den Jahren nicht. Die Kunden seien inzwischen so gut darüber informiert, was sich der oder die Liebste wünscht, dass sie meist das richtige kaufen würden.

Umtausch, Geschenkgutscheine und Sonderangebote locken die Kunden nach den Feiertagen auch in die Mayersche Buchhandlung im Huma. „Wir haben einen deutlichen Unterschied durch die Eröffnung der restlichen Geschäfte im Huma gespürt“, sagt Filialleiterin Sabrina Schmahl. Es kämen mehr Menschen ins Einkaufszentrum und so auch in die Filiale.

Frequenz der Kunden fehlt

Das Gegenteil erlebt Juwelier Guido Vetter in seinem Geschäft Juwelier Rothe an der Siegburger Kaiserstraße. „Das Weihnachtsgeschäft läuft immer schlechter“, sagt er. Vetter sieht zwei Gründe dafür: „Die Frequenz der Kunden in der Innenstadt fehlt. Außerdem kaufen viele ihre Geschenke im Internet.“ Er nehme wahr, dass seit 2016 immer weniger Menschen zum Bummeln in die Stadt kämen.

So sieht das auch Birgitta Bachem, Inhaberin der Modewerkstatt. Vor vier Jahren ist sie mit ihrem Geschäft von der Mühlenstraße an die Griesgasse gezogen, weil sie sich mehr Laufkundschaft erhofft habe, sagt sie. Die Hoffnung habe sich jedoch nicht erfüllt. Der Weihnachtsmarkt auf dem Siegburger Markt sei eher schädlich für ihr Geschäft. „Die ganze Zeit über steht der Toilettenwagen vor meinem Laden und schneidet ihn von der Laufkundschaft des Weihnachtsmarktes ab“, sagt sie. Auch sie merkt, dass die Menschen ihre Geschenke mehr und mehr im Internet kaufen. Darunter leide auch ihr Umsatz in der Adventszeit.

Auch das Weihnachtsgeschäft in Hennef sei durchwachsen gewesen, sagt Ricarda Schmitz von der Hennefer Werbegemeinschaft. „Viele Einzelhändler sind mit dem Geschäft in diesem Jahr unzufrieden.“ Dadurch, dass Heiligabend auf den Sonntag gefallen sei, hätten dem Einzelhandel einige Tage für den Umsatz gefehlt.

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