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Hauptversammlung in Köln: Skepsis bei Lufthansa-Aktionären

Hauptversammlung in Köln : Skepsis bei Lufthansa-Aktionären

"Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen." Lufthansa-Chef Christoph Franz zitierte am Dienstag aus dem Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse, als er bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Köln um Unterstützung für seinen Kurs warb.

"Alte Gewohnheiten loslassen, nach Verbesserungen suchen, erneuern, hinderliche Strukturen aufbrechen", das könne zum Motto des Unternehmens für 2012 werden, so Franz. Es soll der Aufbruch zu einer Reise sein, die die Zukunft von Lufthansa sichert. Wohin die Reise aber genau geht, das hatte Franz zuvor in seiner Rede nicht deutlich genug gesagt.

Eine genaue Prognose für 2012 und einen Ausblick über das Jahr hinaus mahnte etwa Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger an. Andere Aktionäre wollten wissen, wer welchen Beitrag beim geplanten Sparprogramm der Unternehmens leisten solle, und Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz fragte, wie sich Lufthansa gegen die neuen Konkurrenten vom arabischen Golf auf der Langstrecke und gegen die Billigflieger in Europa behaupten wolle.

Franz habe Lufthansa mit Blick auf Konkurrenten, denen es schlechter gehe, als den Einäugige unter den Blinden präsentiert, so Tüngler. Das sei aber nicht genug.

Eine Ergebnisprognose für 2013 oder später wollte Franz aber auch auf Nachfrage nicht geben. Für das laufende Jahr stellte er ein Umsatzplus und ein operatives Ergebnis im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich in Aussicht. Absolute Zahlen könne er angesichts zahlreicher Unsicherheiten noch nicht nennen. Und Restrukturierungskosten seien in der Prognose auch noch nicht enthalten.

Franz verteidigte das Sparprogramm Score, mit dem Lufthansa das Ergebnis bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro steigern will. "Wir drehen mit aller Kraft ein großes Rad, trotzdem bleibt nur eine hauchdünne Marge als Ergebnis." Das sei zu wenig, um die Wettbewerbsposition zu sichern, und zu wenig, "um die dafür notwendigen Investitionen in eine Flotte, die kontinuierlich modernisiert werden muss, zu finanzieren." Den Abbau von 3500 Stellen nannte er schmerzlich, er solle sozialverträglich umgesetzt werden.

Die Lufthansa Direct Services und die Kölner Tochter Germanwings sollen geschäftlich und organisatorisch "zusammengeführt werden". Die Kooperation reiche von abgestimmten Flugplänen bis zu einer einheitlichen Flottenpolitik mit der Konzentration auf die Airbus A 320-Familie, so Franz. So will Lufthansa die Ergebnisse im dezentralen europäischen Kurz- und Mittelstreckenverkehr verbessern.

Der Lufthansa-Chef kritisierte die Rahmenbedingungen für sein Unternehmen. "Luftverkehr braucht viel mehr Standortpflege als bisher", so Franz. Er kritisierte die Luftverkehrssteuer, den europäischen Emissionshandel sowie das Nachtflugverbot in Frankfurt und mahnte einen einheitlichen europäischen Luftraum an. Dies zusammen belaste die Lufthansa mit 700 Millionen Euro allein in diesem Jahr, so Franz.