Waren nicht ausgeliefert: Shitstorm gegen Bonner Start-up von Floerke

Waren nicht ausgeliefert : Shitstorm gegen Bonner Start-up von Floerke

Seit ein paar Wochen können über das Bonner Mode-Start-up von Floerke auch Spirituosen bestellt werden. Durch verhältnismäßig günstige Preise wurden Kunden angelockt. Viele von ihnen sind nun aber wegen nicht erhaltener Waren verärgert.

Die Reaktionen, die das Bonner Start-up von Floerke seit ein paar Wochen erhält, sind wenig schmeichelhaft. Von „Frechheit“, „Enttäuschung“ oder „Dreistigkeit“ ist in den Kommentarspalten auf der Facebookseite des Unternehmens die Rede. Ähnlich ist die Tonlage auf Bewertungsportalen. Kunden des Start-ups, das durch die Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt wurde und an dem der Bonner Investor Frank Thelen Anteile hat, machen so ihrer Unzufriedenheit über nicht gelieferte Waren Luft.

Hintergrund sind Lieferengpässe bei Spirituosen, die seit Oktober zum Sortiment von Floerkes gehören. Ursprünglich hatte das Angebot des Unternehmens ausschließlich aus Modeartikeln bestanden. Unter der Rubrik „Herrendrinks“ kann auf der Webseite sowie bei Dealplattformen nun unter anderem Whiskey, Wodka oder Gin bestellt werden – zu auffallend günstigen Preisen. Das führte zu einem regelrechten Kundenansturm, der von Floerke um seinen Gründer und Geschäftsführer David Schirrmacher vor große Probleme stellt. Wie das Internetportal „Gründerszene“ erfuhr, gingen seit Mitte Oktober rund 40.000 Bestellungen für Spirituosen ein – eine Zahl, mit der Schirrmacher selbst nicht gerechnet habe.

Nicht genügend Lagerkapazitäten

Ein weiteres Problem: Da der Gründer von einer pünktlichen Lieferung der Großhändler ausgegangen sei, habe er Kunden schon vor Eintreffen der Waren bei ihm eine Versandbestätigung geschickt. Allerdings hätten bis Anfang dieses Monats nur etwa 15.000 Bestellungen versandt werden können, weil die Produkte auf sich warten ließen und von Floerke außerdem nicht über genügend Lagerkapazitäten sowie Verpackungsmaterial verfügt habe.

Der sprunghafte Anstieg der Umsätze habe wiederum dazu geführt, dass die Zahlungsdienstleister Paypal, Klarna und Amazon Pay die Konten des Unternehmens eingefroren hätten, weshalb Stornierungen nicht bearbeitet werden konnten. Wie „Gründerszene“ weiter berichtet, sei die Sparkasse mit einem Notfallkredit in Höhe von 500.000 Euro eingesprungen. Auf GA-Nachfrage erklärte Frank Thelen, dass er bei Paypal inzwischen die Freischaltung der Konten erwirken konnte. Von Floerke selbst ließ eine Anfrage des GA am Freitag unbeantwortet.

Thelen kritisiert Schirrmacher

Neben vielen Kunden verärgerte der 26-jährige Schirrmacher auch Thelen, den er nicht vorab über die Neuausrichtung des Sortiments informierte. „Ich bin unzufrieden mit der Gesamtsituation, denn Lieferprobleme und unzufriedene Kunden entsprechen nicht der Erwartungshaltung, die ich an meine Portfolio-Start-ups habe. Die ganze Sache hätte besser und langfristiger geplant werden müssen, wir hätten vorab involviert werden müssen“, sagt Thelen. Schirrmacher habe die Lieferengpässe nun aber weitestgehend unter Kontrolle und in kürzester Zeit Lagerhallen, Kartonagen und Ware in großen Mengen organisiert. So könnten in „ein paar Tagen die meisten Bestellungen wieder fristgerecht“ verschickt werden.

Von Floerke teilte am Freitag in einem Facebook-Beitrag mit, alle Bestellungen ab dem 1. November seien innerhalb der Lieferzeit verschickt worden. Zudem würden Altbestellungen weiterhin abgearbeitet und alle eröffneten Paypal-Fälle versandt oder storniert und erstattet. Ob die verärgerten Kunden damit zufriedengestellt werden, ist dagegen ungewiss.

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