Wirtschaftsdynamik: Schwaches Wachstum in Bonn und der Region

Wirtschaftsdynamik : Schwaches Wachstum in Bonn und der Region

Eine Untersuchung von Creditreform Bonn zeigt, dass es mehr Wirtschaftsdynamik in der Region geben müsste: Es fehlt an Neugründungen vor allem in der IT-Branche.

Bonn und die Region Rhein-Sieg haben den Wegzug von Bundesregierung und Bundestag gut verkraftet, ist der allgemeine Tenor: Der Arbeitsmarkt brummt und zieht immer mehr Menschen an. Die verstopften Straßen und Rheinbrücken zu den Stoßzeiten sprechen Bände. Leider ist das nur die halbe Wahrheit, denn nach wie vor werden zu wenige Unternehmen gegründet, und das Wirtschaftswachstum lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Creditreform Bonn, die Geschäftsführer Jörg Rossen am Donnerstag vorstellte.

Wie aus der Studie hervorgeht, die die Bundesstadt und den Rhein-Sieg-Kreis als ein Gebiet untersuchte, verzeichnete die Region 2017 die zweitniedrigste Gründungsdynamik unter bundesweit 15 Vergleichsregionen. Laut der Studie betrug der Anteil von Start-ups am hiesigen Unternehmensbesatz 1,5 Prozent. Nur in Dresden lag sie im vergangenen Jahr mit 1,43 Prozent noch niedriger. In Köln lag sie bei 1,93 Prozent, in Düsseldorf bei 2,2 Prozent und in Hamburg bei 2,91 Prozent. Damit erzielte die Hansestadt den besten Wert.

Wirklich bedenklich aber ist, dass die Gründungsdynamik in der IT-Branche von Bonn/Rhein-Sieg noch niedriger lag, nämlich bei 1,13 Prozent – im Jahr 2012 hatte dieser Wert noch bei fast 4,0 Prozent gelegen, 2016 immerhin noch bei 2,31 Prozent. „Das hat uns erschreckt“, sagte Rossen. Auch bundesweit sinke der Anteil an IT-Unternehmensgründungen, doch betrug er immerhin noch 2,17 Prozent im vergangenen Jahr.

Letzter Platz für die Region Bonn/Rhein-Sieg

Problematisch ist die geringe Zahl von Neugründungen auch insofern, als die IT-Wirtschaft zusammen mit der Gesundheitsbranche zu den beiden Sektoren gehört, die im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich in Bonn/Rhein-Sieg vertreten sind und die auch in Zukunft als sogenannte Branchen-Cluster Schwerpunkte der Wirtschaftsentwicklung sein sollen. So machten die IT-Unternehmen 3,37 Prozent an allen hiesigen Unternehmen aus, bundesweit liegt der Anteil bei 2,58 Prozent. Führend ist in Deutschland Darmstadt mit einem IT-Unternehmensanteil von 6,73 Prozent. In Köln liegt der Wert bei 3,88 Prozent. Die Gesundheitswirtschaft hat am Unternehmensbesatz in Bonn/Rhein-Sieg einen Anteil von 5,75 Prozent.

Rossen hofft, dass der „Digital Hub“ im Bonner Bogen die Bereitschaft zur unternehmerischen Selbstständigkeit fördern wird. „Ich glaube an den mittel- und langfristigen Erfolg dieser spannenden Standortinitiative.“ Daher habe sich Creditreform Bonn auch als Aktionär „mit voller Überzeugung“ am „Digital Hub“ beteiligt.

Beim Wirtschaftswachstum kommt die Region sogar nur auf den letzten Platz im Vergleich zu den 14 anderen untersuchten Städten und Regionen (siehe Grafik). Während Köln 2015 einen Anstieg des realen (preisbereinigten) Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 8,1 Prozent verzeichnete, kam Bonn/Rhein-Sieg nur auf 0,5 Prozent. Dass die Zahlen nicht aktueller sind, begründete Rossen damit, dass die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung von den Statistikämtern für die einzelnen Bundesländer nur mit mehrjähriger Verzögerung vorliegt.

Beim BIP lohnt sich laut Rossen dann aber doch eine nach Bundesstadt und Kreis gesonderte Betrachtung: Sie zeigt, dass das Pro-Kopf-BIP in Bonn mit 76 322 Euro im Jahr 2015 mehr als doppelt so hoch wie im Rhein-Sieg-Kreis war, wo es nur 27 367 Euro betrug. Wegen des starken Zuzugs in Bonn (+5,5 Prozent von 2009 bis 2015) ist das Pro-Kopf-BIP in dieser Zeit aber auch um 8,5 Prozent gesunken.

Positiv bemerkte Rossen, dass die hiesige Ausfallgefahr bei Zahlungsverpflichtungen auf Rekordtief gefallen sei. Hier verzeichnete Bonn/Rhein-Sieg im Vergleich die drittniedrigste Ausfallquote. Zudem hätten die Unternehmen eine deutlich bessere Ertragskraft als im Bundesdurchschnitt. Die durchschnittliche Gesamtkapitalrendite erhöhte sich von 2014 auf 2015 von 6,2 auf 7,0 Prozent. Bundesweit lag sie 2015 bei 5,7 Prozent.