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Einwegzubehör für Beatmungsgeräte: Sankt Augustiner Firma beliefert Krankenhäuser in ganz Deutschland

Einwegzubehör für Beatmungsgeräte : Sankt Augustiner Firma beliefert Krankenhäuser in ganz Deutschland

Die Sankt Augustiner Firma Intersurgical liefert Einwegzubehör für Beatmungsgeräte an Krankenhäuser in ganz Deutschland. Sollten hier die Abläufe ins Stocken geraten, könnte das gravierende Folgen für Krankenhäuser haben.

Der Schichtbetrieb im Sankt Augustiner Gewerbegebiet läuft Montag bis Samstag von sechs Uhr morgens bis 18.30 Uhr. Zwei Teams wechseln sich ab, denn sollte ein Mitarbeiter der Firma Intersurgical wegen einer Erkrankung mit dem Coronavirus seine Kollegen in die Quarantäne zwingen, braucht das Unternehmen dringend einen Plan B: Intersurgical gehört zu den wichtigsten Lieferanten von Einwegzubehör für Beatmungsgeräte in Deutschland. Sollten hier die Abläufe ins Stocken geraten, könnte das gravierende Folgen für Krankenhäuser haben. „Da unsere Produkte zur Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung dienen und für die Behandlung von Patienten mit der Atemwegskrankheit Covid-19 benötigt werden, setzen wir alles daran, den Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagt Bernd Siegburg, Geschäftsführer von Intersurgical.

Der Druck, der auf dem Mittelständler lastet, ist enorm: „Der Auftragseingang hat sich in den vergangenen zwei Wochen nahezu verdreifacht“, sagt Siegburg. „Wir arbeiten am Limit.“ Drei bis vier Lastwagen aus dem Hauptwerk des Unternehmens in Litauen kommen jeden Tag in Sankt Augustin an. Von hier aus werden die Produkte wie Beatmungsschläuche, Filter, Steckverbindungen und Beatmungsmasken verpackt und an Krankenhäuser und medizinische Fachhändler ausgeliefert. Studentische Aushilfen unterstützen dabei das Team von derzeit 58 Intersurgical-Mitarbeitern in Sankt Augustin. „Uns ist die Verantwortung sehr bewusst“, sagt Siegburg. „Die Mitarbeiter leisten tolle Arbeit, niemand ist mehr im Urlaub, alle legen Sonderschichten ein.“

Noch läuft die Versorgung mit den Einwegprodukten, die für die Beatmung von am Coronavirus erkrankten Patienten notwendig sind. „Unsere fünf Fabriken haben sich auf diese bestimmten Waren fokussiert und zum Teil das Herstelltempo verfünffacht“, sagt Siegburg. Die Lastwagenstaus an den Grenzen zu Osteuroa hätten sich deutlich verringert, sodass die Ware pünktlich eintreffe.

Doch Ausfuhrbeschränkungen einzelner Länder haben das Angebot von Intersurgical bereits verändert. Sogenannte Beatmungshelme werden für das Unternehmen in Italien produziert und dürfen nicht mehr exportiert werden. Auch wenn die US-Behörden sich noch nicht in Sankt Augustin gemeldet haben – der internationale Wettbewerb um das medizinische Zubehör ist in vollem Gange. Für Bernd Siegburg sind Wucherpreise in der Krise ein Unding: „Es gehört sich nicht, Profit aus so einer Situation zu schlagen“, sagt der Geschäftsführer. Deshalb verkaufe Intersurgical seine Produkte zu den regulären Preisen und weise auch die Fachhändler darauf hin, so zu verfahren.

Die Versorgung der Kranken bei einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus und damit einer höheren Auslastung der Intensivstationen in Deutschland bereitet Siegburg jedoch Sorgen. „Das Zubehör kann genauso zum Engpass werden wie die Beatmungsgeräte oder, wie jetzt schon bemerkbar, die Schutzkleidung“, sagt er. Der Unternehmer hält eine aktivere Rolle des Staates bei der Verteilung von medizinischem Zubehör daher für sinnvoll. Die Bundesregierung habe von Intersurgical bereits ein Angebot für die Lieferung von Beatmungszubehör angefordert. „Das haben wir am Montag der vergangenen Woche eingereicht und seitdem nichts mehr gehört“, sagt Siegburg.

Die deutsche Intersurgical Be­atmungsprodukte GmbH gehört zum britischen Intersurgical-Konzern, der mit 3800 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 250 Millionen Euro zu den europaweit führenden Herstellern von Einwegprodukten für die Beatmungsprodukte zählt. Seit 25 Jahren existiert das Unternehmen. Eine Pandemie wie die jetzige habe er trotz Branchenerfahrung nie für möglich gehalten, sagt Siegburg.