Preisschlacht mit Discountern: Rewe will Markenartikel jetzt günstiger verkaufen

Preisschlacht mit Discountern : Rewe will Markenartikel jetzt günstiger verkaufen

Rewe will ab sofort auf die geänderte Aldi-Strategie reagieren und Markenartikel zu günstigen Preisen verkaufen. Die Kölner Handelsgruppe will in die Rabattschlacht einsteigen, wie das Unternehmen mitteilte.

Markenartikel könnten im deutschen Einzelhandel in den kommenden Monaten billiger werden. Nachdem der Discounter Aldi seit wenigen Wochen erstmals mit Sonderangeboten für Markenartikel wirbt, ziehen nicht nur die anderen Billiganbieter nach. Auch Einzelhandelsriese Rewe steigt nach eigenen Angaben in die neue Rabattschlacht mit ein: „Wir werden Aldi und Lidl nicht die Preisführerschaft überlassen“, kündigte Rewe-Vorstandschef Lionel Souque am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Köln an. „Auch wenn uns das ein paar Monate richtig weh tun wird.“

Langfristig dürften sich die durch den Konkurrenzkampf verursachten Schmerzen allerdings in Grenzen halten. Für das laufende Jahr erwartet Souque weiteres Wachstum: Der Umsatz des Konzerns soll um vier bis fünf Prozent oder um mehr als zwei Milliarden Euro steigen. Im Januar und Februar habe Rewe bereits ein Plus um 5,9 Prozent verbucht, so Souque.

Im vergangenen Jahr hat die Rewe-Gruppe, der neben den Konzerngesellschaften auch die selbstständigen Rewe-Kaufleute angehören, erstmals die Umsatzgrenze von 60 Milliarden Euro überschritten. „2018 war wirtschaftlich eines der besten Jahre unserer Unternehmensgeschichte“, sagte Souque, der Rewe seit Juli 2017 führt. Auch die Zahl der Mitarbeiter ist gestiegen: um 2,4 Prozent auf mehr als 360.000 in ganz Europa.

Die Kölner kämpfen nach eigenen Angaben nur in wenigen Sparten gegen Probleme an. Die Inte-gration der norddeutschen Sky-Supermärkte dauere noch an, sagte Souque. „Es bleibt dabei, dass wir dort frühestens 2021 ein positives Ergebnis erzielen werden.“ Auch die österreichische Drogeriekette Bipa habe den Konzern vor „Herausforderungen“ gestellt.

Gutes Geschäft in klassischen Supermärkten

Besonders gut lief das Geschäft dagegen in den klassischen Rewe-Supermärkten, die in Deutschland den Hauptanteil des Gruppenumsatzes liefern. Hier will das Unternehmen weiter in die Modernisierung und Neueröffnung von Filialen investieren – insgesamt sind für dieses Jahr Ausgaben in Höhe von rund zwei Milliarden Euro geplant. Auch das frühere Sorgenkind der Rewe-Familie, Discounter Penny, hat offenbar die Kehrtwende geschafft. Penny schreib das dritte Jahr in Folge schwarze Zahlen, so Souque. „Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden.“ Insgesamt stieg der Jahresüberschuss des genossenschaftlich strukturierten Rewe-Konzerns nach vorläufigen Angaben um 27 Prozent auf rund 430 Millionen Euro.

Die Verkaufstricks einiger Supermärkte

Investiert werden soll weiter in das sogenannte Omnichannel-Angebot. Der Einzelhandel beschreibt damit die Strategie, das Kunden viele unterschiedliche Wege zum Einkauf – vom Ladengeschäft bis zur Online-Bestellung – zur Verfügung stehen. Mit dem Aufbau eines modernen Warenlagers für die Online-Lieferung in Köln-Niehl war Rewe im vergangenen Jahr den Wettbewerbern einen Schritt voraus, mit dem Einstieg von Penny und zuletzt der Baumarktkette Toom in den Internethandel hinkten die Kölner eher hinterher.

Zu den aktuellen Pilotprojekten gehört ein Test in einem Rewe-Markt in Köln-Rodenkirchen. Hier können Kunden mit dem eigenen Smartphone oder einem mobilen Handscanner die Produkte in ihrem Einkaufswagen selber registrieren und dann an einer Expresskasse zahlen. Die Umsetzung für die gesamte Gruppe ist jedoch noch Zukunftsmusik. „Da wird sich noch viel ändern“, sagte Souque. Auch Zahlungen über Apps machten bisher bei Rewe einen sehr geringen Umsatzanteil aus. „Aber wenn die Nachfrage steigt, sind wir vorbereitet“, so der Franzose.

Im Ausland will Rewe vorerst in keine neuen Länder expandieren. „Für uns ist erst einmal das Wachstum dort wichtig, wo wir bereits vertreten sind“, sagte Souque. Rewe hat vor allem in Österreich eine starke Marktstellung unter anderem mit den Marken Billa, Merkur und Bipa (insgesamt rund neun Milliarden Euro Jahresumsatz), aber auch in anderen vorwiegend osteuropäischen Ländern. Zuletzt hatte Rewe im vergangenen Jahr die litauische Supermarktkette Iki übernommen.

Mehr von GA BONN