Sanierungsstau an Brücken: Reparatur der Rheinbrücke soll Ende Februar/Anfang März abgeschlossen sein

Sanierungsstau an Brücken : Reparatur der Rheinbrücke soll Ende Februar/Anfang März abgeschlossen sein

Wer dieser Tage über die Leverkusener Rheinbrücke fährt, steht oft im Stau. Von den drei regulären Spuren je Richtung sind wegen der Bauarbeiten nur zwei offen, manchmal nur eine.

Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht dürfen gar nicht über die A1-Brücke fahren. Zum Stand der Dinge, den Folgen der Sperrung, zur Planung und dem Bau der neuen Brücke sowie Baustellen an anderen Übergängen: Fragen und Antworten.

Wie kommen die Bauarbeiten voran?
Sie liegen trotz einiger Probleme im Zeitplan. Bis Ende Februar oder Anfang März soll nach Angaben von Laurenz Braunisch von der Kölner Niederlassung des Landesbetriebs Straßen NRW die Brücke für Lastwagen wieder freigegeben werden. Doch zu schaffen machen den Bauarbeitern weiterhin die schweren Fahrzeuge, die verbotenerweise über die Brücke fahren. Am 9. Januar wurden 1000 gezählt, am 16. Januar 1500. "Es schwankt", sagt Braunisch.

Was ist das Problem?
Die Bauarbeiter bräuchten eigentlich absolute Ruhe, wenn sie die Schäden beheben. Von Hunderten kleinerer Schäden, aber auch "handflächengroßen Rissen", die sich gebildet hätten, spricht Braunisch. Alte Bleche seien herausgetrennt, neue eingepasst und dann verschweißt worden. Doch die Vibrationen der über die Brücke fahrenden Lastwagen hätten dazu geführt, dass bereits verschweißte Bleche wieder herausgenommen werden mussten.

Wie wird im Bauch der Brücke gearbeitet?
"Rund um die Uhr", sagt Braunisch. In zwei Schichten zu je zwölf Stunden seien die Experten einer thüringischen Firma tätig. "Neun schweißen und einer prüft", so Braunisch. Nach Weihnachten hätten sie damit begonnen, die Schäden zu beheben: zuerst auf der nördlichen Seite, seit zwei Wochen auf der südlichen. Bezahlt werden die Reparaturarbeiten vom Bund.

Wird die Brücke ab Ende Februar voll belastbar sein?
Nein. Für Fahrzeuge über 40 Tonnen bleibt die A1 hier immer noch gesperrt. Außerdem könne niemand die Gewähr dafür übernehmen, dass die Brücke hält, bis die neue im Jahr 2020 steht, hatte Verkehrsminister Michael Groschek bereits vor den Sanierungsarbeiten gesagt. Notfalls müsse sie wieder für Lkw gesperrt werden.

Was erwartet Lastwagen-Fahrer, die dabei erwischt werden, wenn sie die Brücke benutzen?
Sie müssen 70 Euro zahlen und erhalten einen Punkt in Flensburg. Dazu kommen noch Bearbeitungsgebühren. In den ersten Tagen nach der Sperrung blühte den Lkw-Fahrern nur eine Strafe von 20 Euro. Inzwischen gilt ein Überholverbot und das kostet mehr. Das Übertreten des Überholverbots wird schon allein dadurch ausgelöst, dass Lkw-Fahrer an der Anschlussstelle Köln-Niehl oder am Dreieck Leverkusen-West die Ableitung ignorieren und auf der A1 bleiben. Die Kontrollen gehen weiter, erklärte die Polizei.

Sind durch den Umleitungsverkehr andere Autobahnbrücken zusätzlich belastet?
Ja. So stieg zum Beispiel die Anzahl der Lastwagen, die im Zuge der A46 über die Fleher Brücke in Düsseldorf fahren, um 24 Prozent an. Über die Rodenkirchener Brücke (A4) im Kölner Süden fahren 20 Prozent mehr Lastwagen. Die Verkehrszählungen wurden von Straßen NRW am 12. Dezember durchgeführt und von der Kölner Bezirksregierung verbreitet. Jüngere Zahlen lagen nicht vor. Gerade auf der A3, im Osten von Köln, seien die Staus länger geworden. Bonn sei von zusätzlichem Verkehr aber kaum betroffen, hieß es.

Wie gehen Unternehmen mit der Sperrung um?
Die Spedition Ludwig zum Beispiel ist mit einer Flotte von 38 Fahrzeugen eine der größten in der Eifel. "Alles, was nach Norden geht, fährt über diese Brücke", sagt ein Mitarbeiter. Die normale Fahrtzeit nach Hannover etwa beträgt rund vier Stunden. Jetzt kalkuliert das Unternehmen mit einer Stunde mehr - und schickt wegen der Staus rund um Köln seine Laster über Koblenz, das Lahntal und Nordhessen nach Hannover.

Wie sehen die Planungen für die neue Brücke aus?
Zunächst soll bis 2020 eine sechsspurige Brücke die alte ersetzen. Wenn die A1 zwischen Köln-Niehl und dem Kreuz Leverkusen achtspurig ausgebaut wird, sollen auch auf der Brücke acht Spuren bereit stehen. Geplant ist das für 2025 oder 2026. Wirtschaft und Politik weisen immer wieder darauf hin, dass es sich bei der Brücke um eine wichtige Lebensader des Rheinlands handelt. Deshalb dürfe es keine Verzögerungen bei der Neubauplanung geben.

Wie sieht es auf den innerstädtischen Brücken aus?
Auch sie gelten als wichtige Verbindungen über den Rhein. Die Stadt Köln registrierte auf der Mülheimer Brücke kurz nach der Sperrung der A1-Brücke eine Zunahme des Lkw-Verkehrs auf das Doppelte, obwohl die Route nicht als Umleitung ausgewiesen worden war: von gut 1500 Lastwagen auf mehr als 3300. Zu viel für die gut 60 Jahre alte Brücke, die ohnehin schon ab 2015 grundsaniert werden sollte. Die Stadt verfügte daher vom 14. Januar an eine Sperrung für alle Fahrzeuge ab 30 Tonnen. Inzwischen wird darüber nachgedacht, ob eine frühere Reparatur notwendig ist.

Wer kommt für die Sanierung der Mülheimer Brücke auf?
Weil es eine städtische Brücke ist, müsste die Stadt Köln die Kosten tragen. Doch dagegen regt sich Widerstand. Der Geschäftsführer der Kölner Industrie- und Handelskammer, Ulrich Soénius, hat den Bund aufgefordert, zumindest die Hälfte zu zahlen, schließlich sei der Rhein eine Bundeswasserstraße. Zudem könnten die Kommunen nichts dafür, dass sich der Verkehr andere Wege sucht, wenn die Brücke in Leverkusen für Lastwagen gesperrt sei. Hier müsse das Verursacherprinzip gelten, und dann sei der Bund am Zuge.

Was sagt die Stadt Köln?
Oberbürgermeister Jürgen Roters äußerte sich diplomatischer: Er hätte bei Bund und Land auf die überregionale Bedeutung der Mülheimer Brücke hingewiesen und zudem erklärt, dass Städte aus ihren Etats solche Sanierungen nicht allein stemmen könnten, teilte eine Sprecherin der Stadt Köln mit. Finanzielle Forderungen aber hat Roters noch nicht gestellt.

In welchem Zustand befinden sich die anderen Brücken?
Das ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Der Düsseldorfer Verkehrsdezernent Stephan Keller hat jüngst das Sanierungsniveau der Brücken dort als "gut" bewertet. Er fügte aber hinzu: "Unsere gesamte Brücken-Familie ist in die Jahre gekommen." Kurz: In einigen Jahren werden auch die Düsseldorfer Brücken saniert werden müssen. In Köln gibt es größere Probleme.

Welche?
Auf der Zoobrücke zum Beispiel dürfen ohnehin nur Lastwagen bis 30 Tonnen fahren. Eine Grundsanierung ist für die Jahre 2022 bis 2024 geplant. Die Deutzer Brücke ist - wie derzeit auch die Leverkusener Brücke - gesperrt für alle Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen. Bauarbeiten laufen auf der rechtsrheinischen Seite. Bis 2019 sollen sie auch linksrheinisch abgeschlossen sein. Die Severinsbrücke hält voraussichtlich noch etwas länger: Hier ist eine Grundsanierung in den Jahren 2020/21 vorgesehen.

Und in Bonn?
Wie jüngst berichtet, soll der Tausendfüßler, also die A565 zwischen Bonn-Nord und Endenich, von April an fünf Monate zur Großbaustelle werden. Der Landesbetrieb Straßen NRW will aber in jede Richtung zwei Spuren offen halten. In frühestens zehn Jahren stehen Abriss und Neubau an.

Was ist an den anderen Brücken in Bonn geplant?
Die Viktoriabrücke soll von September dieses Jahres bis 2017 saniert werden. Die Sanierung der Nordbrücke (Friedrich-Ebert-) ist für die Zeit von 2015 bis 2019 vorgesehen, und an der Südbrücke (Konrad-Adenauer-) steht die Sanierung frühestens 2019 an.

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