Konjunkturklima in der Region Bonn/Rhein-Sieg: Regionale Wirtschaft mit gebremstem Schwung

Konjunkturklima in der Region Bonn/Rhein-Sieg : Regionale Wirtschaft mit gebremstem Schwung

Das Konjunkturklima in der Region Bonn/Rhein-Sieg hat sich leicht verschlechtert. Die IHK sieht als Gründe vor allem die Verunsicherung der Unternehmer durch Handelsstreit und Brexit.

Die Stimmung der Unternehmer in der Region Bonn/Rhein-Sieg hat sich zu Jahresbeginn verschlechtert. Der Konjunkturklimaindikator, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg dreimal im Jahr bei einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen erhebt, ist von 126 Punkten im Herbst auf 122 zu Jahresbeginn gesunken. „Das ist der niedrigste Wert seit zwei Jahren und deutet auf eine Phase gebremsten Wachstums hin“, sagte IHK-Präsident Stefan Hagen am Donnerstag in Bonn. Er führt den Rückgang auf die Unsicherheit über die Entwicklung des internationalen Handels und der Weltwirtschaft zurück.

Dabei stehen besonders die Handelsstreitigkeiten zwischen der EU und den USA sowie zwischen den USA und China sowie die Rahmenbedingungen des Austritts Großbritanniens aus der EU im Vordergrund. Ein Index von 100 bedeutet, dass es gleich viele Firmen mit positiver wie mit negativer Tendenz gibt.

Hagen geht davon aus, dass sich die positive Beschäftigungsentwicklung in der Region in den kommenden Monaten fortsetzen wird. Ein Viertel der befragten Unternehmen plane eine Erhöhung der Beschäftigung, nur einzelne Firmen wollten den Stellenbestand senken. Insbesondere die IT-Unternehmen und die Dienstleister im Allgemeinen meldeten einen hohen zusätzlichen Fachkräftebedarf.

Dienstleistungen: Die Dienstleistungsbranche ist in der Region Bonn/Rhein-Sieg die wichtigste Säule der Wirtschaft und steht für 90 Prozent der Wirtschaftsleistung. Obwohl es in der Region auch zahlreiche Dienstleistungsunternehmen mit internationalen Verflechtungen gibt, zeigt sich die Branche relativ unbeeindruckt von der Verschlechterung der Wachstumsaussichten. 56 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als gut, nur acht Prozent sehen sie negativ. Der Geschäftsklimaindex bleibt deshalb mit 134 Punkten auf einem sehr hohen Stand.

Industrie: Besonders die Industrie, die in der Region allerdings nur einen Anteil von zehn Prozent an der Wirtschaftsleistung hat, befürchtet Auswirkungen der internationalen Handelskonflikte und der Brexit-Unwägbarkeiten. Der Geschäftsklimaindex sackte das zweite Mal in Folge deutlich ab. 104 Punkte sind der niedrigste Stand seit dem Herbst 2012. „Im Branchenvergleich ist dies der schlechteste Wert in unserer Region“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille. Die Unternehmen schätzten sowohl die derzeitig Lage als auch die Aussichten für die kommenden Monate schlechter ein.

Einzelhandel: Stabil zeigt sich die Lage im Einzelhandel. Der IHK-Geschäftsklimaindex blieb auf einem durchschnittlichen Niveau und wies das dritte Mal in Folge einen nahezu unveränderten Wert auf. Dabei hat sich die Einschätzung der aktuellen Lage sogar noch ein wenig verbessert. Hille: „Auffällig ist insbesondere, dass sich der Anteil der negativen Bewertungen auf acht Prozent halbiert hat. Dafür bezeichnen jetzt über 60 Prozent ihre Lage als befriedigend.“ Da die Umfrage zum Jahreswechsel stattgefunden hat, bedeute es auch, dass die Geschäftsleute in der Region mit dem Weihnachtsgeschäft mehrheitlich zufrieden waren, so Hille. Dazu passe die Umsatzentwicklung in den befragten Unternehmen. 40 Prozent berichten von gestiegenen Umsätzen, nur noch 16 Prozent verzeichnen einen spürbaren Rückgang. Im Frühsommer 2018 war dieses Verhältnis noch genau entgegengesetzt.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Die Informations- und Kommunikationswirtschaft wird nach Ansicht von Hubertus Hille auch 2019 einer der Wachstumstreiber in der Region bleiben – gestützt durch den Digital Hub und das neue Cyber Security Cluster, in dem sich Akteure der Cybersicherheit zusammengeschlossen haben. Die Unternehmen wollten die Stellenzahl weiterhin deutlicher höhen.

Fast jedes zweite Unternehmen will im laufenden Jahr neues, zusätzliches Personal einstellen. Limitierender Faktor sei hierbei immer öfter der Mangel an ausreichend qualifizierten und zu den Anforderungen passenden Fachkräften. Der IHK-Geschäftsklimaindex sank nur sehr leicht von 138 auf 136 Punkte.

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