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Regionale Versorger erwarten steigende Preise

Regionale Versorger erwarten steigende Preise

Die sieben ältesten Atomkraftwerke in Deutschland werden zumindest vorläufig abgeschaltet. Ob sie je wieder in Betrieb gehen, ist offen. Viele Verbraucher fragen sich, ob Strom dadurch teurer wird. Nach Auffassung von Experten wird das zwar der Fall sein, der Einfluss bleibt aber relativ begrenzt.

Bonn/Köln. Die sieben ältesten Atomkraftwerke in Deutschland werden zumindest vorläufig abgeschaltet. Ob sie je wieder in Betrieb gehen, ist offen. Viele Verbraucher fragen sich, ob Strom dadurch teurer wird. Nach Auffassung von Experten wird das zwar der Fall sein, der Einfluss bleibt aber relativ begrenzt.

Tobias Federico, Chef des auf die Energiebranche spezialisierten Analysehauses Energy Brainpool, erwartet einen Anstieg des Strompreises um einen Cent pro Kilowattstunde, wenn die sieben Atommeiler dauerhaft stillgelegt werden. Derzeit zahlen Haushaltskunden in Deutschland im Schnitt knapp 25 Cent pro Kilowattstunde.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet einen deutlicheren Anstieg der Strompreise um rund zehn Prozent, das wären 2,5 Cent pro Kilowattstunde. Nach Ansicht des Öko-Instituts und des World Wide Funds For Nature (WWF) dürften die Strompreise hingegen nur um 0,5 Cent steigen.

Stromrechner Vergleichen lohnt sich: Finden Sie mit unserem Rechner den günstigsten StromanbieterDie Umweltschützer erwarten auch keine Versorgungsprobleme. Es gebe genügend Kapazitäten, Sonnen- und Windenergieanlagen müssten nicht über die bisher geplanten Grenzen hinaus ausgebaut werden, erklärte Felix Matthes vom Öko-Institut am Freitag in Berlin. Versorger aus der Region erwarten grundsätzlich weiter steigende Strompreise, allerdings nicht nur wegen der Abschaltung der Atomkraftwerke.

Auch die Umlage für die Subventionierung der erneuerbaren Energien spiele eine Rolle, sagte Marco Westphal, Geschäftsführer der Stadtwerke Bonn (SWB). Die geplante AKW-Abschaltung habe sich kurzfristig bereits in den Preisen an der Strombörse niedergeschlagen: "Die sind nach oben geschnellt". Jetzt gelte es aber in Ruhe abzuwarten, wie sich der Strompreis mittelfristig entwickele.

Die SWB haben laut Westphal den gesamten Strom für das laufende Jahr bereits eingekauft und beabsichtigen bis Jahresende keine Preiserhöhung mehr. Die SWB erzeugen rund die Hälfte ihres Stroms selbst, im Energiemix sind laut Westphal etwa zehn Prozent Atomstrom und knapp 40 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien enthalten.

Ab 2014 wollen die Stadtwerke, unter anderem durch den Ausbau des Kraftwerks Nord, den Eigenanteil an der Stromerzeugung auf 80 Prozent schrauben. Der Kölner Versorger Rheinenergie wollte keine Prognose darüber abgeben, wie sich der Strompreis entwickelt. Knappe Ressourcen führten aber generell zu steigenden Preisen.

Kurzfristig gebe es aber keine großen Überraschungen, versicherte Unternehmenssprecher Christoph Preuß. Die Strombeschaffung sei ein langfristiges Geschäft. Traditionell kauft die Rheinenergie den Strom mit einem recht großen Vorlauf. Und davon könnte sie jetzt profitieren. Wahrscheinlich sei nämlich, dass der Strompreis an der Börse in Leipzig steigt.

Der richtet sich nach dem Kraftwerk, dass zuletzt zugeschaltet worden ist. Werden also mehr Kohle- oder Gaskraftwerke zur Stromerzeugung gebraucht, steigt der Preis. Die Rheinenergie nutzt ebenso wie die Versorger Belkaw im Rheinisch Bergischen und die Aggerenergie im Oberbergischen Kreis, an denen die Rheinenergie beteiligt ist, vergleichsweise wenig Atomstrom.

Der Atom-Anteil liegt bei etwa 15,5 Prozent, während er im Bundesschnitt 22 Prozent beträgt. 62,2 Prozent des Stroms von Rheinenergie, Aggerenergie und Belkaw werden aus fossilen Energieträgern erzeugt, 22,3 Prozent durch erneuerbare Energien. Ab April bieten Rheinenergie und Belkaw einen neuen Ökostrom-Tarif an. Die Rhenag hat ihr Angebot zu Jahresbeginn komplett auf Ökostrom umgestellt.