Anfrage der FDP im Bundestag: Regierung verteidigt Wegfall von ICE-Halten in Siegburg

Anfrage der FDP im Bundestag : Regierung verteidigt Wegfall von ICE-Halten in Siegburg

Dass am Bahnhof Siegburg/Bonn täglich vier ICE-Halte wegfallen, hat in der Region für Unmut gesorgt. Bundesregierung und Bahn rechtfertigen jetzt die Kürzung im Fahrplan. Das geht aus einer Antwort auf eine FDP-Anfrage im Bundestag hervor, die dem GA vorliegt.

Die Bundesregierung hält das ICE-Angebot am Haltepunkt Siegburg/Bonn für ausreichend. Das erklärte sie unter Berufung auf die Deutsche Bahn auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. In den nächsten Jahren bleibe die Zahl der ICE-Halte in der Kreisstadt „mindestens auf dem heutigen Niveau“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung, die dem GA vorliegt.

Anlass der Anfrage war, dass mit dem Fahrplanwechsel im Dezember vier Halte in Siegburg entfallen sind. Hintergrund: Der neue ICE 4 schafft nur eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern und „spart“ sich deshalb vier Mal täglich den Halt in Siegburg, um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Die Vorgängergeneration ICE 3 fährt bis zu 300 Stundenkilometer, worauf die Schnellstrecke Köln-Frankfurt auch ausgelegt ist. Regulär dauert eine Fahrt vom Haltepunkt Siegburg/Bonn zum Frankfurter Flughafen unter 40 Minuten.

Standortnachteil befürchtet

Die Reduzierung des Angebots sorgt in der Region für Unmut. Die FDP beklagt in ihrer Anfrage einen „Standortnachteil“. Sie befürchtet, dass Bahn-Kunden vermehrt aufs Auto umsteigen könnten. Bund und Bahn sind anderer Auffassung: „Da das Angebot mit bis zu 60 ICE-Abfahrten pro Tag weiterhin eine sehr gute Anbindung von Siegburg/Bonn gewährleistet, geht die DB AG nicht davon aus, dass Kunden vermehrt auf Pkws umsteigen“, heißt es in der Antwort, die aus dem Bundesverkehrsministerium kommt. Die vier Fahrten seien „außerhalb der nachfragestarken Pendlerzeiten“ entfallen.

ICE 4 bietet mehr Platz, ist aber langsamer als die Vorgänger

Auch wird in der Antwort der Einsatz des langsameren ICE 4 auf der Strecke Köln-Frankfurt verteidigt: Schließlich biete er mehr Sitzplätze, mehr Komfort sowie die Möglichkeit, Fahrräder mitzunehmen. Der ICE 3 soll der Antwort zufolge aber auch weiterhin auf der Strecke Köln-Frankfurt eingesetzt werden. Auch bei diesen älteren Zügen bestehe nun die Möglichkeit, die Zahl der Sitzplätze zu erhöhen: Einige ICE-3-Fahrten würden um einen zweiten Zugteil verstärkt. Insgesamt bleibe der ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn für die DB „ein wichtiger Fernverkehrshalt und in der langfristigen Fahrplankonzeption fest verankert“, versichert die Bundesregierung in ihrer Antwort. „Von einem Verlust an Standortattraktivität ist daher nicht auszugehen.“

Die Bad Honnefer FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Westig, die die Anfrage mit Fraktionskollegen gestellt hatte, hält die Aussagen für unbefriedigend: „Die Antwort des Bundesverkehrsministeriums zeigt, dass die Pendler in unserer Region wohl als Versuchskaninchen dienen sollen“, erklärte sie. Ein paar Züge weniger für ein paar Plätze mehr in den verbliebenen – das sei nicht im Sinne der Bahnkunden und „aus Gründen des Klimaschutzes das völlig falsche Signal“ für die Wachstumsregion Bonn/Rhein-Sieg.

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