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125-jähriges Bestehen: Publikationen rund um den Sport bringen Bonner Traditionsdruckerei voran

125-jähriges Bestehen : Publikationen rund um den Sport bringen Bonner Traditionsdruckerei voran

Es hat viel mit Golfspielen zu tun, dass das Bonner Druck- und Verlagshaus Köllen in diesen Tagen sein 125-jähriges Bestehen feiern kann. Publikationen rund um den Sport halten das Geschäft des Familienunternehmens am Laufen.

"Das reine Drucken geht immer weiter zurück, mittelfristig wird das Verlagsgeschäft unser wichtigeres Standbein sein", prognostiziert Köllen-Geschäftsführer Dieter Brandenburg. Tatsächlich sind die Zahlen aus der Branche dramatisch: In den vergangenen zehn Jahren mussten in Deutschland mehr als 4000 überwiegend mittelständische Druckereien schließen, knapp 10.000 gibt es noch.

"Davon wird in den kommenden zwei Jahren jede zweite aufgeben", glaubt Bastian Bleeck, der Köllen gemeinsam mit Brandenburg leitet. Doch die Bonner werden überleben, sind sich die Manager sicher. "Umsatz und Gewinn steigen", sagt Bleeck. Eben weil Köllen das Verlagsgeschäft zielstrebig ausbaue.

Die Geschichte des Unternehmens ist bewegt. Im Jahr 1887 gründete Gerhard Köllen eine Druckerei in Duisburg-Ruhrort. Mit der Herausgabe der katholischen, zentrumsnahen "Ruhrorter Volkszeitung" stieg er bald darauf ins Verlagsgeschäft ein.

Nach Querelen im Verlag verkaufte sein Sohn Heinrich Köllen 1927 das Unternehmen und zog nach Bonn, wo sein Vater aufgewachsen war, gelernt hatte und unter anderem beim General-Anzeiger als Buchdrucker tätig gewesen war.

In Bonn kaufte Heinrich Köllen zwei Verlage, darunter wieder eine zentrumsnahe Zeitung, die "Deutsche Reichszeitung". Der Nationalsozialismus setzte deren Erscheinen allerdings ein Ende, Köllen stellte die verlegerische Tätigkeit ein und druckte während des Dritten Reichs hauptsächlich Fahrscheine.

Direkt nach dem Krieg baute Heinz-Gert Köllen die Druckerei aber wieder auf und stieg auch erneut ins Verlagsgeschäft ein. Die Bonner Rundschau und viele Zeitschriften für Ministerien, Parteien und in Bonn ansässige Verbände verließen das Druckhaus, das zeitweise in Bonn, später in Alfter und seit 1994 im Bonner Gewerbegebiet Buschdorf residiert.

Sohn Peter Cöllen - das K wurde durch ein Amtsversehen ein C - übernahm nach dem frühen Tod des Vaters das Unternehmen, wurde aber 1982 dazu bestimmt, den ebenfalls zur Familie gehörenden Autozulieferer Vorwerk & Sohn in Wuppertal zu führen. Deshalb suchte die Familie für das Druckhaus in Bonn einen Partner.

Sie fand ihn in Klaus-Jürgen Bleeck, der damals die Hamburger Morgenpost leitete. 1983 übernahm Bleeck in Bonn die Geschäftsführung und bald darauf die Hälfte der Firmenanteile. Sein Sohn Bastian folgte ihm nach seinem Wechsel in den Ruhestand im Jahr 2002.

Klaus-Jürgen Bleeck war es auch, der Mitte der 90er Jahre die Fachzeitschriften Rasen, Greenkeepers Journal und Golfmanager ins Haus holte und eine Redaktion dafür aufbaute. Heute ist Köllen offizieller Verlagspartner des Deutschen Golf Verbands. Allein das Handbuch der Golfregeln bringt es laut Bastian Bleeck auf bisher rund 200.000 Exemplare Auflage.

Zum Verlagsgeschäft gehören auch regionale Publikationen wie die monatlich erscheinende Zeitschrift Bonnjour. Für die Bonner Oper, Theater und Museen druckt Köllen Programmhefte, außerdem Karnevalsmagazine und Forsch, die Zeitschrift der Uni Bonn.

Von einem Büro in Berlin aus holen die Bonner nach wie vor Aufträge von Verbänden und Ministerien. Mit 48 Mitarbeitern erwirtschaftete Köllen im vergangenen Jahr laut Brandenburg einen Umsatz von mehr als sechs Millionen Euro, knapp drei Prozent mehr als im Vorjahr.

Mit dem Golfsport stößt das Unternehmen auch in neue Medien vor. Brandenburg: "In Starnberg drehen wir gerade einen Film, der die Regeln des Spiels vermittelt. Den werden wir als DVD verkaufen."