Umstrukturierung: Postbankmitarbeiter in Bonn sind verunsichert

Umstrukturierung : Postbankmitarbeiter in Bonn sind verunsichert

Bei der Postbank herrscht Unruhe wegen der Umstrukturierung, durch die Aufgaben zwischen Bonn und Frankfurt neu verteilt werden sollen. Jetzt wurde eine Versammlung der Beschäftigten verschoben.

Bei der Postbank hat der Betriebsrat der Zentrale eine für diesen Monat geplante Betriebsversammlung verschoben. Da es zu den die Mitarbeiter betreffenden Umstrukturierungsthemen „noch keine konkreten Informationen des Arbeitgebers gibt“, werde die Betriebsversammlung auf einen späteren Zeitpunkt verlegt, schrieb die Betriebsratsvorsitzende Rosi Ennenga an ihre Kollegen. Bei den Postbank-Mitarbeitern, die in Bereichen arbeiteten, die künftig von Frankfurt aus geleitet würden, gebe es „Rückfragen und Verunsicherung“.

Zwei Tage zuvor hatte Frank Strauß, Postbank-Vorstandsvorsitzender und Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, in einem Schreiben an die Beschäftigten erste Eckpunkte der Aufteilung von Arbeitsbereichen auf Bonn und Frankfurt verkündet (der GA berichtete). Im Zuge der Integration von Postbank mit Hauptsitz in Bonn und Deutscher Bank mit Hauptsitz in Frankfurt hat er bekannt gegeben, welche produktnahen Bereiche von welchem Ort aus gesteuert werden sollen. Die Bank benutzt für die Aufteilung den Begriff „eine Zentrale mit zwei Standorten“. Postbank und Deutsche Bank sollen weiterhin als getrennte Marken auftreten, aber die Stammhäuser benannten Bereiche werden zentral aus einer Hand gesteuert.

So wurde für zwei „Stammhäuser“ Bonn als Standort gewählt: Das eine heißt Konto (Privatkunden), Konsumentenkredite und Postdienstleistungen. Das zweite Konto (Firmenkunden, Einlagen (Firmenkunden) und Zahlungsverkehr. Die Baufinanzierung wird künftig von Frankfurt aus koordiniert, das Bausparen aus Hameln. In Frankfurt werden die Aufgaben Investmentprodukte, Versicherungen und Einlagen (Privatkunden) sowie Produkte für Geschäfts- und Firmenkunden (Kredit und gebührenfinanzierte Produkte) angesiedelt. Da in diesen Bereichen viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz in der Region haben, ist hier die Aufregung groß. Bislang heißt es, dass nicht alle Mitarbeiter eines Stammhauses auch am gleichen Ort wie die Leitung arbeiten müssen.

Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Mitte 2021 ausgeschlossen

Informationen, wie die Einrichtung der Stammhäuser konkret umgesetzt werden soll, gebe es noch nicht, schreibt Betriebsratschefin Rosi Ennenga ihren Kollegen. Ebenso unklar sei, welche Lösung für Querschnittfunktionen angedacht seien. Diese Informationen solle es erst 2019 geben. Im Dezember will der Arbeitgeber bei einem Treffen mit dem Gesamtbetriebsrat Deutsche Bank und dem Konzernbetriebsrat die ersten geplanten Maßnahmen vorstellen. Danach würden die Interessenausgleichsverhandlungen beginnen. „Das heißt, dann wird beraten, ob und wie eine Maßnahme umgesetzt werden soll“, so Ennenga.

Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Mitte 2021 ausgeschlossen. Die Beschäftigten sind außerdem durch weitere Vereinbarungen zwischen Bank und Gewerkschaften sozial abgesichert. Roman Eberle, bei der Gewerkschaft Verdi in NRW im Fachbereich Finanzdienstleistungen, hatte gegenüber dem GA erläutert: Wenn eine Führungskraft einen Mitarbeiter zum Umzug bewegen wolle, müsse sie sich mit ihm einigen. Der Betriebsrat müsse auch immer mit ins Boot geholt werden. Die Postbank hat in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis gut 3300 Beschäftigte.

Noch im Stadium der Erarbeitung sind Digitalpläne beider Banken. Sowohl die stärkere Digitalisierung von Postbankangeboten als auch die Erschließung neuer Zielgruppen soll künftig auch aufeinander abgestimmt werde.

Um den Kunden eine digitale Geldbörse anbieten zu können, soll die Deutsche Bank-Tochter Norisbank eine wesentliche Rolle spielen. Die Norisbank hat ihren Hauptsitz in Bonn. Sie sei zuletzt „etwas stiefmütterlich“ behandelt worden, hatte Strauß vor einigen Tagen in einem Interview gesagt Von wo aus die Digitalpläne verantwortet werden sollen, hat der Vorstand noch nicht verkündet.