13.000 Paketboten betroffen: Post und Verdi einigen sich auf neuen Tarifvertrag

13.000 Paketboten betroffen : Post und Verdi einigen sich auf neuen Tarifvertrag

Die Deutsche Post DHL Group beschäftigt alle Paketboten künftig wieder nach einem einheitlichen Tarifvertrag. Außerdem wird der Kündigungsschutz verlängert.

Mit dem zwischen DPDHL und Verdi ausgehandelten Tarifvertrag ist die Zweiklassengesellschaft passé: Seit fast vier Jahren gab es unter dem Dach der Post zwei Arten von Paketzustellern. Die einen sind angestellt bei der Muttergesellschaft und werden zu den besseren Bedingungen des Haustarifvertrages entlohnt.

13.000 weitere sind bei 46 regionalen Tochtergesellschaften namens DHL Delivery angestellt und verdienen weniger: Für sie gelten die regionalen Tarifverträge für Spedition und Logistik. Die Gründung der Delivery-Gesellschaften, die zur Senkung der Lohnkosten in der hart umkämpften Paketzustellung führen sollte, war hart umkämpft. Die Gewerkschaften protestierten mit einem langen Arbeitskampf, konnten sich aber letztlich nicht gegen die Gründung wehren. Die Zweiteilung soll nun zum 1. Juli aufgehoben werden.

Die Deutsche Post und die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft Verdi haben sich darauf geeinigt, dass kein Beschäftigter weniger Tarifentgelt als bisher erhalten soll. In wenigen Region liegt der Lohn der Tochtergesellschaften über dem Haustarif. Der Entgelttarifvertrag wird zum 1. Juli für alle Beschäftigten und für neue Arbeitsverhältnisse verändert. Künftig werden die Zeiten zum Aufstieg in die nächste Verdienststufe, die mit einem monatlichen Plus von in der Regel 75 Euro verbunden ist, von 24 auf 36 bis 48 Monate verlängert.

Die Vereinbarung biete für die Beschäftigten und das Unternehmen langfristig Sicherheit, sagte Vorstandsvorsitzender Frank Appel. Im Rahmen der laufenden Umbaumaßnahmen im deutschen Brief- und Paketgeschäft sei das ein wichtiger Meilenstein. Die Vereinbarung sei außerdem ein weiterer Schritt zu wettbewerbsfähigen Tarifstrukturen im Brief- und Paketmarkt. „Gleichzeitig grenzen wir uns bewusst von einem Niedriglohnwettbewerb in der Branche ab“, so Appel. Beide Seiten einigten sich, den bis 31. März 2019 befristeten Verzicht des Unternehmens auf eine Fremdvergabe von Leistungen an Drittfirmen in der Brief- und Verbundzustellung bis Ende 2020 zu verlängern. Ebenfalls verlängert wurde der Ende 2019 auslaufende Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis 31. Dezember 2022.

„Wir betrachten es als großen Erfolg“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis unserer Zeitung. Die ehemaligen Delivery-Beschäftigten erhielten künftig ein 13. Monatsentgelt, eine betriebliche Altersversorgung, Kündigungsschutz und eine deutlich bessere Entgeltperspektive. Die Folge der Neuregelung sei eine leichte Verschlechterung bei der betrieblichen Altersversorgung für neue Mitarbeiter. Doch in den Delivery-Gesellschaften habe es bislang keine betriebliche Altersversorgung gegeben. „Insofern ist es für die neuen Mitarbeiter ein Erfolg, dass sie eine betriebliche Altersversorgung erhalten. Außerdem werde die Post vier Jahre lang weniger in den Demografie-Fonds einzahlen, über den Beschäftigte Altersteilzeitregelungen auf freiwilliger Basis in Anspruch nehmen können. „Dieser Topf ist allerdings so gut gefüllt, dass auch mit den geringeren Zahlungen alle Beschäftigten, die dies wollen, frühzeitig in den Ruhestand gehen können.“

Bei der Fremdvergabe habe sich die Post auf keinen längeren Zeitraum eingelassen. Allerdings sei der Arbeitsmarkt auch nicht so, dass Subunternehmer Schlange stünden. Deshalb setze sie auf weitere Verlängerung. „Die Integration der Delivery-Firmen auch beim Haustarifvertrag war fast schon zwangsläufig“, sagt der Essener Logistikexperte Detlef Symanski. „Man wollte nun einheitliche Betriebe haben. Und die erhofften Einsparungen durch die Billigtöchter haben sich in den letzten Jahren sehr relativiert, weil sich deren Lohnniveau auch deutlich erhöht hat.“

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