Deutsche Post DHL: Position auf dem US-Markt weiter ausgebaut

Deutsche Post DHL : Position auf dem US-Markt weiter ausgebaut

Der US-Markt hat für die Deutsche Post DHL wachsende Bedeutung: "Der US-Markt ist eine zentrale Stellschraube in unserem globalen Netzwerk", sagte Vorstandschef Frank Appel gestern in Miami (Florida). 2012 habe das Unternehmen zehn Prozent seines Umsatzes von insgesamt 55,5 Milliarden Euro in den USA erzielt.

Der Umsatz habe mit einer zweistelligen Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Es sei gelungen, den Hauptkonkurrenten UPS und Fedex Marktanteile abzuknöpfen. In den USA arbeiten rund 35.000 Menschen für das Bonner Unternehmen. Damit habe sich die Post erfolgreich auf das internationale Express-Geschäft "re-fokussiert", so Appel.

Die Post hatte zu Beginn des Jahrtausends im nationalen US-Geschäft mit Express-Sendungen starke Probleme. 2008 zog Appel die milliardenschwere Notbremse. Das Unternehmen zog sich aus dem nationalen Expressgeschäft in den USA im Wesentlichen zurück: Drei Viertel der knapp 20.000 US-Mitarbeiter in diesem Segment wurden entlassen, drei Viertel der Standorte geschlossen. Statt 1,3 Millionen Sendungen am Tag gab es nur noch weniger als 100.000.

Ein kompletter Flughafen in Wilmington (Ohio) wurde stillgelegt, 8000 Stellen bei der Fluglinie ABX, die zu DHL gehört und dort ein Luftdrehkreuz betrieb, wurden abgebaut. Das US-Abenteuer bescherte der Post für das Geschäftsjahr 2008 - erstmals seit einem Jahrzehnt wieder - deutliche Verluste.

Die Sanierungspläne wurden 2008 sogar ein Thema im US-Wahlkampf. "Man soll ein Geschäft nur betreiben, wenn man dem Kunden ein klares Argument liefern kann, warum er zu dieser Firma kommen soll", sagte Appel gestern rückblickend. Das habe er aus den Problemen gelernt.

Insgesamt hatte sich die Deutsche Post DHL den Einstieg in den US-Markt 7,5 Milliarden Euro kosten lassen. Darin enthalten die Aufwendungen für Unternehmenszukäufe, die Verluste und die Sanierungsaufwendungen von 3,9 Milliarden Euro. Zu Beginn des Jahres 2010 hatte DHL den Flughafen in Wilmington an die dortige Gemeinde verschenkt. Stattdessen kehrte DHL an den Flughafen Cincinnati zurück, den das Unternehmen bereits bis 2005 als Verteilkreuz für das US-Geschäft benutzt hatte.

Dieses Drehkreuz hat die Post seit 2009 mit Investitionen von 105 Millionen US-Dollar ausgebaut. Die Erweiterung wird in dieser Woche offiziell eingeweiht. Das internationale Expressgeschäft der Deutschen Post DHL befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. Der damit erzielte Umsatz legte im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zu. Auch in der See- und Luftfracht sowie den Logistikdienstleistungen für Firmenkunden gab es deutliche Wachstumsraten.

Um dieses Wachstum abzusichern, fordert Appel die zügige Schaffung einer Freihandelszone zwischen den USA und der Europäischen Union: "Diese Gelegenheit sollte jetzt ergriffen werden." Schutzmaßnahmen sicherten keine Arbeitsplätze, betonte er. Er könne nur an alle Länder appellieren: "Investiert in die Infrastruktur und baut Handelshemmnisse ab, das fördert die Wettbewerbsfähigkeit."

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