Geplanter Umzug der Haribo-Hauptverwaltung: Politiker fürchten Steuereinbußen

Geplanter Umzug der Haribo-Hauptverwaltung : Politiker fürchten Steuereinbußen

Die jüngste Ankündigung des Gummibärchen-Konzerns Haribo, 2017 auch die Hauptverwaltung auf das neue Firmengelände in der Grafschaft zu verlegen, hat bei den Bonner Ratsfraktionen großes Bedauern und Sorge ausgelöst.

Die FDP regte in dem Zusammenhang an, über eine Senkung der Gewerbesteuer nachzudenken. "Dadurch könnte der Wirtschaftsstandort Bonn im Vergleich und in Konkurrenz zu den Umlandgemeinden attraktiver gemacht werden", meinte Fraktionschef Werner Hümmrich.

Haribo plant auf dem 27 Hektar großen Grundstück nahe der A 61 ein großes Logistikzentrum mit rund 100.000 Palettenstellplätzen, Produktionsstraße und neuen Verwaltungsgebäuden (der GA berichtete). In den Büros sollen laut Haribo-Sprecher Marco Alfter später auch rund 200 Mitarbeiter tätig sein, die bisher in Kessenich in der Hauptverwaltung arbeiteten. An der Produktionsstätte in Kessenich sollen aber immer noch 850 Beschäftigte samt der dazugehörigen Betriebsverwaltung bleiben, sagte Alfter.

Guido Déus, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion, bedauerte die Entwicklung sehr. Neben langfristig zu erwartenden deutlichen Steuereinbußen sei der Umzug für den Standort Bonn auch ein Imageverlust, betonte er. "Es bleibt unverständlich, dass trotz allem politischen Bemühen für Haribo in Bonn keine Alternative geschaffen werden konnte", kritisierte er die Stadtspitze.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) sagte dagegen: "Wir können die Entscheidung des Unternehmens, auch die Firmenzentrale nach Grafschaft zu verlagern, nur zur Kenntnis nehmen und haben sie nicht zu kommentieren." Haribo wisse, dass die eigenen Wurzeln in Bonn lägen; das Unternehmen habe von hier aus seinen weltweiten Erfolgszug angetreten. "Nicht zu rütteln ist an der Feststellung, dass wir kein Gelände für eine Ausweitung der Produktion in der gewünschten Größe auf dem Stadtgebiet haben", machte der OB deutlich.

Auf seine Seite stellte sich SPD-Ratsfraktionschef Ernesto Harder (SPD). "Weder dem Weltkonzern selbst noch der Stadtverwaltung sind hier Vorwürfe zu machen. Allerdings sollten beide Gespräche aufnehmen, damit wenigstens der Firmensitz - wie das Unternehmen ihn im Namen trägt - Bonn bleibt", sagte er.

Auch Peter Finger (Grüne) bedauerte den Umzug und gab Nimptsch ebenfalls Recht, dass es in Bonn kein ausreichend großes Grundstück für Haribo gebe. "Wer in dem Zusammenhang die Forderung nach Senkung der Gewerbesteuer erhebt, ist unrealistisch", unterstrich er an die Adresse der Liberalen. Das sei angesichts des angespannten Haushaltes nicht verantwortungsbewusst.

Und was sagen die Kessenicher zur jüngsten Entwicklung? "Haribo gehört zu Kessenich", meinte Bäckermeister Markus Zimmermann, der im Ort einen Familienbetrieb von 1949 leitet. Der Wegzug werde Kaufkraft aus dem Ortsteil ziehen, "denn die Leute kaufen da, wo sie arbeiten". Er und ein Dottendorfer sprechen aber auch den Lastwagenverkehr an, der wohl abnehmen werde. "Bonn hat es geschafft, die Industrie aus der Stadt zu vertreiben", meinte eine Kessenicherin. "Ich weiß nicht, ob das der Stadt guttut."

"Ich mache mir keine Sorgen, dass Haribo komplett weggeht", sagte Anwohner Stefan Theel. Teile der Verwaltung, die für Kessenich nötig seien, würden bestimmt vor Ort bleiben. Außerdem sei die Produktion ja gerade erst saniert, neue Fenster seien eingebaut worden. Rebekka Kirstgen sieht die Umzugspläne kritisch - auch wegen der betroffenen Mitarbeiter. Haribo hat allerdings nicht nur Fans in Kessenich. "Ich esse die Gummibärchen nicht gern und mag den Geruch aus der Fabrik nicht", sagte zum Beispiel Ilka Theis. Andere Anwohner betonen, dass sich ein Ortsteil wie Kessenich auch wandeln müsse.

Berechnung der Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer richtet sich nach Auskunft der Bonner Stadtverwaltung nach der Bruttolohnsumme der Mitarbeiter am jeweiligen Standort. Für sie zahlt ein Unternehmen anteilig die Gewerbesteuer. Das bedeutet für die Firma Haribo, dass sie künftig weiter Gewerbesteuer an die Stadt Bonn zahlen muss, allerdings anteilig nur noch für die 850 Mitarbeiter, die in Bonn in der Produktionsstätte in Kessenich mit der dazugehörigen Betriebsverwaltung verbleiben sollen.

Um wie viel die Einnahmen für die Stadt Bonn durch die Verlagerung von 200 Arbeitsplätzen in die Grafschaft sinken werden, war im Stadthaus mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht zu erfahren.

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