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Erst Langzeitpraktikum, dann Ausbildung: Pilotprojekt für Geflüchtete hilft heimischem Handwerk

Erst Langzeitpraktikum, dann Ausbildung : Pilotprojekt für Geflüchtete hilft heimischem Handwerk

Ein Projekt für junge Geflüchtete in der Region hilft dem Handwerk, dringend benötigte Lehrlinge zu finden. Zehn Monate nach dem Start ziehen die Beteiligten eine positive Bilanz.

Denait Mulue ist für die Familienbäckerei Dorfinger in Sankt Augustin ein Glücksfall. „Sie ist jung, höflich, hilfsbereit, lernfähig und auch lernwillig“, sagt Constanze Dorfinger, bei der die 17-Jährige nach einem Praktikum im Verkauf nun eine schulische Ausbildung in der Backstube beginnen wird. Daran war vor drei Jahren noch nicht zu denken, als Denait Mulue nach ihrer Flucht aus Eritrea nach Deutschland kam – ohne Kenntnisse von Sprache, Kultur, deutscher Berufsbildung und des komplexen Arbeitsmarkts.

Den schnellen Einstieg ins Berufsleben ermöglicht hat ein Pilotprojekt, das im vergangenen Jahr von den Jobcentern Bonn und Rhein-Sieg, der Agentur für Arbeit Bonn, dem Berufskolleg BonnDuisdorf, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie der Volkshochschule Bonn auf den Weg gebracht wurde: Im Projekt ProEQ (siehe Kasten) sollen zugewanderte Ausbildungsinteressierte in kurzer Zeit für eine Berufsausbildung fit gemacht werden. Von 18 Schülern, die im September 2018 gestartet waren, sind nach natürlicher Fluktuation und beruflicher Neuausrichtung noch 14 künftige Auszubildende mit dabei, erklärt Jan Meyer vom Vermittlungsservice Flüchtlinge des Jobcenters Bonn. „Tatsächlich haben wir über 100 weitere Kandidaten auf der Liste, die aber strenge Kriterien für die Teilnahme erfüllen müssen. Das tun derzeit nicht alle, sodass wir all jenen, die die Kriterien erfüllen, derzeit auch einen Platz im Projekt geben können.“

Nun, zehn Monate nach dem Start, ziehen die Beteiligten eine positive Bilanz. „Für die Teilnehmer ist es eine ebenso große Chance wie für die Betriebe. Das Projekt kombiniert die praktische Arbeit in den Unternehmen, führt an den Ausbildungsberuf heran und schafft auch die sprachlichen Qualifikationen.“

Ja, die Verständigung sei anfangs „manchmal mit Händen und Füßen“ gelaufen, erinnert sich Constanze Dorfinger an das erste Treffen mit Denait Mulue: „Das hat sich ganz schnell eingespielt. Und auch die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern war ganz unkompliziert.“

Im Verkauf habe sich die Praktikantin schnell eingearbeitet und dort die Faszination am Bäckerhandwerk entdeckt, sagt Dorfinger, die 17 Mitarbeiter beschäftigt und vier Verkaufsstellen betreibt. „Gute und motivierte Fachkräfte sind schwer zu finden, sowohl im Verkauf als auch in der Backstube. Das liegt auch an Vorurteilen zu den Berufen, die Teilnehmer der EQ, der Einstiegsqualifizierung, und jetzt auch im Rahmen des Projektes ProEQ schnell verlieren.“

Dorfinger macht anderen Unternehmen Mut, sich für die Aufnahme von Langzeitpraktikanten des ProEQ-Projektes zu bewerben. Das hört Jan Meyer vom Jobcenter Bonn gern, denn es werden Betriebe für die nächste Projektklasse gesucht, die dadurch Teilnehmer über einen längeren Zeitraum zunächst kennenlernen und später in eine Ausbildung übernehmen können.