Kölner Unternehmen webop: Operieren lernen per Mausklick

Kölner Unternehmen webop : Operieren lernen per Mausklick

Das junge Kölner Unternehmen Webop will mit Lehrvideos die Ausbildung von Medizinern und Studenten verbessern. Mithilfe von Crowdfunding soll jetzt der nächste Schritt gemacht werden. Das Unternehmen will wachsen und erhofft sich rund 300.000 Euro an privatem Kapital.

Junge Ärzte stehen in ihrer Ausbildung oftmals vor einem Problem. Bei aller Theorie, die dicke Lehrbücher über Anatomie, Pathologie und Therapie vermitteln, sind doch viele Nachwuchsmediziner eher unvorbereitet, wenn es um ganz konkrete Handgriffe bei Operationen geht. Auch Cornelia Pape-Köhler ging es in ihrer Zeit als Assitenzärztin am Kölner Krankenhaus Mehrheim so. "Ich wollte mich auf eine Sigmaresektion (Entfernung eines Dickdarmabschnitts, Anm. d Red.) vorbereiten.

Letztlich habe ich aber keine adäquaten Informationen gefunden." Zwar können junge Ärzte auf die sogenannte OP-Lehre zurückgreifen. Doch diese mehrbändigen Wälzer ist nicht nur teuer in der Anschaffung, sondern zudem meist nicht mehr auf dem neuesten Stand der Forschung.

Pape-Köhler, die mittlerweile Fachärztin ist, berichtete ihrem Chef Professor Markus Heiss von dem Problem. Er erkannte daraufhin nicht nur den Missstand in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung, sondern auch eine "echte Marktlücke", wie Pape-Köhler sagt. "Die Frage, wie man die Lehre verbessern kann, hat uns nicht mehr losgelassen." Gemeinsam entwickelten die Mediziner die interaktive Plattform "Webop", auf der sich Ärzte und Studenten über chirurgische Eingriffe informieren können. 2008 ging die Internetseite online. Mittlerweile nutzen rund 20 000 Besucher im Monat das kostenpflichtige Angebot.

"Die Anforderungen an den Operateur steigen immer weiter, gleichzeitig bekommen Assistenzärzte weniger Gelegenheiten, praktische Erfahrungen zu sammeln." So wie junge Ärzte früher Operationstechniken gelernt haben - "learning by doing"-, sei heute in der Chirurgie praktisch nicht mehr möglich, so Pape-Köhler. Nicht selten würden junge Ärzte vor einer Operation eher Google befragen, weil das schneller gehe als etwa in dicken Lehrbüchern zu blättern.

Webop ist nicht der einzige Anbieter interaktiver Weiterbildungsprogramme für Mediziner. Im In- und Ausland finden sich bereits ähnliche Angebote im Internet. Neu bei dem Produkt der Kölner sei jedoch zum einen die Art der Wissensvermittlung. Pape-Köhler: "Unsere Beiträge führen entlang von Knotenpunkten durch eine Operation." Dabei handelt es sich um eine Technik, die zum Beispiel Sportler anwenden, um sich den Ablauf einer Strecke einzuprägen. Zum anderen würden die Beiträge nur durch erfahrene Operateure erstellt und durch Chefärzte herausgegeben.

Am Anfang stand die Gründerin selbst mit der Videokamera im Operationssaal, verfasste die Begleittexte und Illustrationen, die die chirurgischen Eingriffe schrittweise erklärten. "Freizeit fiel in dieser Zeit aus, da gingen einige Wochenende drauf", erinnert sich Pape-Köhler. Was vor acht Jahren als Projekt an der Universität Witten/Herdecke begann, ist mittlerweile zu einem eigenständigen Unternehmen geworden. Mehrere Krankenhäuser haben bereits eine Gesamtlizenz für das Webop-Portal erworben.

Universitäten und Kliniken in Bochum, Berlin oder Magdeburg bieten ihren Studenten und Mitarbeitern so freien Zugang zu den Lehrvideos. Sponsoren und ehrenamtliche Autoren haben das Start-up bislang unterstützt. Der Umsatz belief sich im vergangenem Jahr auf rund 46 000 Euro. Und die Kölner möchten weiter wachsen. Seit vergangener Woche versucht das Unternehmen mit Hilfe sogenannter Schwarmfinanzierung (englisch Crowdfunding) Kapital zu gewinnen.

"Mit dem Start sind wir sehr zufrieden. So kann es gerne weitergehen", sagt Pape-Köhler. Rund 60 000 Euro konnte Webop in den ersten beiden Wochen seiner Kampagne gewinnen. 300 000 Euro erhoffen sich die Gründer bis Mitte Juni zu sammeln, mindestens aber 100 000. Das Geld soll Pape-Köhler zufolge auch in die Erweiterung des Spektrums fließen, so dass neben Bauchchirurgie auch Operationen aus Bereichen wie der Unfallchirurgie oder Gynäkologie abgedeckt werden können. Außerdem sollen die Beiträge auch in englischer Sprache verfügbar sein. Ein weiteres Ziel ist es, langfristig auch ein Informationsportal für medizinische Laien zu werden. Zwei Geschäftsführer leiten heute Webop, eine Mitarbeiterin kümmert sich um die redaktionellen Beiträge und ein Filmemacher übernimmt die Produktion der Operationsvideos.

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