Auswirkungen der EZB-Entscheidung: Nullzinsen gefährden die Altersvorsorge

Auswirkungen der EZB-Entscheidung : Nullzinsen gefährden die Altersvorsorge

Die derzeitige Notenbankpolitik senkt die Renditen für Sparer. Experten raten zum Anlage-Mix.

Seit 2002 „riestert“ Deutschland, soll es jedenfalls. Die staatlich geförderte und kapitalgedeckte private Altersvorsorge war nie sonderlich erfolgreich. Durch die am Donnerstag abermals verschärfte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat sie weiter an Attraktivität verloren.

„Wir haben uns damals viel zu hohe nicht nur Nominal-, sondern auch Realzinsen hochgerechnet“, sagt Gisela Färber, Professorin für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität Speyer. Die Folge: „Das, was wir damals an Renditeerwartungen mit den betrieblichen und privaten Altersvorsorgeprodukten erwartet haben, tritt so nicht mehr ein in der Zukunft. Und das ist natürlich ein Resultat dieser Notenbankpolitik.“ Gleichwohl ist kapitalgedeckte private Vorsorge nicht falsch. Das geht auf vielen Wegen. In der engsten Form, auf Spar- und Tagesgeldkonten, wird das nun immer weniger interessant. Aber auf Tagesgeldkonten sollte ja auch nur der Notgroschen liegen, wenn zum Beispiel Auto oder Waschmaschine repariert oder gar ersetzt werden sollen.

Wirklich mit Altersvorsorge hat eine Lebensversicherung zu tun. Mehr als 90 Millionen Verträge werden in Deutschland geführt, rund 16 Prozent davon in der betrieblichen Altersversorgung. Rechnerisch hat also jeder Deutsche mindestens einen Vertrag. Die solle man auch behalten, rät Hermann-Josef Tenhagen, Chef des Online-Portals Finanztip. Denn viele Verträge enthielten noch Garantien von vier oder 3,25 Prozent. Auch wenn davon noch ein paar Kosten abgingen, sei das „immer noch ganz stattlich, jedenfalls deutlich besser als das, was ich im Augenblick sonstwo für sichere Anlagen bekomme“, sagte er im Deutschlandfunk. Doch neue Verträge abzuschließen, das empfehle er wegen der niedrigen Renditen nicht. Die hängen auch mit staatlichen Auflagen zusammen.

Lebensversicherungen gelten manchem Experten als überreguliert durch die Anlagevorschriften, die der Staat Lebensversicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerken macht. Das ließe sich und sollte man ändern, empfiehlt der Frankfurter Professor für öffentliche Finanzen, Alexander Ludwig. Die Vorschriften solle man unter Inkaufnahme etwas höherer Risiken lockern, „um höhere Renditen in Bereichen zu erwirtschaften, in denen im Moment halt nur relativ gering investiert werden darf.“

Konkret heißt das: Zumindest die langfristige private Altersvorsorge vor dem Niedrigzins zu schützen, in dem Aktien ins Kalkül gezogen werden. Die Dividendenrendite der 30 größten deutschen Aktien liegt derzeit bei 3,5 Prozent – weit entfernt vom Nullzins der EZB oder gar vom Negativzins deutscher Bundesanleihen.

Die Kursrisiken wachsen zwar mit Aktien. Aber das gleicht sich über die Jahre mit den Kurschancen mindestens aus. Je näher die Zeit kommt, in dem das Depot zum finanziellen Alltagsleben beitragen soll, umso tiefer sollte gleichwohl der Aktienanteil sinken. Kostengünstige Formen, dabei die Risiken zu streuen, gibt es.

Die aktuelle Zinspolitik zwingt förmlich dazu, die Methoden der Altersvorsorge gut zu mixen. Die staatliche Rente aus dem Umlageverfahren bleibt von zentraler Bedeutung. Die kapitalgedeckte private Vorsorge braucht Aktien, Immobilien und Bares. Wer einen Schwerpunkt setzt, handelt sich automatisch ein Klumpenrisiko ein.

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