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Betrieb sucht Lehrling: Noch 511 freie Lehrstellen in der Region

Betrieb sucht Lehrling : Noch 511 freie Lehrstellen in der Region

Betrieb sucht Lehrling: Noch nie waren in der Region nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg zu Beginn eines Ausbildungsjahres noch so viele Plätze unbesetzt. 511 Lehrstellen blieben bis Ende September frei.

Gleichzeitig verzeichnete die Arbeitsagentur 251 unversorgte Bewerber. Damit verdoppelte sich die Zahl der unbesetzten Lehrstellen fast im Vergleich zum Vorjahr. "Händeringend werden Auszubildende in den IT-Lehrberufen und in den Hotels und Gaststätten gesucht", wie IHK-Geschäftsführer Jürgen Hindenberg gestern in Bonn bei der Jahresbilanz zum Ausbildungsmarkt gemeinsam mit Kreishandwerkerschaft und Agentur für Arbeit sagte.

Insgesamt meldeten die Arbeitgeber in der Region bis Ende September 5503 Lehrstellen, 240 mehr als zum Vorjahreszeitpunkt. "Mit diesem Rekordergebnis sind wir sehr zufrieden", sagte IHK-Geschäftsführer Hindenberg. Jetzt gehe es darum, Ausbildungsplatzwechsel zu begleiten und für die offenen Stellen geeignete Kandidaten zu finden.

Oft fehle es Bewerbern schlicht am Durchblick: "Wir bilden in der Region allein in 174 IHK-Berufen von der Fachkraft für Wasserwirtschaft bis zum Fluggerätelektroniker aus", sagte Hindenberg, "da müssen wir den Jugendlichen noch mehr erklären."

Für das Handwerk in der Region hat sich das Konzept der Imagewerbung und Aufklärung über die Berufsinhalte als erfolgreich erwiesen: Bei den Fleischern und Bäckern, Branchen mit langjährigem Lehrlingsmangel, habe es in diesem Jahr erstmals einen Zuwachs an Bewerbern gegeben, sagte gestern Alois Blum, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg. "Viele Jugendliche wussten bisher zum Beispiel nicht, dass ein Metzger keine Tiere mehr schlachtet", so Blum.

Doch auch im Handwerk suchten noch zahlreiche Betriebe Auszubildende: "Bei den Gebäudereinigern und auch im Bauhauptgewerbe gibt es noch viele freie Stellen. Insgesamt haben die Handwerksbetriebe in der Region bis Ende September 1820 Ausbildungsverträge abgeschlossen, 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr, sagte Blum. Damit liege die Region deutlich über dem Schnitt. "Die Bereitschaft zur Ausbildung hängt oft von der Zukunftsperspektive und der wirtschaftlichen Einschätzung der Betriebe ab, und die ist nach wie vor als sehr gut zu bezeichnen."

Nicht nur im Handwerk hofft man, langfristig auch aus den Reihen der Flüchtlinge beruflichen Nachwuchs rekrutieren zu können. "Wir brauchen dieses Potenzial", sagte IHK-Geschäftsführer Hindenberg. Seit September könnten junge Flüchtlinge auch ohne Arbeitserlaubnis an sogenannten Einstiegsqualifizierungen teilnehmen, die auf eine Ausbildung vorbereiten.

Die Arbeitsagentur will noch in diesem Jahr die vom Bund finanzierte Sprachförderung ausweiten. Über ein gemeinsames Projekt wollen IHK und Arbeitsagentur Flüchtlingen die Integration durch Ausbildung erleichtern. Rund 140 Arbeitgeber aus der Region hätten sich bereits über die Möglichkeiten informiert.