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Kommentar zur Computerspielebranche: Nichts verschenken

Kommentar zur Computerspielebranche : Nichts verschenken

Auf dem deutschen Markt sind deutsche Spieleentwickler derzeit nicht führend. Um das zu ändern, fordert die Branche mehr Unterstützung vom Bund. Keine schlechte Idee, aber es gibt noch andere Baustellen.

Die Computerspielebranche macht Druck. Der Verband will mehr Unterstützung von Seiten des Bundes. Denn deutsche Unternehmen bekommen zunehmend weniger vom Kuchen auf dem Heimatmarkt ab. Den größten Teil der Umsätze streichen ausländische Unternehmen hierzulande ein. Denn andere Regierungen investieren kräftig, um die Spieleentwicklung voranzutreiben.

Es gibt gute Argumente für eine Förderung. Es geht um einen stark wachsenden Markt mit Zukunft. Dazu kommt: Die Technologien, die ursprünglich zum Zocken entwickelt werden, können auch andere Branchen weiterbringen. Ein Beispiel ist die VR-Brille, die sich längst von der Gamesbranche emanzipiert hat. Immobilienmakler können damit in Echtzeit Objekte präsentieren, Forscher entwickeln Verfahren, um mit VR-Brillen Phobien zu heilen. Entwicklungsunternehmen zu fördern, heißt also auch, Innovationen in anderen Branchen zu fördern. Und das tut Deutschland gut. Denn es gibt bereits Branchen, in denen Deutschland vom Ausland überholt wird – Elektromobilität und künstliche Intelligenz sind nur zwei Beispiele. Aber sie verdeutlichen auch, dass die Spielebranche auf der To-do-Liste nicht auf Platz eins steht. Nur zum Vergleich: An der Automobilindustrie hängen mehr als 800 000 Beschäftigte in Deutschland, an der Spielebranche gerade mal mehr als 11 000. Somit ist es sicher wichtiger, auf anderen Märkten konkurrenzfähig zu bleiben.

Dennoch ist der Wille da: Die Förderung der Computerspielebranche steht bereits im Koalitionsvertrag. Und das ist richtig. Denn vorhandenes Potenzial sollte nicht verschenkt werden.