Jahresbericht: Netzagentur tritt bei Ökostrom auf die Bremse

Jahresbericht : Netzagentur tritt bei Ökostrom auf die Bremse

Die Bundesnetzagentur versteht sich als Anwalt der Verbraucher. Die Bonner Behörde beaufsichtigt die Wettbewerbsentwicklung in der Telekommunikation, den Energiemärkten, Post und Bahn. Digitalisierung verändere alle Märkte, sagte am Freitag Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur bei der Vorlage des Jahresberichtes.

Energie: Die Bundesnetzagentur spricht sich für einen langsameren Ausbau der erneuerbaren Energien in den nächsten Jahren aus, vor allem der Windkraftanlagen im Landesinneren. Ihr Anteil an der Stromerzeugung sei viel stärker gewachsen als ursprünglich gedacht, sagte Homann. Beim Strom liege der Anteil der erneuerbaren Energien bei 33 Prozent des Verbrauchs und werde bei diesem Tempo den Zielkorridor des Bundes von 40 bis 45 Prozent bis 2025 weit überschreiten. Mit dieser Zunahme könne der Umbau der Stromnetze nicht mithalten.

Das Problem sind die sogenannten Redispatchkosten: Es müssen regionale Überlastungen im Stromnetz bei viel Wind oder viel Sonne ausgeglichen und Reservekraftwerke bereitgestellt werden. Diese Kosten seien 2015 auf eine Milliarde Euro gesteigen. Sie könnten nach Berechnungen von Netzbetreibern auf vier Milliarden steigen sagte Homann. Das sei nicht unrealistisch. Zur Zeit bereit die Koalition eine Reform Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vor, die die Kosten begrenzen soll.

Alle neuen Gleichstromverbindungen sollen vorrangig unter die Erde verlegt werden. Das gilt beispielsweise für die von Nord nach Süd verlaufende Leitung „SuedLink“ Für das Stromleitungsprojekt „Ultranet“ von Osterath in Nordrhein-Westfalen nach Philippsburg in Baden-Württemberg ist die Netzagentur am weitesten: Da die Leitungen auf existierenden Trassen verlegt werden sollen, ist die Bereitschaft, sich zu wehren, gering“, sagte Homann.

Seit Mai 2015 wird die deutsche Erdgasversorgung umgestellt. Bis zum Jahr 2030 soll das sogenannte L-Gas durch H-Gas aus Norwegen, Russland und Großbritannien ersetzt werden. Hintergrund ist die rückläufige Förderung von L-Gas aus deutschen und niederländischen Quellen. Die Netzbetreiber werden neue Gasleitungen bauen und fünf bis sechs Millionen Endgeräte umrüsten.

Telekommunikation: Die Investitionen im Telekommunikationsmarkt stiegen auf 8,1 Milliarden Euro, nach 7,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Unternehmen investierten in den Glasfaserausbau, die Umstellung auf IP-basierte Netze und den Ausbau der Mobilfunknetze auf LTE.

„Ein politisches Schlachtfeld“ hat Homann rund um die Debatte um das Vectoring ausgemacht. „Dabei ändert sich für 85 Prozent der Haushalte nichts“, meinte er. Beim Vectoring können mit herkömmlichen Kupferkabel-Leitungen Download-Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde erreicht werden.

Die EU-Kommission wird die Vorlage der Bundesnetzagentur für den Ausbau schneller Internet-Verbindungen genauer begutachten. Die Behörde leitete eine vertiefte Prüfung ein. Das passiert meist, wenn es Zweifel gibt. Er habe größtes Verständnis dafür, dass die EU-Kommission vertieft prüfe, es sei eine komplexe Materie: „Wir halten den Beschluss in der Sache für absolut richtig und gehen davon aus, dass wir ihn durchsetzen können.“

Die Zahl der versendeten SMS-Kurznachrichten verringerte sich 2015 auf 16,6 Milliarden. Im Vorjahr waren es noch 22,3 Milliarden, 2012 noch fast 60 Milliarden. „Immer mehr Kunden greifen auf Messaging-Dienste, wie WhatsApp, Viber oder Skype zurück. Die Bedeutung der SMS sinkt“, so Homann.

Post: Rund vier Prozent mehr Pakete wurden 2015 in Deutschland ausgeliefert. Insgesamt waren es 2,7 Milliarden Sendungen. Bei Briefen hat die Bundesnetzagentur für die Deutsche Post einem Marktanteil von 87,3 Prozent ermittelt. Die Anteil der Wettbewerber sei geringfügig steigend.

Bahn: Im Güterverkehr haben die Wettbewerber der Bahn mittlerweile einen Marktanteil von 36 Prozent. Auch im Personennahverkehr hat sich der Anteil an Wettbewerbern auf der Schiene verbessert. „Im Jahr 2010 hat die Deutsche Bahn noch 84 Prozent der Verkehrsleistung erbracht, im Jahr 2015 waren es nur 79 Prozent“, sagte Homann. Im Fernverkehr ist das Unternehmen mit 99 Prozent aber weiterhin marktbeherrschend. „Es gibt nur noch HKX als Wettbewerber.“