Anti-Doping-Agentur: Nada in Bonn droht Personalabbau

Anti-Doping-Agentur : Nada in Bonn droht Personalabbau

Alle Jahre wieder: Mitten in ihren Budgetplanungen sendet die in Bonn ansässige Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) einen Hilferuf, dass für das Folgejahr nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen, um ihren Auftrag der Dopingbekämpfung gewissenhaft zu erfüllen. Doch so dramatisch wie dieses Jahr fiel die Formulierung noch nie aus.

Am Mittwoch war es mal wieder so weit - so dramatisch wie diesmal aber hatte die Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann die drohenden Konsequenzen in den Vorjahren nicht formuliert. Dazu könnte ein Personalabbau bei den etwa 30 Mitarbeitern der Nada-Zentrale in der Heussallee 38 gehören. Das Finanzierungsmodell steht sogar grundsätzlich auf der Kippe.

"Für das Jahr 2014 fehlt rund eine Million Euro, um den Standard der Anti-Doping-Arbeit halten zu können", erklärte Gotzmann. Das entspricht etwa 20 Prozent des operativen Budgets von seit Jahren unverändert rund fünf Millionen Euro. Schießt das Bundesinnenministerium nicht wie vergangenes Jahr doch noch in letzter Minute ein Million Euro zu, drohen tiefgreifende Folgen auf zwei Ebenen.

Erstens im Kerngeschäft. Das ist die Organisation und Auswertung der jährlich zwischen 8000 und 9000 Nada-Dopingtests, denen sich deutsche Topathleten im Training unterziehen müssen. Zweitens beim Personal. "Sollte die Lücke nicht geschlossen werden, werden wir die Anzahl der Kontrollen zwangsläufig zurückfahren müssen", erläuterte Gotzmann unserer Redaktion am Mittwochabend: "Ebenso sind dann Einsparungen beim Personal nicht ausgeschlossen."

Das SOS aus der Heussallee hat wenig schöne Tradition. Ursache ist die weitaus geringere finanzielle Ausstattung, als dies bei der Gründung der Stiftung angedacht war. Im Jahr 2002 nannten der damalige Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, sowie der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily den Wunschbetrag von 50 Millionen Euro als Stiftungskapital. Bislang sind aber erst etwa 14 Millionen Euro in erster Linie aus Mitteln des Bundes zusammengekommen.

Das ist viel zu wenig, um das operative Geschäft zu sichern. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Nada hatte von Richthofen im November 2012 festgestellt: "Will man einen weitgehend sauberen Sport, dann müssen Staat und Wirtschaft die Nada deutlicher unterstützen als bisher." Die Sportsponsoren jedoch verweigern sich weitestgehend (Ausnahme adidas), und der wegen seiner vermeintlich guten Kontakte in Wirtschaft und Politik anfangs als Hoffnungsträger gesehene Unternehmer Hans Georg Näder hat seit seiner Installation als Nada-Aufsichtsratschef im Mai 2012 nichts bewegt.

Wirtschaft und Länder schalten bei dem Thema weiterhin konsequent auf stur - trotz eines Appells von Bundesinnenminister Hans Peter Friedrich im Februar 2012. "Nur drei Bundesländer leisteten 2013 einen Beitrag zur Nada-Finanzierung", sagt Gotzmann. Und meint resigniert bis hilflos: "Die Prognose für 2014 sieht auch nicht besser aus." Das von der Idee her wegen der damit verbundenen Nada-Unabhängigkeit so reizvolle deutsche Drei-Säulen-Modell (organisierter Sport, Wirtschaft, Politik) steht damit vor der Zerreißprobe. Die Nada-Chefin räumt ein, "dass das Finanzierungsmodell offensichtlich nicht mehr funktioniert".

Damit erhalten kritische Äußerungen von Dagmar Freitag zur Nada-Zukunft neues Gewicht: Die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestages hatte kürzlich im Interview mit dieser Zeitung eine Diskussion darüber gefordert, "ob die Form einer Stiftung so erfolgreich ist, wie es sich die Gründungsväter gewünscht haben". Freitag ("Ich habe große Zweifel") favorisiert eine stärkere Rolle des Bundes. Das habe den Vorteil, "dass der Einfluss des organisierten Sports eingeschränkt würde" - und bringe Unabhängigkeit.

Freitag kritisierte die zu lange währende öffentliche Zurückhaltung des Nada-Vorstandes in der Frage der Unterfinanzierung. "Ich bin verwundert, dass mein Vorschlag, aufgrund der Finanzlage der Nada zu diskutieren, auch von der Nada sehr harsch zurückgewiesen worden ist." Jetzt ist der Hilferuf wieder raus - und die Nada mit ihren Mitarbeitern auf eine Last-minute-Lösung angewiesen. Wie alle Jahre wieder.