Depression am Arbeitsplatz: Mitarbeitergespräch gegen Burnout

Depression am Arbeitsplatz : Mitarbeitergespräch gegen Burnout

Die Firmen in der Region sorgen sich um die Psyche ihrer Angestellten. Denn Erschöpfungsreaktionen sind der häufigste Grund für Fehltage.

Psychische Erkrankungen haben in den vergangenen Jahren in NRW weiter zugenommen: Nach dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport sind sie mit 21,6 Prozent immer noch die häufigste Ursache für Beschäftigungsausfall in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis. 2013 lag die Zahl noch bei 18,7 Prozent. In NRW stieg die Anzahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen seit dem Jahr 2000 um 120 Prozent. Häufige Ursache sind Erschöpfungsreaktionen am Arbeitsplatz, vielen auch unter dem Begriff „Burnout“ bekannt.

Das sei allerdings keine Diagnose, sondern ein Prozess hin zu einer Depression oder Angststörung, erläutert Professor Franziska Geiser vom Bonner Uniklinkum: „Um den Anforderungen im Job gerecht zu werden, setzen immer mehr Berufstätige auf Hirndoping, also den Gebrauch rezeptpflichtiger Medikamente, um die Leistungen zu steigern und das psychische Wohlbefinden zu verbessern“, so die Direktorin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Dabei würden oftmals die Suchtgefahr der Medikamente und mögliche psychische Folgen unterschätzt. Geisers Klinik bietet für Betroffene seit dem vergangenen Herbst ein stationäres Behandlungskonzept zum gesunden Umgang mit Belastungen am Arbeitsplatz.

Das Ergebnis des Gesundheitsreports scheint für die Unternehmen der Region nicht völlig überraschend zu sein – viele haben sich bereits seit Längerem mit dem Problem beschäftigt und bieten ihren Mitarbeitern Vorsorgemaßnahmen an. Ganz oben auf der Agenda ist der Themenkomplex offenbar bei der Deutschen Post: „Psychische Erkrankungen sind auch in unserem Unternehmen eine Ursache für krankheitsbedingte Ausfallzeiten und gegebenenfalls ein vorzeitiges Ausscheiden Betroffener aus dem Erwerbsleben“, so Chief Medical Officer Andreas Tautz.

Diesen Herausforderungen begegne der Konzern systematisch auf unterschiedlichen Ebenen: Sämtliche Aktivitäten seien bereits vor drei Jahren in einer „Strategie für Gesundheit, Sicherheit und Wohlergehen“ gebündelt worden. Die basiere auf dem „Healthy Workplace Model“ der WHO, in dem mentale Gesundheit eine zentrale Rolle einnehme. So habe man zusammen mit dem Bundesarbeitsministerium und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen speziell für Führungskräfte ein E-Learning-Tool entwickelt, das konkrete Ratschläge gibt, wie sie selbst gesund bleiben und ihre Mitarbeiter vor Überlastung schützen.

Auch bei Haribo setzt man auf der Ebene der Führungskräfte an: „Wir schulen unser Management regelmäßig zum Thema gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung“, so ein Sprecher. So solle erreicht werden, dass in individuellen Mitarbeitergesprächen frühzeitig potenzielle Probleme erkannt und gemeinsam mit den Betroffenen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden könnten, um psychische Erkrankungen zu vermeiden. Außerdem bietet der Süßwarenhersteller über den Betriebsarzt eine gezielte Suchtberatung an, ein Mobbing-Beauftragter steht als Ansprechpartner für die Mitarbeiter zur Verfügung und darüber hinaus setzt das Unternehmen auf ein vielfältiges Freizeit- und Sportangebot, um nicht zuletzt auch die psychische Gesundheit zu erhalten.

„Wir können aus Gründen des Datenschutzes nicht bewerten, inwieweit Stress oder anderweitige psychische Belastungen als Krankheitsursache in nennenswertem Umfang bei uns vorkommen“, erläutert Marco Bersch, Gesundheitsmanagementbeauftragter des Kölner Entsorgungsdienstleisters Interseroh: „Dennoch führen wir im Rahmen unseres betrieblichen Gesundheitsmanagements jedes Jahr verschiedene Maßnahmen auch zur psychischen Gefährdungsprophylaxe durch.“ So bieten die Kölner Workshops zum Thema „Stress und Entspannung“ an: „Dieses Angebot wird von unseren Kolleginnen und Kollegen sehr gut angenommen“, erläutert Bersch. Einigkeit herrscht bei den Unternehmen in einem weiteren Punkt: Eine elementare Voraussetzung zum Erhalt und zur Förderung der psychischen Gesundheit sei – neben einer fairen Entlohnung – die Beschäftigten an der Gestaltung der Arbeit zu beteiligen, resümiert Tautz.

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