Mit Plastikschürze vor der Entkernermaschine

Mit Plastikschürze vor der Entkernermaschine

"Mein erster Job": Anka Zink brachte Nelken in Form und entkernte Pflaumen - Erst sparte die Bonner Kabarettistin auf ein Fahrrad und anschließend auf ein Mofa

Bonn. "Ein Fahrrad wollte ich haben." Die Kabarettistin Anka Zink kann sich noch zu gut daran erinnern, wofür sie ihr erstes selbst verdientes Geld ausgeben wollte. Gerade mal elf Jahre alt, überlegte sie fieberhaft, wie sie wohl genau 100 Mark zusammen bekommen sollte. "So viel musste ich beinhart vom Taschengeld sparen, damit meine Eltern mir den Rest für das Rad dazu geben."

Eigentlich für ein Kind unmöglich zu erreichen, dachten sich wohl die Eltern, die nicht wirklich den Wunsch erfüllen wollten. "Sie hatten Angst, dass ich dann mobiler bin und noch weiter ausreißen kann." Schließlich hatte sie schon mit ihrem Tretroller versucht, von Beuel aus ihre Tante in Siegburg zu besuchen.

Der Anreiz jedenfalls reichte der kleinen Anka, sie nutzte die Kontakte zu befreundeten Jungs, deren Eltern an der Rheindorfer Straße die Gärtnerei Held führten. "Nelken wurden dort gezüchtet, das war damals in den 60er Jahren die Modeblume." Damit die auch recht in Form gerieten, also für die Vase möglichst schlank und lang im Stiel wurden, durfte sie in den Ferien dort die Seitentriebe kappen. "Die wurden ganz einfach mit dem Nagel von Zeigefinger und Daumen abgepitscht", erzählt Anka Zink.

Außerdem trug sie Blumen aus. "Dafür gab es dann natürlich auch etwas Geld, aber das ganze lief auch sehr spielerisch. Aber: Damals habe ich gelernt, es ist nicht alles Natur, was so aussieht." Schon etwas ernsthafter lief es ein paar Jahre später. "Da wollte ich ein Mofa."

Also stand sie in den Ferien vier Wochen lang früh auf, um schon um fünf Uhr in der ehemaligen Bäckerei Müller am Konrad-Adenauer-Platz Pflaumen zu entkernen. "Weil ich für die Entkernermaschine zu klein war, stand ich auf einem umgedrehten Bierkasten, rechts daneben stand der Berg Pflaumen und links die Konditoren, die bereits mit ihren fertigen Kuchenblechen auf die Pflaumen warteten", berichtet sie.

Und sie selbst steckte "in einer riesigen Plastikschürze". Zwei Mark pro Stunde erhielt sie und nach der Arbeit "immer eine Tüte mit frischen Backwaren". Zink: "Das Frühaufstehen hat mir nichts ausgemacht, im Gegenteil, ich fand das Arbeiten dort mit den Konditoren spaßig. Ich hatte wohl damals schon den Hang zum unterhaltenden Wesen."

Viel gelernt habe sie, vor allem "auf Termin zu arbeiten", aber auch, wie man eine Torte macht. "Seitdem habe ich ein Faible dafür, wenn jemand sein Handwerk beherrscht." Für sie selbst habe aber immer außer Frage gestanden, das Abitur zu machen und anschließend zu studieren.

Schneller vom Fleck zu kommen, war für Zink auch später der Antrieb für Ferienjobs. "Im nächstem Sommer wollte ich einen Roller, dafür arbeitete ich bei der Versicherung meines Onkels." Und als sie ihr Studium in Bielefeld begann, benötigte sie ein Auto: "Und das verdiente ich mir als freie Journalistin beim dortigen Lokalblatt."

Zur Person: Anka Zink, Kabarettistin, in den 50er Jahren in Bonn geboren, studierte in Bielefeld Soziologie und gehört unter anderem zum Gründungsensemble des Improvisationstheaters der Bonner Springmaus.