Produktionsausbau in der Region: Maschinenbauer "Reifenhäuser" investiert in Troisdorf

Produktionsausbau in der Region : Maschinenbauer "Reifenhäuser" investiert in Troisdorf

Das Familienunternehmen Reifenhäuser bekennt sich zur Fertigung in Deutschland. Der Verkauf von Einzelteilen für Kunststoffmaschinen soll als neuer Geschäftszweig aufgebaut werden - mit Folgen für Troisdorf.

Der Kunststoffmaschinenbauer Reifenhäuser will in den nächsten fünf Jahren rund 17 Millionen Euro an seinem Stammsitz in Troisdorf investieren. Das sei ein „klares Bekenntnis zum Standort und der Fertigung in Deutschland“, sagte Vorstandschef Bernd Reifenhäuser am Mittwoch beim ersten Spatenstich für den Bau einer neuen Produktionshalle.

In Troisdorf sollen ab dem Jahr 2020 jährlich bis zu 300 so genannte Flachdüsen für die Kunststoffextrusion entstehen. Die Düsen sind ein Teil von Maschinen, die Kunststoff formen – zum Beispiel zu Folien für Joghurtbecher. Wie sich die neue Fertigung auf die Zahl von derzeit 900 Beschäftigen des Familienunternehmens am Stammsitz Troisdorf auswirkt, sei noch unklar, hieß es.

Der Neubau in Troisdorf ist Teil eines weltweiten Strategiewechsels des Maschinenbauers. Bisher hat Reifenhäuser komplette Maschinen oder Ersatzteile verkauft. Künftig werde das Unternehmen auch seine selbst entwickelten und produzierten Einzelteile wie die Flachdüsen an andere Maschinenbauer verkaufen, kündigte Bernd Reifenhäuser an. Mit Investitionen von insgesamt bis zu 45 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren solle dieses Teilegeschäft stark ausgebaut werden. „Damit stärken wir unsere Basis im Wettbewerb mit Niedriglohnländern“, sagte Bernd Reifenhäuser weiter.

Die aktuelle konjunkturelle Flaute, die auch den Maschinenbau erfasst hat, ändere an den Unternehmensplänen nichts. „Als inhabergeführtes Familienunternehmen verfolgen wir eine langfristige Strategie“, sagte Reifenhäuser. Die derzeitige Eintrübung des Geschäftsklimas sieht er als „normalen Reflex der Weltkonjunktur nach einer langen Wachstumsphase“. In einigen Bereichen zeichne sich bereits eine Erholung der Nachfrage ab, und Reifenhäuser wolle für einen Aufschwung gerüstet sein.

Reifenhäuser baut Maschinen zur Produktion von Folien und Vliesstoffen aus Kunststoff. Die Stoffe werden unter anderem in Windeln verwendet. Aus den Folien entstehen beispielsweise Verpackungen für Lebensmittel.

Damit stehen einige der auf Reifenhäuser-Maschinen produzierten Produkte derzeit stark in der umweltpolitischen Diskussion um Plastik. „Es gibt ein Müllproblem“, sagte Bernd Reifenhäuser. „Und wir müssen uns noch stärker mit der Wiederverwertung beschäftigen.“ Das Unternehmen forsche bereits intensiv zu besseren Recycling-Möglichkeiten, da Kunststoffe in vielen Anwendungen kaum durch andere Materialien zu ersetzen seien. „Wir sehen die Umwelt-Diskussion als Chance“, sagte der Vorstandschef. „Deshalb haben wir unsere Extrusionstechnologien weiter ausgebaut mit dem Ziel, perfekt auf die Kreislaufwirtschaft abgestimmte Kunststoffprodukte zu entwickeln.“ Außerdem arbeite das Unternehmen daran, bei seinen Maschinen den Kunststoffverbrauch zu reduzieren.

Die Reifenhäuser-Gruppe bezeichnet sich als Weltmarktführer für Maschinen zur Produktion bestimmter Kunststoffvliese und beschäftigt bei rund 500 Millionen Euro Jahresumsatz 1500 Mitarbeiter. Seit 1911 ist der Konzern im Familienbesitz. Damals gründete Anton Reifenhäuser seine Schmiede in Troisdorf. Unter der Führung seiner Söhne Hans und Fritz wandelte sich der Betrieb zum Maschinenbauer. 1948 wurde der erste so genannte Extruder vorgestellt, eine Maschine, die Kunststoff in bestimmte Formen presst. In den 70er Jahren beginnt die Entwicklung der Spinnvliestechnologie, die unter anderem Materialien für OP-Abdeckungen und Auto-Innenverkleidungen liefert. 1992 steigt die dritte Generation in die Unternehmensleitung ein. In den vergangenen Jahren ist Reifenhäuser durch mehrere Zukäufe gewachsen.

Mehr von GA BONN