Aktionärstreffen in Bonn: Lufthansa gibt Gebot für Condor ab

Aktionärstreffen in Bonn : Lufthansa gibt Gebot für Condor ab

Die Lufthansa will den Ferienflieger Condor kaufen und hat dazu ein Angebot abgegeben. Das bestätigte der Konzernchef am Dienstag im WCCB. Umweltschützer und Aktionäre forderten beim Aktionärstreffen in Bonn eine CO2-Reduzierung - auch Kurzstreckenflüge wurden kritisiert.

Die Lufthansa will weiter wachsen. Dazu hat das Unternehmen auch ein unverbindliches Angebot für den Ferienflieger Condor abgegeben, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag auf der Hauptversammlung im Bonner WCCB vor rund 1000 Anteilseignern bestätigte.

Auch die Übernahme aller Fluggesellschaften des Condor-Eigners Thomas Cook sei theoretisch möglich, aber nicht vorgesehen, so Spohr. Interesse insbesondere an der Condor-Langstrecke war Lufthansa schon länger nachgesagt worden.

Das könnte das touristischen Angebots der Eurowings auf der Langstrecke von Frankfurt oder München ergänzen. Die Flugzeuge von Condor sind aber recht betagt, noch älter als die Lufthansa-Maschinen, die im Schnitt bereits knapp unter zwölf Jahren Dienst tun.

Wachstum um jeden Preis lehnte Spohr dagegen vor den Aktionären ab. Die Lufthansa habe ihr geplantes Wachstum für den Sommer 2019 um die Hälfte auf nun 1,9 Prozent reduziert. Bei Eurowings verzichte der Konzern gänzlich auf Wachstum. Das Augenmerk liege auf Verlässlichkeit und Pünktlichkeit.

Im vergangenen Sommer hatten zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen Kunden verärgert. Jetzt sollen 600 zusätzliche Mitarbeiter und 37 Reserveflugzeuge den Flugbetrieb stabilisieren, so Spohr.

Verzicht für den Umweltschutz

Spohr verweist zur Begründung für den Verzicht auf Wachstum auch auf den Umweltschutz. „Wir brauchen kein blindes Wachstum. Wir brauchen ein qualitatives und verantwortungsvolles Wachstum“, sagte Spohr. Tickets für unter zehn Euro, wie Wettbewerber sie anböten, sind für Spohr „unverantwortlich“. Jedes Jahr investiere die Lufthansa mehr als zwei Milliarden Euro in sparsame und leise Flugzeuge, so Spohr. 221 neue Maschinen würde der Konzern bis 2027 bekommen. Die komplette Langstreckenflotte werde grundlegend modernisiert.

Die zuletzt bestellten 40 Langstreckenjets würden die CO2-Emissionen um rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren. Außerdem kompensiere die Lufthansa seit diesem Jahr den CO2-Ausstoß der Flüge der Mitarbeiter. Das könnten auch die Kunden. Freilich machten weniger als ein Prozent davon Gebrauch, so Spohr.

Auch Biokraftstoffe habe der Konzern getestet. Die könnten herkömmliches Kerosin ersetzen, wie die Versuche gezeigt hätten. Es gebe dafür aber nicht genug Biokraftstoff, so Spohr. „Am Boden werden wir, wo immer das möglich ist, auf einen CO2-neutralen Betrieb umstellen“, so Spohr weiter.

Kurzstreckenflüge in der Kritik

Für einen Friday´s for Future-Aktivisten sind das „Feigenblätter“. Auch für die kritischen Aktionärinnen und Aktionäre tut die Lufthansa nicht genug für den Umweltschutz. Sie prangerten etwa Kurzstreckenflüge von Nürnberg nach München an. Derartige Flüge, etwa auch von Düsseldorf nach Frankfurt, kritisierte auch Michael Gierse von der genossenschaftlichen Union Investment. Flüge zwischen Städten, die gut an das ICE-Netz der Bahn angebunden seien, sollte die Lufthansa gleich einstellen. Und auch Vanessa Golz von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka mahnte eine stärkere CO2-Reduzierung an.

Kritik musste die Lufthansa-Spitze auch für die bereinigten operativen Verluste von 231 Millionen Euro einstecken, die die Billigtochter Eurowings im abgelaufenen Jahr eingeflogen hatte. „Das Eurowings-Ergebnis haut rein“, sagte Marc Tüngler, Hautgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Neben den Kosten für die Integration musste Lufthansa Entschädigungen für Verspätungen und Flugausfälle von etwas über 500 Millionen tragen. „Das Sorgenkind der Lufthansa ist immer noch Eurowings“, sagte Golz. Tüngler fragte, ob Lufthansa nicht besser auf die Übernahme von Teilen von Air Berlin verzichtet hätte.

Die Chance hätte der Konzern ergreifen müssen, sagte Spohr. Er glaubt, dass der Markt sich nach dem derzeitigen heftige Wettbewerb wieder beruhigt und die Lufthansa Marktanteile stärken und auch wieder ein „gutes Ergebnis“ erzielen werde.Der Umsatz soll von 35,8 Milliarden im Vorjahr im mittleren einstelligen Bereich steigen, die bereinigte Ebit-Marge zwischen 6,5 und acht Prozent liegen.