14. Bonner Unternehmertage: Laschet will den "gefesselten Riesen" befreien

14. Bonner Unternehmertage : Laschet will den "gefesselten Riesen" befreien

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet spricht bei den Bonner Unternehmertagen über Misstände und Perspektiven des Landes Nordrhein-Westfalen, das er einen „gefesselten Riesen“ nennt.

Hier die schwindende Infrastruktur in ländlichen Gebieten, dort die prosperierenden Zentren: Nordrhein-Westfalen hat viele Gesichter. NRW sei wie ein gefesselter Riese, sagte Ministerpräsident Armin Laschet am Montagabend bei den Bonner Unternehmertagen. Und bekannte zugleich: "In Bonn zu sein, ist immer gut. Es ist eine dynamische Stadt." Zwischen diesen beiden Polen bewegte sich sein Vortrag in der Redoute, der unter dem Motto "Nordrhein-Westfalen - Motor für eine neue Dynamik in Deutschland" stand.

Laschet nannte bei seiner Stärken-Schwächen-Analyse als Positivbeispiele die starke Industrie, eine wachsende Startup-Szene sowie das hohe Maß an Internationalität, das sich insbesondere auch in der UN-Stadt Bonn zeige. Auf der anderen Seite sei NRW das Land der Staus, der schlechten Internetverbindung in ländlichen Gebieten und der verfallenden Infrastruktur - all das hemme die wirtschaftliche Entwicklung. "Das alles wäre schon Problem genug, aber die Lage in unserer Welt ist so dramatisch, dass gleichzeitig noch mehrere Dinge mit gleicher Wucht auf uns einwirken", sagte Laschet. Damit erweiterte er die Perspektive auf die Debatte um Dieselfahrverbote, den Brexit, den Handelskrieg der USA mit China und den Klimawandel.

Um in dieser schwierigen globalen Lage bestehen zu können, müsse NRW vor allem Bürokratie abbauen - das betonte der Ministerpräsident immer wieder. Reglementierungen wie Fahrverbote für Dieselfahrzeuge lehnt er ab. Stattdessen forderte er die Beschleunigung von Prozessen, um die Stärken des Landes zu fördern und die Schwächen auszugleichen. Dazu zählte er eine nordrhein-westfälische "Akademie für internationale Politik" mit eigenem Campus: Sie soll kreative Forscher hervorbringen und damit die Internationalität sicht- und nutzbar machen. Auch sollen die Planung und das Management von öffentlichen Bauprojekten schneller und effizienter ablaufen, und die Förderung von Innovationen an Hochschulen soll zu mehr Unternehmensgründungen und damit neuen Arbeitsplätzen führen.

Abbau von Bürokratie als Schlüsselthema

Für Laschet ist wichtig, dass NRW technologisch bei globalen Trends mithalten und so die Standards mitbestimmen kann. Er will den Riesen NRW befreien, dementsprechend nennt er seine Maßnahmen zum Bürokratieabbau "Entfesselungspakete". Sein Beispiel: Unter seiner Regierung sei eine Vorgabe abgeschafft worden, nach der Chemiekonzerne jede geplante Veränderung online veröffentlichen mussten. Dazu gehörte auch die Verpflichtung, Baupläne von Chemieanlagen ins Netz zu stellen. Das Problem laut Laschet: Genau zwei Leute verstünden solche Pläne, "der chinesische Konkurrent und der Industrieterrorist." Die Abschaffung der Vorgabe habe dazu geführt, dass Evonik als zweitgrößtes deutsches Industrieunternehmen seinen Sitz in NRW belassen habe - trotz steuerlich vorteilhafter Angebote aus Thailand und Singapur.

Fälle wie dieser belegen für Laschet den Erfolg seiner Strategie, zu der auch die Digitalisierung von Behördenvorgängen gehört. Er hofft, damit ein Vorbild zu werden: "Wenn man gesehen hat, dass Bürokratieabbau sich lohnt, wird es vielleicht auch irgendwann die Berliner Ebene erreichen."

Mit seiner Rede bildete Armin Laschet den Abschluss des ersten Tages der 14. Bonner Unternehmertage. Für die zwei Tage haben die Veranstalter - Meyer-Köring Rechtsanwälte und Steuerberater, Industrie- und Handwerkskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg und die Postbank - eine Reihe von Experten aus Wirtschaft, IT und Psychologie zu Vorträgen und Diskussionen eingeladen. Das Programm drehte sich am Montag unter anderem um die Konsequenzen von Brexit und Konjunkturabschwung für die wirtschaftliche Entwicklung. Am Dienstag geht es um die Themen Arbeit, Führung und Sicherheit im Zeitalter der Digitalisierung.

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