1. News
  2. Wirtschaft
  3. Regional

SWB erhöhen Preise: Kunden der Stadtwerke Bonn müssen mehr für Strom zahlen

SWB erhöhen Preise : Kunden der Stadtwerke Bonn müssen mehr für Strom zahlen

Der Grundversorgungstarif für einen Vier-Personen-Haushalt erhöht sich um 3,6 Prozent. Verbraucherschützer raten, einen Anbieterwechsel zu prüfen.

Kunden der Stadtwerke Bonn (SWB) müssen ab April mit höheren Strompreisen rechnen.  Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, werden in der Grundversorgung und in einigen anderen Produkten die Grund- und Verbrauchspreise „moderat“ angepasst. In einer Beispielrechnung steigen die Kosten für einen Privathaushalt um 3,6 Prozent. Das liegt weit unter den durchschnittlichen Preissteigerungen bei Strom: Laut dem Vergleichsportal Check24 betragen diese seit Januar bundesweit 6,8 Prozent.

Auch die Energieversorgung Mittelrhein (EVM) mit Sitz in Koblenz erhöht ab April die Strompreise. Wie es für Kunden der Rhenag und der Bad Honnef AG aussieht, war am Mittwoch nicht zu erfahren. Check24 zufolge haben seit Jahresbeginn drei Viertel der insgesamt 834 Stromgrundversorger in Deutschland ihre Preise angehoben oder Erhöhungen angekündigt.

Die Versorger begründen die Preissteigerungen mit erhöhten Umlagen und Abgaben an den Staat, die mehr als die Hälfte des Strompreises ausmachen. So ist in diesem Jahr die Ökosteuerumlage nach dem Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EEG) um 5,5 Prozent auf 6,756 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gestiegen, nachdem diese zwei Jahre in Folge gesunken war. Etwa 20 Prozent des Strompreises machen die Netzentgelte und Entgelte für den Messstellenbetrieb aus. „Lediglich ein Viertel des Strompreises besteht aus den Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb und ist daher von Energielieferanten wie der EVM beeinflussbar“, teilte der Versorger aus Koblenz mit.

Die Energieversorgung Mittelrhein erhöht den Arbeitspreis

Bei der EVM erhöht sich der Strompreis für eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 3000 kWh um vier Euro pro Monat, ein Plus von fünf Prozent. Während der Grundpreis unverändert bleibt, erhöht sich der Arbeitspreis im Schnitt um 1,45 Cent pro kWh. Auch die SWB begründen die Preissteigerung mit der erhöhten EEG-Umlage und den Kosten für die Netznutzung. In der Grundversorgung steigt demnach der Verbrauchspreis um 0,94 Cent/kWh und der Grundpreis um 0,49 Cent pro Monat. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3000 kWh fielen pro Monat 2,84 Euro mehr an, heißt es.

Die Verbraucherzentrale NRW hat beobachtet, dass die großen Versorger tendenziell ihre Preiserhöhungen inzwischen in den April verlagern: „Offensichtlich sind wird hier bewusst zum Jahreswechsel abgetaucht, um dann mit weniger Aufmerksamkeit die Preiserhöhungen unterzubringen“, erklärte Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Viele Energieversorger würden außerdem stärker erhöhen, als es die EEG-Umlage und die Netzentgelte erforderten. „Hier wird auf dem Rücken der Kunden Kasse gemacht“, kritisiert Sieverding.

Teure Grundversorgungstarife

Die Grundversorgungstarife sind bei einem durchschnittlichen Verbrauch immer die teuersten Tarife, da die Risikofaktoren für die Energieunternehmen auch am höchsten sind. Hier bestehen etwa kürzere Kündigungsfristen als bei den anderen Tarifen, in denen Rabatte bei längerer Vertragsbindung angeboten werden. Auch besteht für den Grundversorger die Verpflichtung, bei der Pleite eines Stromlieferanten die betroffenen Haushalte mit Elektrizität zu versorgen.

Die Verbraucherzentralen ebenso wie die Bundesnetzagentur raten Privathaushalten ohnehin, die Tarife von Stromanbietern zu vergleichen und gegebenenfalls zu wechseln, entweder in einen Alternativtarif beim bisherigen Versorger oder bei einem anderen Anbieter.

„Verbraucher zahlen weiter Rekordstrompreise und das,  obwohl die Börsenstrompreise historisch niedrig sind“, erklärt Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie bei Check24.

Eine Entlastung gibt es laut dem Klimapaket der Bundesregierung im kommenden Jahr: Mit den Einnahmen aus der CO2-Bepreisung soll die EEG-Umlage gesenkt werden, es geht um rund 5,4 Milliarden Euro. Ein Musterhaushalt würde laut Schmid 63 Euro im Jahr weniger für Strom zahlen.