Bankhaus Sal. Oppenheim: Krockow soll 200 Millionen zahlen

Bankhaus Sal. Oppenheim : Krockow soll 200 Millionen zahlen

Sal. Oppenheim verklagt den ehemals persönlich haftenden Gesellschafter auf Schadenersatz. Krockow und andere Banker wurden bereits in einem Untreueprozess schuldig gesprochen.

Sal. Oppenheim verlangt mehr als 200 Millionen Euro Schadenersatz von Matthias Graf von Krockow. Das wurde in einem Strafprozess vor der 16. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts gegen den ehemaligen Aufsichtsratschef des Instituts, Georg Baron von Ullmann, deutlich. In dem Prozess, in dem es um ein Grundstücksgeschäft in Frankfurt geht, gaben Zeugen am Mittwoch und Donnerstag an, sie hätten eine Streitverkündung von dem ehemaligen persönlich haftenden Gesellschafter Krockow erhalten. Durch Streitverkündungen in Zivilprozessen werden Dritte an dem Prozess beteiligt. Der ursprünglich Verklagte spricht sie aus, um sich schadlos zu halten, wenn er den Prozess verlieren sollte.

Krockow will sich schadlos halten

Krockow hofft auf eine derartige Schadloshaltung gleich gegenüber 27 Streitverkündeten, darunter ehemalige Aufsichtsratsmitglieder des Bankhauses, wie es im Prozess hieß. Die Streitverkündeten bekommen dadurch alle Schriftsätze in dem Zivilverfahren zugeleitet und hätten auch dadurch etwa Erkenntnisse über das Frankfurter Grundstücksgeschäft erlangen können.

Tochter der Deutschen Bank

Die Forderung sei übrigens erst teilweise bestimmt, hieß es am Mittwoch. Einen Termin für das Zivilverfahren gebe es noch nicht. Gut möglich auch, dass Sal. Oppenheim, die 2010 in einem Notverkauf von der Deutschen Bank übernommen wurde, von weiteren ehemaligen Bankpartnern Schadenersatz verlangt. Das Institut wollte sich zu dem Sachverhalt nicht äußern.

Pflichtwidriges Verhalten

Die ehemaligen Bankchefs waren in einem Untreueprozess, der auch vor der 16. Großen Strafkammer verhandelt worden war, vom Kölner Landgericht im Sommer 2015 verurteilt worden. Dabei ging es um die Beteiligung an Arcandor, die nach der Pleite des Handels- und Touristikkonzerns praktisch wertlos war, um Kredite an den Konzern und um das Grundstücksgeschäft Bockenheimer Landstraße in Frankfurt. Die Banker, so die Kammer unter Vorsitz von Sabine Grobecker, hätten sich pflichtwidrig verhalten, nicht ausschließlich zum Wohle der Bank gehandelt, Vermögensbetreuungspflichten verletzt und auf unzureichender Informationsgrundlage agiert. Letztlich entstand Sal. Oppenheim ein hoher Millionenschaden.

Bewährungsstrafe für Krockow

Im Strafprozess verhängte das Gericht Strafen zwischen einem Jahr und elf Monaten für Christopher Freiherr von Oppenheim sowie von zwei Jahren für Matthias Graf von Krockow und Dieter Pfundt. Während diese Strafen zur Bewährung ausgesetzt wurden, soll Friedrich Carl Janssen ins Gefängnis. Die Kammer verurteilte ihn zu einer nicht bewährungsfähigen Strafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Der Troisdorfer Immobilienentwickler Josef Esch wurde wegen Verstößen gegen das Kreditwesengesetz zu einer Geldstrafe von knapp 500 000 Euro verurteilt. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Angeklagte haben Revision beim Bundesgerichtshof beantragt.

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