Hauptversammlung: Kritik an Vorstandsvergütung bei der Deutschen Post

Hauptversammlung : Kritik an Vorstandsvergütung bei der Deutschen Post

Auf dem ersten Aktionärstreffen in Bonn drehen sich viele Fragen um die neuen Geschäftsmodelle, die Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes entwickeln soll. Antworten gibt das Unternehmen noch nicht.

Zu Beginn der ersten Hauptversammlung in Bonn gab es für die Aktionäre der Deutschen Post Warteschlangen: Am Parkhaus in der Nähe des World Conference Centers (WCCB), wo nur eine Schranke geöffnet war. Vor der Personen- und Taschenkontrolle. Und vor der Anmeldung. Aufsichtsratschef Wulf von Schimmelmann eröffnete die Hauptversammlung mit einigen Minuten Verspätung, damit möglichst viele Aktionäre von Beginn an dabei sein konnten.

Vor der Tür des WCCB verteilten Gewerkschafter der DPVkom Gummibärchen und Postkarten. Unter dem Motto „Süßes für die Aktionäre und Saures für die Mitarbeiter?!“ wiesen sie auf den ihrer Ansicht nach immer höheren Zeitdruck für die Beschäftigten hin.

Auf der Hauptversammlung lobten Aktionärs- und Unternehmensvertreter den Einsatz von Schimmelmanns als Aufsichtsratschef. Nach nahezu zehn Jahren an der Spitze des Aufsichtsgremiums kandidiert der frühere Postbank-Chef nicht erneut. „Sie haben aus dem Mauerblümchen im Staatsgarten eine Orchidee gemacht“, sagte Roland Klose von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auf der Aufsichtsratssitzung im Anschluss an die Hauptversammlung wurde der frühere Vorstandschef der Münchner Rück AG, Nikolaus von Bomhard, zum Nachfolger gewählt.

Post-Vorstandschef Frank Appel stellte den Aktionären die Rekordzahlen des Unternehmens vor, das in 2017 das beste Ergebnis seiner Geschichte vorgelegt hatte. Ein wichtiges Anliegen ist ihm der freie Welthandel. „Wir vertrauen weiterhin auf freien Handel und Austausch“, spielte Appel auf die Strafzölle vom US-Präsident Donald Trump auf Stahl und Aluminium an. Wer Mauern aufbaue, habe auf Dauer keinen Erfolg.

Streit dementiert

Für Aktionärsvertreter war der Aufgabenwechsel von Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes ein wichtiges Thema. Gerdes war viele Jahre als Vorstand für Pakete und Briefe zuständig. Kürzlich übernahm er das neu geschaffene Ressort für Corporate Incubations. Hier soll er neue Geschäftsmodelle entwickeln und ist für den Streetscooter zuständig. Doch Details zu seiner Aufgabe gibt es noch nicht. Wie viele Mittel für diese neuen Geschäftsmodelle eingesetzt werden sollen, blieb unklar. Appel bat die Aktionäre um Verständnis, dass er zum jetzigen Zeitpunkt dazu noch nicht mehr sagen könne: „Wir befinden uns noch im Aufbau.“ Aber Fragen von Aktionären, ob hinter dem plötzlichen Aufgabenwechsel von Gerdes auf einen vermeintlich weniger wichtigen Posten ein Streit im Vorstand oder mit dem Aufsichtsrat verantwortlich sei, dementierte von Schimmelmann: „Es gab keinerlei strategische Differenzen.“ Gerdes könne mit seiner Erfahrung dem Unternehmen auf dem neuen Posten weiterhelfen. Die Frage des DSW-Vertreters Klose, ob hinter dem neuen Vorstandsressort die Idee eines Börsengangs der Sparte steht, fand keine Antwort. „Solche Spekulationen kommentieren wir natürlich nicht“, sagte Appel.

Auch in den nächsten Jahren in Bonn

Die künftige Deckelung der Vorstandsvergütungen nahm ebenfalls Raum bei den Fragen ein. Ein Vorstandsvorsitzender soll künftig nicht mehr als acht Millionen Euro verdienen, ein Mitglied des Vorstands nicht mehr als fünf Millionen Euro. Hendrik Schmidt von der Investmentgesellschaft DWS wollte wissen, wieso das neue System keine sogenannte Clawback-Klausel enthält, also die Verpflichtung, Boni zurückzuzahlen, wenn ein Fehlverhalten festgestellt wird. Schimmelmann erläuterte, dass eine solche Klausel derzeit kaum rechtssicher in einem Vertrag aufzunehmen sei. Schmidt kritisierte, dass die genauen Kriterien der Vorstandsvergütung unklar blieben.

Wie Appel sagte, strebt die Post an, auch in den nächsten Jahren die Hauptversammlung in Bonn abzuhalten. Und ein Aktionär, der im vergangenen Jahr in der Bochumer Jahrhunderthalle den Einsatz von Plastikgeschirr beklagt hatte, war auch zufrieden. Es gebe im WCCB Geschirr aus Porzellan, hob er am Mikrofon hervor. Ein anderer war mit dem Gebäck nicht zufrieden: „Das haben wohl die alten Römer in Bonn hinterlassen.“

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