Kritik an Arbeitsbedingungen am Flughafen Köln/Bonn

Flughafen Köln/Bonn : „Passagierkontrollen im Akkord“

Verdi kritisiert hohen Krankenstand und hohe Belastungen bei den Kontrolleuren

An den Flughäfen baut sich gerade die letzte große Reisewelle des Jahres auf. Rund 726.000 Passagiere erwartet etwa der Flughafen Köln/Bonn in den Herbstferien, allein etwa 140000 an diesem ersten Ferien-Wochenende. Viel los ist auch am letzten Ferienwochenende, an dem 124500 Passagiere erwartet werden.

Hochbetrieb herrscht dann auch bei der Passagierkontrolle. Und das bei angespannter Personallage. Kötter Aviation bietet wegen des erwarteten hohen Passagieraufkommens eine Zusatzprämie von zehn Euro pro Tag, die auf Shopping-Karten gebucht werden, für ausgewählte Schichten. Das sei eine „motivierender Anreiz“, heißt es in einem Aushang. Wichtig sei, dass der Dienstplan wie vorgesehen eingehalten werde. Als Voraussetzung für den Bonus wird genannt, dass vom 10. bis zum 26. Oktober Schichtblöcke, die etwa sechs Tage umfassen, komplett abgeleistet werden. Und wer an ausgewählten Tagen, an denen er eigentlich dienstfrei hätte, zur Verfügung steht, erhält weitere 125 Euro bei einem geleisteten Zusatzdienst von mindestens vier Stunden.

Gerade bei den Fluggastkontrollen in Köln/Bonn und Düsseldorf gibt es einen hohen Krankenstand von 20 Prozent, wie die Gewerkschaft Verdi angibt. Sie beruft sich auf Aussagen des Arbeitgebers in Betriebsversammlungen und macht für die Fehlzeiten vor allem schlechte Rahmen- und Arbeitsbedingungen verantwortlich. Die Anforderungen der Bundespolizei schwankten sehr stark, sagte Gewerkschaftssekretär Özay Tarim. Die von den Dienstleistern geforderten Kontrollstunden lägen im Sommer über 60 Prozent höher als im Winter. Darauf könnten sich Dienstleister nur schwer bei ihrer Personalplanung einstellen. „Im Ergebnis arbeiten die Kontrolleure im Sommer im Akkord“, sagte Tarim. Dabei beeinträchtige es die Gesundheit, wenn die Kontrolleure vier oder fünf Stunden am Stück hochkonzentriert arbeiten müssten. Vor allem Frauen sieht er massiv belastet. Unter den 1100 Luftsicherheitsassistenten am Flughafen Düsseldorf seien nur 360 Frauen. Die müssten teilweise an zwei Kontrollstrecken gleichzeitig die weiblichen Passagiere kontrollieren.

Die Prämienzahlungen sieht Tarim kritisch. „Der Krankenstand wird durch Prämien nicht gesenkt“, sagte er. Kranke Mitarbeiter würden dann vielleicht ihre Schichten ableisten – und danach womöglich länger ausfallen. Er sieht nicht nur den Arbeitgeber in der Pflicht, sondern verlangt zunächst von der Bundespolizei, dem Auftraggeber der Kontrollen, die Auftragsvergabe so zu gestalten, dass eine gute Personalplanung möglich sei. Starke Schwankungen bei den angeforderten Kontrollstunden zwischen Sommer und Winter sollten vermieden werden.

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