Sankt Augustin: Koreanische Vize-Arbeitsministerin engagiert sich für Nachwuchs

Sankt Augustin : Koreanische Vize-Arbeitsministerin engagiert sich für Nachwuchs

Vor 43 Jahren hat Monika Eichhorn eine Ausbildung bei der Kuhne-Group in Sankt Augustin begonnen. Seither arbeitet sie in der Administration des mittelständischen Unternehmens. Damit ist sie nicht allein. Den Großteil seiner 230 Fachkräfte - etwa 70 Prozent - hat der Betrieb selbst ausgebildet.

Eine Zahl, die Hyun-Ok Jeong sichtlich beeindruckte. Die südkoreanische Vizeministerin für Arbeit und Soziales war am Donnerstag mit einer sechsköpfigen Delegation zu Besuch bei Kuhne, um sich über das duale Ausbildungssystem, die parallele Ausbildung in Schule und Betrieb, zu informieren.

Den Kontakt zum deutschen Unternehmen, das kunststoffverarbeitende Maschinen und Anlagen herstellt, hat die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK) vermittelt. "Viele Länder haben gemerkt, wie einmalig das duale Ausbildungssystem ist", sagte der für Berufsbildung und Fachkräftesicherung zuständige IHK-Geschäftsführer Jürgen Hindenberg. Die IHK erhalte zunehmend Anfragen aus vielen Ländern der Welt, die eine duale Ausbildung nach deutschem Vorbild einführen möchten. Auch Korea wolle Elemente übernehmen, erklärt Hyun-Ok Jeong den Besuch ihrer Delegation in Sankt Augustin.

Die südkoreanische Vize-Arbeitsministerin und ihre Begleiter weilen für eine Woche in Deutschland. Sie schrieben eifrig mit und fragten immer wieder nach, als Hindenberg und Kuhne-Geschäftsführer Peter Kuhne über die Ausbildungssituation in Deutschland sprechen. "Es ist schwierig junge Leute gerade für Berufe im mechanischen Bereich zu begeistern", weiß Peter Kuhne aus eigener Erfahrung.

Daher sei die Zusammenarbeit mit der IHK so wichtig. Deren Vertreter gehen in die Schulen, sprechen mit Jugendlichen und versuchen das Interesse für eben diese Berufe zu wecken. "Allein können wir das gar nicht schaffen", spricht Peter Kuhne für die Unternehmen.

"Mehr als 1200 Unternehmer aus der Region engagieren sich ehrenamtlich in der IHK", sagte Jürgen Hindenberg. Sie nehmen den Auszubildenden etwa am Ende die Prüfung ab. Finanziert werde die Arbeit der IHK über die Unternehmen. "Wir erhalten keine staatlichen Subventionen", erklärte Hindenberg weiter. Hyun-Ok Jeong nickte anerkennend.

Beim Rundgang durch den Betrieb lernte sie einige ehemalige und aktuelle Auszubildende der Kuhne-Group auch persönlich kennen und suchte das Gespräch mit ihnen. In einer der Werkshallen schloss sich der Kreis gewissermaßen: Da steht die Südkoreanerin vor einer meterhohen Maschine, die einmal PVC-freie Bluttransfusionsbeutel produzieren wird - eigens für eine koreanische Firma gefertigt.

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