IHK-Wirtschaftslagebericht: Konjunkturklima in Bonn und der Region abgekühlt

IHK-Wirtschaftslagebericht : Konjunkturklima in Bonn und der Region abgekühlt

Die Stimmung bei den regionalen Unternehmen ist weiterhin gut, und doch gibt es Probleme. So finden viele Firmen keine Fachkräfte. Das zeigt der der neue Lagebericht der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

Leicht eingetrübt ist die Stimmung in der regionalen Wirtschaft. Der aktuelle Lagebericht, den die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK) am Mittwoch vorstellte, deutet auf eine Abkühlung des Konjunkturklimas hin. Quer durch alle Branchen bewerten die Unternehmen ihre gegenwärtige Lage zwar positiv. Allerdings sind sie eher zurückhaltend, wenn es um die weitere Entwicklung geht: Da sind die Erwartungen bei den meisten gedämpft. Brexit, Trump, vergleichsweise hohe Unternehmenssteuern, Fachkräftemangel – all das sorgt nicht eben für Euphorie. Gleichwohl sei von Krisenstimmung keine Spur, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille.

Dreimal im Jahr legt die IHK den Wirtschaftslagebericht vor. Grundlage ist eine Umfrage, an der sich diesmal 390 von 1400 Mitgliedsunternehmen beteiligten. Auf dieser Grundlage errechnet die IHK den Konjunkturklimaindikator. Liegt der Wert bei über 100 Punkten, geht die Kammer von einer positiven Stimmung aus. Rutscht er darunter, überwiegt die Unzufriedenheit. Im neuen Bericht liegt der Wert branchenübergreifend bei 126 Punkten. Das ist etwas schlechter als bei der Umfrage im Frühsommer, aber immer noch einer der besten Werte der vergangenen fünf Jahre.

Zufriedenheit, aber gedämpfte Erwartungen

Derzeit bewerten 48,5 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 42,9 als befriedigend und nur 8,6 Prozent als schlecht. Nach ihren zukünftigen Erwartungen befragt gingen 26,4 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sich die Geschäfte künftig besser entwickeln. 12,3 Prozent der Unternehmen meinen, dass es ihnen schlechter gehen wird. Die große Mehrheit – 61,3 Prozent – prognostiziert eine gleichbleibende Geschäftslage. Dass die Stimmung noch allgemein gut ist, führte Hille auf die Binnennachfrage und das Außenhandelsgeschäft zurück. Die Innovationsbereitschaft sei hoch, viele Unternehmen wollten das derzeit günstige Zinsniveau nutzen. Auch das Beschäftigungswachstum halte an, „wenn auch etwas abgeschwächt“. Die Arbeitslosenquote liegt in Bonn bei 6,2 Prozent, im Kreis bei 4,8 Prozent.

Besonders optimistisch zeigt sich der Dienstleistungssektor, der für die Region prägend ist. Beim IHK-Geschäftsklimaindex erreicht er einen Wert von 137 Punkten, womit er gegenüber der jüngsten Umfrage leicht zulegte. 42 Prozent der Dienstleister wollen verstärkt investieren, zwölf Prozent planen Einschnitte. Jedes dritte Unternehmen will weiterhin zusätzliches Personal einstellen. Doch gleichzeitig können 40 Prozent der Unternehmen offene Stellen längerfristig nicht besetzen. Das Pro-blem des Fachkräftemangels zieht sich durch alle Branchen. „Dieses Thema muss man mit einem Strauß von Maßnahmen angehen“, so Hille. Dazu zählte er Aufklärungsarbeit an Schulen, Regelungen für Arbeitsmigration sowie den Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit.

Gedämpft ist die Stimmung in der Industrie. „Hintergrund ist eine weit verbreitete Stagnation bei den Auftragseingängen aus dem In- und Ausland“, so IHK-Konjunkturexperte Michael Schmaus. Insgesamt schätzen aber immer noch mehr als 50 Prozent der Unternehmen die Lage positiv ein, 36 Prozent als gleichbleibend. Guten Mutes ist der Einzelhandel – trotz der Konkurrenz durch Onlinehändler. Der gute Arbeitsmarkt und steigende Löhne befeuerten die Konsumlaune, so Schmaus.

Gastgewerbe weniger optimistisch

Die Branche IT und Kommunikation fällt durch wachsende Investitionsbereitschaft auf; zugleich gab aber die Hälfte der Unternehmen an, dass es an geeigneten Bewerbern mit Hochschulabschluss mangele. Mehr investieren will auch die Verkehrsbranche, die jedoch erkennen muss, dass die Infrastruktur an ihre Grenzen kommt. Am unzufriedensten ist das Gastgewerbe, bei dem der Index erneut an Boden verliert und jetzt bei 103 Punkten liegt. Nur jedes zehnte Unternehmen rechnet in den nächsten zwölf Monaten mit besseren Geschäften.

Aber: 30 Prozent der Betriebe wollen investieren, auch mit Blick auf die wachsende Zahl an Kongressteilnehmern und das Beethovenjahr 2020.

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