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Knauber in Bonn verkauft Freizeitmärkte an Bauhaus

Bauhaus übernimmt Bonner Freizeitmärkte : Aus für Knauber nach 50 Jahren Tradition

Rund 50 Jahre nach der Gründung sollen aus den Knauber Freizeitmärkten Bauhaus-Filialen werden. Zwei müssen schließen. Die ersten Probleme des Bonner Unternehmens zeichneten sich bereits vor einigen Jahren ab.

Mit dem Verkauf der Knauber-Märkte an die Bauhaus-Kette endet eine Bonner Einzelhandels-Ära. Es ist das Aus für „Do it yourself“ auf rheinisch, wie es Gründer Carl Ernst Knauber in den 1960er Jahren entwickelte.

Nachdem er auf einer USA-Reise ähnliche Geschäfte entdeckt hatte, eröffnete Knauber vor 52 Jahren den ersten „Hobby-Markt“ an der Endenicher Straße. Die Kunden sollten sich als Bastler selbst verwirklichen und dabei noch das Geld für den Handwerker sparen. Die Geschäftsidee hat sich über ein hal­bes Jahrhundert gehalten: Zu einem klassischen Baumarktsortiment kommen Hobbyartikel von Bastelzubehör über Handarbeitswaren bis hin zu Pflanzen und Küchenutensilien. „Wir haben unsere Nische gefunden“, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin Ines Knauber-Daubenbüchel noch zum Jubiläum vor zwei Jahren.

Die ersten Probleme

Die Freizeitmärkte Knauber stehen vor dem Verkauf an den Baumarkt-Riesen Bauhaus. Foto: Benjamin Westhoff

 Doch bereits da zeigten sich die ersten Probleme: In Montabaur hat Knauber 2017 seine dortige Filiale geschlossen, am Standort eröffnete später ein Gartencenter. Als Ursache für die Schließung nannte Knauber-Daubenbüchel eine „verschärfte Wettbewerbssituation“ an dem Standort. Den Versuch, mit kleineren Läden für Hobbyköche („Estella KochLust“) in Innenstädten zu punkten, hat Knauber erfolglos abgebrochen. Die Filialen in Köln und Münster wurden 2016 geschlossen. „Wir wollten damit ein Franchise-System aufbauen, aber das hat nicht funktioniert“, zog Knauber-Daubenbüchel 2018 Bilanz. Sie leitet das Familienunternehmen, die heutige Carl Knauber Holding GmbH & Co. KG, seit 1990 in der vierten Generation und hat zuletzt noch rund sieben Millionen Euro in den Büroneubau an der Endenicher Straße investiert, der 2018 eröffnet wurde.

Die Nachricht vom Verkauf an Bauhaus macht schon seit einigen Tagen die Runde unter den Knauber-Mitarbeitern. In einem Rundbrief, der dem General-Anzeiger vorliegt, hatte die Geschäftsleitung über ihre Pläne informiert. „Veränderungen sind seit vier Generationen ein lebenswichtiger Teil unseres Unternehmens, um die Stabilität und Kontinuität des Hauses Knauber zu sichern“, heißt es darin. „Nun stehen wir an der Schwelle zu einer solchen Veränderung.“ Als Begründung für den Verkauf führt Knauber-Daubenbüchel den wachsenden Wettbewerb an: „Heute führt das deutlich veränderte Kaufverhalten, insbesondere durch das dramatisch angestiegene Onlinegeschäft, zu einer Entwicklung, die mit sinkender Frequenz und deutlichen Umsatzverlusten nicht mehr zurückzudrehen ist.“ Als Mittelständler mit sechs Filialen sei Knauber nicht in der Lage, sich gegen Konkurrenten wie Amazon durchzusetzen, heißt es weiter.

„Eine Entscheidung, die wehtut“

Dennoch sei der Verkauf „eine Entscheidung, die wehtut!“, so Knauber-Daubenbüchel. In den sozialen Netzwerken äußerten viele Bonner ihr Bedauern über das Ende der bönnschen Baumärkte. „Schon wegen der Bastelsachen ein Laden, der viele schöne Abteilungen hat“, schreibt eine Nutzerin auf der Facebook-Seite des General-Anzeigers.

Mit Knauber und Bauhaus treffen zwei sehr unterschiedliche Unternehmen und Konzepte aufeinander. Das Bonner Familienunternehmen beschäftigt derzeit bei einem Gruppenumsatz von rund 470 Millionen Euro rund 650 Mitarbeiter. Von den Knauber-Märkten in Bonn, Ahrweiler, Bergisch-Gladbach, Pulheim, Bad Godesberg und Troisdorf werden nur die ersten vier gemäß den derzeitigen Plänen von Bauhaus weiterbetrieben. Die Filialen in Troisdorf und Bad Godesberg müssen schließen.

Bisher war Knauber in zwei unterschiedlichen Handelssparten tätig. Neben den sechs Freizeitmärkten betreibt die Gruppe einen Energiehandel, der auch weiterlaufen soll. Knauber verkauft an private und gewerbliche Kunden unter anderem Erdgas, Flüssiggas, Heizöl, Strom und Pellets.

Gründung im Jahr 1880

Das Unternehmen Knauber ist deutlich älter als seine Freizeitmärkte. Im Jahr 1880 gründeten Anna und Michael Knauber in Bonn ihr Kolonialwarengeschäft. Sie handelten mit Haushaltswaren, Futtermitteln und Brennstoffen. 1901 gründeten ihre Söhne Karl und Josef die Firma „Gebrüder Knauber“ und übernahmen das elterliche Geschäft. Die zweite Generation der Unternehmerfamilie Knauber spezialisiert sich bald auf den Handel mit Energieträgern. 1923 eröffnen sie in Endenich die erste Tankstelle im Rheinland unter der Bezeichnung „Westtank“.

Die Bauhaus AG mit Sitz in der Schweiz ist um ein Vielfaches größer als Knauber. Sie betreibt 270 Baumärkte in 19 europäischen Ländern und stand 2018 mit mehr als 3,7 Milliarden Euro deutschlandweit auf Platz zwei nach Marktführer Obi. Das Sortiment von Bauhaus ist das eines klassischen Baumarktes. Zu der Knauber-Übernahme wollte sich Bauhaus am Wochenende auf Anfrage nicht äußern.