BWI: IT-Dienstleister der Bundeswehr wächst am Bonner Hafen

BWI : IT-Dienstleister der Bundeswehr wächst am Bonner Hafen

Am Campus Auermühle will der zentrale IT-Dienstleister der Bundeswehr künftig bis zu 500 Mitarbeiter beschäftigen. Das Unternehmen hat einen Umbau hinter sich, nachdem die ehemaligen Anteilseigner IBM und Siemens ausgestiegen sind.

Einst war es der Verwaltungssitz von Solarworld: der Campus Auermühle am Bonner Hafen. Im vergangenen Jahr hat das Meckenheimer IT-Unternehmen BWI den Großteil der Büroflächen angemietet, die bis dahin überwiegend leer standen. Ein Teil ist von Siemens angemietet, einen anderen Teil besetzte Solarworld selbst noch bis im vergangenen Jahr. Als der Solarkonzern Insolvenz anmeldete, hieß es, der Standort werde nicht mehr gebraucht. Eigentümer ist immer noch Frank Asbeck, der das Gelände in den 90er Jahren kaufte und renovierte.

An einigen Parkplätzen hängen noch Schilder mit dem Namen des Solarunternehmens. Auf den meisten Stellflächen parken allerdings längst BWI-Mitarbeiter. Das erste Gebäude auf dem Gelände bezog das IT-Unternehmen Ende lvergangenen Jahres, Anfang dieses Jahres kamen weitere Büroflächen hinzu. Denn BWI wächst stark – im vergangenen Jahr um 20 Prozent – und braucht Platz. „Ich wüsste kein IT-Unternehmen, das derzeit stärker wächst“, erklärt BWI-Sprecher Jochen Reinhardt.

Das 100-prozentige Bundesunternehmen ist zentraler IT-Dienstleister der Bundeswehr und betreut deren nichtmilitärische Information- und Kommunikationstechnik. Der Hauptsitz ist in Meckenheim. Der Größe nach gehört BWI zu den führenden zehn IT-Service-Unternehmen der Branche in Deutschland. Laut der Lünendonk-Liste, die jedes Jahr die Top Ten ermittelt, steht BWI derzeit auf Platz sieben. Angeführt wird die Liste von T-Systems.

Am Bonner Standort arbeiten derzeit 200 Mitarbeiter. „Wenn wir mit allen Umbauten und Einzügen fertig sind, können es etwa 500 sein“, erzählt Reinhardt. Das Bundesunternehmen beschäftigt insgesamt mehr als 3700 Mitarbeiter – an 25 Servicecenter-Standorten in und den Rechenzentrumstandorten Köln/Bonn, Strausberg, Wilhelmshaven und Meckenheim.

2006 gegründet

BWI hat einen großen Umbau in den beiden letzten Jahren hinter sich, nicht nur räumlich gesehen. Der Dienstleister wurde im Jahr 2006 ursprünglich gegründet, um die Bundeswehr-IT zu modernisieren. Das lief alles unter dem Projektnamen „Herkules“. Die drei Eigentümer waren der Bund, IBM und Siemens. Organisatorisch waren es daher auch mehrere Gesellschaften, die Ende 2016 nach Beendigung des Projekts nun alle in einer GmbH verschmolzen sind. Der Bund übernahm auch die Anteile von Siemens und IBM. Es war allerdings von Anfang an klar, dass das Gemeinschaftsprojekt nur eine begrenzte Zeit läuft.

Seitdem ist BWI zwar immer noch Dienstleister der Bundeswehr, übernimmt seit 2017 aber auch Aufträge anderer Bundesbehörden. Das bedeutet auch, dass wir uns jetzt auf neue Themen und neue Kunden einstellen müssen“, so Reinhardt. Zehn Jahre sei fast alles fix gewesen: das Auftragsvolumen und der Umsatz. Künftig werde es eher mehr. „Von der Bundeswehr kommen weitere Aufträge dazu, aber auch neue Aufträge von anderen Bundesbehörden.“ Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei rund 690 Millionen Euro. 2016 waren es noch, wie die Jahre zuvor, 640 Millionen Euro. „Wir haben im vergangenen Jahr 700 neue Mitarbeiter deutschlandweit eingestellt“, erklärt Reinhardt, um das Wachstum derzeit zu verdeutlichen. Ebenfalls ein neues Themenfeld für die BWI: Mitarbeiter einstellen. Während des Herkules-Projektes war es so: Wurden weitere Mitarbeiter gebraucht, wurden diese meist von direkt Bundeswehr, IBM oder Siemens geholt.

Aufgrund der von Anfang an besonderen Struktur von BWI ist es immer noch so, dass ein Drittel der Mitarbeiter in einem Dienstverhältnis mit der Bundeswehr steht. Und BWI bleibt auch weiterhin ein besonderes Unternehmen. Der Dienstleister liefert der Bundeswehr Rechner bis nach Mali und Afghanistan. Gleichzeitig werden die Soldaten von BWI so ausgebildet, dass sie die IT im Ausland bedienen können. Das wird auch künftig so bleiben, auch wenn weitere Arbeitsfelder für die Meckenheimer hinzu kommen.

Mehr von GA BONN