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Pläne der Deutsche Bahn: Investoren händeringend gesucht

Pläne der Deutsche Bahn : Investoren händeringend gesucht

Die Konzerntöchter der Deutschen Bahn Arriva (Auslandsgeschäft) und Schenker (nicht schienengebundene Logistik) sollen Geldgebern geöffnet werden. Das Management und der Bund haben mit den Erlösen allerdings unterschiedliche Pläne.

„Ganz oder gar nicht.“ Für den grünen Bundestagsabgeordneten und Bahnexperten Matthias Gastel ist der Fall klar. Wenn die Deutsche Bahn tatsächlich frisches Geld braucht – was außer Frage steht – dann sollte sie ihre „Töchter“ DB Arriva (das Auslandsgeschäft der DB) und DB Schenker (nicht schienengebundene Logistik) lieber ganz abstoßen, als neue Teilhaber ins Konzerngefüge einzubinden.

Bahnchef Rüdiger Grube hat in dieser Woche seine Pläne noch einmal öffentlich klargestellt. Er wolle mittelfristig Dritte an DB Arriva und DB Schenker beteiligen. Dabei gehe es aber definitiv „nicht um einen Verkauf“. Grube: „Wir werden bei beiden Gesellschaften in jedem Fall die Mehrheit behalten.“ Der Bahnchef macht dabei auch gar keinen Hehl aus den Motiven der Beteiligung von Investoren. Die Bahn wird in den nächsten fünf Jahren 20 Milliarden Euro an Eigenmittel investieren.

Aus zwingenden Gründen. In einer ausführlichen Analyse der eigenen Defizite hatte der Vorstand jüngst die Bahn als „noch nicht fit für die Zukunft“ beschrieben. Die Mängelliste reichte von chronischen Verspätungen über defektes Material bis hin zu unzureichender Wirtschaftlichkeit. Das Investitionsprogramm wirkt sich auf den Schuldenstand aus. Bis 2020 dürfte das Schuldenkonto auf rund 22 Milliarden Euro wachsen. Grube räumt offen ein, dass er die Investoren braucht, „um den deutlichen Anstieg unserer Verschuldung zu begrenzen“.

Andererseits aber hat der Bahnchef auch keine Neigung, sich Konkurrenten ins eigene Haus zu holen oder direkten Einfluss auf die beiden Töchter einzubüßen. Deshalb ist in Konzernkreisen die Rede davon, die Beteiligung bei etwa 40 Prozent zu begrenzen und im Streubesitz auszugeben.

In diesem Jahr kann das Manöver sicher noch nicht umgesetzt werden. Nun wäre man schon zufrieden, wenn DB Arriva 2017 an der Londoner Börse platziert werden könnte. DB Schenker würde dann erst 2018 für Investoren geöffnet. Der Bund als 100-prozentiger Anteilseigner hat indes eigene Interessen. Nach einem Beteiligungsvertrag aus dem Jahre 2008 stehen ihm die Privatisierungserlöse zu.

So aber will die Bahn nicht wetten. Der Teilverkauf macht für sie nur dann Sinn, wenn der Löwenanteil der Verkaufserlöse im Konzern verbleibt. Das ist heikel: Zu einer Zeit, da die Flüchtlingskrise den Staat neue langfristige finanzielle Lasten aufbürdet, soll Finanzminister Wolfgang Schäuble freiwillig auf Einnahmen verzichten. Dennoch wird erwartet, dass die DB-Pläne letztlich nicht an der Haltung der Bundesregierung scheitern werden.