Überlebenskampf: Immer weniger Videotheken in der Region

Überlebenskampf : Immer weniger Videotheken in der Region

Vitali Grasmück aus Sankt Augustin betreibt eine der letzten Videotheken der Region. Das sind die Gründe.

20.000 Filme, Serien und Spiele stehen auf einer Fläche von mehr als 500 Quadratmetern. Komödien, Serien, Horrorfilme, Thriller, es gibt kein Genre, das nicht vertreten ist in der "empire" Videothek in Sankt Augustin, der Letzten im gesamten Rhein-Sieg-Kreis und einer der Letzten in der Region. Die letzte Bonner Videothek musste im Vorjahr schließen, in Köln existiert nur noch eine einzige, in ganz Deutschland sind es knapp 500.

Videotheken sind vom Aussterben bedroht, zu groß ist die Konkurrenz in Form von Streaming- Portalen. Viel geschäftsschädigender sind hingegen die illegalen Streaming Plattformen, meint Vitali Grasmück, Geschäftsführer der Videothek „empire“ in Sankt Augustin. „Filme auf den Streaming- Portalen, insbesondere Neuerscheinungen, sind neben den regulären Mitgliedsbeiträgen häufig kostenpflichtig. Da sind Videotheken mit einer Leihgebühr von rund drei Euro deutlich günstiger“, so Grasmück. „Auf den illegalen Plattformen hingegen sind die Filme schnell und kostenlos verfügbar.“ Der Geschäftsführer wünscht sich dort mehr Eingreifen seitens der Politik.

Obwohl Videotheken massive Überlebensprobleme haben, kann sich die Sankt Augustiner Videothek noch über Wasser halten. Grund dafür ist die Firma „rezone“, die Grasmück vor einigen Jahren gegründet hat. Die kauft gebrauchte Spiele, DVDs und BluRays an, prüft, säubert und schweißt sie neu ein, um sie dann im Geschäft weiterzuverkaufen. „Rezone rettet den Laden, unsere Kaufumsätze sind stabil“, so Grasmück.

Kunden reisen bis aus Köln an

Zusätzlich dazu profitiert das Geschäft nun von seinem Alleinstellungsmerkmal in der Region, seinen Stammkunden und dem im Laden integrierten Hermesshop. An einem Samstag kommen laut Grasmück im Durchschnitt 300 Kunden, einige reisen sogar aus Köln an. Unter der Woche sind es demnach 40 bis 50 pro Tag. „Wir haben aktuell sogar zwei Azubis“, berichtet der Geschäftsführer. Zudem gibt es zwei weitere Mitarbeiter und seine Ehefrau und Kinder helfen in der Videothek aus.

Die Blütezeit der Videotheken liegt zwar schon lange zurück, sie war um die Jahrtausendwende. Dennoch ist der Geschäftsführer davon überzeugt, dass die Nachfrage in einigen Jahren wieder steigt. „Wir haben den Tiefpunkt erreicht. In spätestens fünf Jahren gibt es doppelt so viele kostenpflichtige Streaminganbieter, die jeder ihr eigenes Programm haben und nur ein bestimmtes Repertoire an Filmen und Serien anbieten. Videotheken hingegen haben alles.“

Streit um Sonntagsöffnung

Ein großes Problem aus Sicht des Videothekenbetreibers ist nicht nur die Wandlung, die in der Gesellschaft stattgefunden hat, sondern auch das viel diskutierte Problem der Sonntagsöffnung. Da Videotheken in die Kategorie Einzelhandel fallen, ist es ihnen gesetzlich verboten, im Gegensatz zu Kinos, an einem Sonntag zu öffnen. „Das schadet Videotheken enorm“, so Grasmück. „Von vielen Familien wird der Sonntag, häufig spontan, noch genutzt, um Filme zu schauen. Durch den Verbot der Sonntagsöffnung müssen aber alle zwangsläufig auf die Streamingdienste zurückgreifen.“

Die Hochphase des Jahres steht der Sankt Augustiner Videothek allerdings noch bevor. „An Silvester kommen Kunden, die seit Jahren keine Videothek mehr betreten haben und die meisten verlangen dasselbe: Singstar“, verrät Grasmück. Es handelt sich um ein Karaoke-Spiel.

Auch wenn sich Besucher manchmal wundern, dass es überhaupt noch eine Videothek gibt, bleibt Grasmück Optimist. „Wir werden nicht schließen. Selbst wenn wir die letzte Videothek in Deutschland bleiben.“

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