Studie zu Bonn und der Region: Immer weniger Besucher zieht es in die Innenstädte

Studie zu Bonn und der Region : Immer weniger Besucher zieht es in die Innenstädte

Verbraucher stufen einer Studie zufolge die Attraktivität von Einkaufszonen in Innenstädten als mittelmäßig ein. Bad Honnef wird von den Bürgern besser bewertet als Bad Godesberg.

In vielen deutschen Innenstädten herrscht Alarmstimmung: Die Kunden machen sich rar. Nach einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Shoppertrak lagen die Besucherzahlen in den Innenstädten im vergangenen Jahr in zehn von zwölf Monaten unter dem Vorjahresniveau.

Tatsache ist: Die Einkaufsstraßen in den deutschen Innenstädten sorgen bei den meisten Verbrauchern derzeit allenfalls für lauwarme Begeisterung. Bei einer Befragung von mehr als 59.000 Innenstadtbesuchern in 116 Städten durch das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) gaben die Verbraucher den Stadtzentren im Durchschnitt nur die Schulnote „Drei plus“. Am besten schnitten die Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern ab. Sie erhielten immerhin eine „Zwei minus“, wie das IFH am Mittwoch mitteilte.

IFH-Geschäftsführer Boris Hedde sieht darin ein Alarmsignal. Denn seit der ersten derartigen Umfrage des IFH im Jahr 2014 habe sich bei der Beurteilung der Städte kaum etwas verändert. „Die Innenstädte kommen nicht voran. Eine „Drei plus“ reicht auf Dauer nicht, um in Zeiten des Strukturwandels konkurrenzfähig zu sein“, warnt er.

Bad Honnef schneidet am besten ab

Aus der Region haben Bad Honnef und Bad Godesberg an der Studie teilgenommen, die von den Kommunen über Teilnehmergebühren finanziert wird. Bonn hatte bereits in den Jahren 2014 und 2016 seine Innenstadt von dem Kölner Institut untersuchen lassen.

Bad Honnef schneidet in der aktuellen Studie besser als Bad Godesberg ab. In der Vergleichsgruppe der Städte mit 25 000 bis 50 000 Einwohnern liege Bad Honnef mit der Gesamtnote 2,6 „recht ordentlich“, so Wirtschaftsförderin Johanna Högner. Besonders gepunktet habe die Innenstadt beim Gesamteindruck Ambiente; hier seien durchweg Schulnoten von sehr gut bis gut gegeben worden. Auch das gastronomische Angebot, das Angebot an Dienstleistungen und die Erreichbarkeit der City hätten überdurchschnittlich gut abgeschnitten.

Eher „durchwachsen“ ausgefallen seien die Noten zu Freizeitangeboten und Sehenswürdigkeiten. Differenziert betrachtet werden müssten die Bewertungen zum Einzelhandelsangebot, das unter dem Strich ein befriedigend bekommen habe. Während etwa das Angebot an Bekleidung, Büchern, Schreibwaren oder Schmuck gut abgeschnitten habe, sei das Gegenteil vor allem bei Drogerien und Lebensmitteln der Fall. Für Schlüsse aus den IFH-Daten sei es noch zu früh, so Högner.

City von Bad Godesberg ist gut erreichbar

Bad Godesberg, das als Stadtbezirk statt der Bonner City an der Studie teilgenommen hat, liegt mit einem Notenschnitt von 3,3 unter dem von vergleichbaren Städten. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Bonn Rhein-Sieg (IHK) wurde in Bad Godesberg vor allem die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelobt. Als unzureichend wurden dagegen Gastronomie und Ambiente bewertet.

IFH-Handelsexperte Hedde drängte die Kommunen, mehr für die Aufwertung ihrer Innenstädte zu tun. Denn der Handel befinde sich in einem knallharten Standortwettbewerb. „Viele Standorte, die kein klares Profil haben, werden das nicht überleben.“ Tatsächlich haben die Innenstädte mit einem ganzen Bündel von Problemen zu kämpfen. Da ist der Boom des Onlinehandels, der allein im vergangenen Jahr nach einer aktuellen Studie des Branchenverbandes bevh um mehr als elf Prozent wuchs. Immerhin rund jeder fünfte befragte Innenstadtbesucher gab laut IFH an, er komme inzwischen seltener ins Stadtzentrum, weil er verstärkt online einkaufe. Bei den unter 25-Jährigen waren es sogar 29 Prozent. Doch gibt es auch andere Herausforderungen. „Während der Einzelhandel in den vergangenen Jahren insgesamt wuchs, schrumpften ausgerechnet die Kategorien, die für die Innenstädte besonders relevant sind, wie der Textilhandel. Dem Handel sind hier Umsätze in Milliardenhöhe verloren gegangen“, erklärt Hedde. Der Kampf um die verbliebenen Kunden wird umso erbitterter geführt. (Mit Material von dpa)

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