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Schnelle Internetzugänge: Höttges fordert Beitrag der Konkurrenz

Schnelle Internetzugänge : Höttges fordert Beitrag der Konkurrenz

Im Streit um den Ausbau der Breitbandnetze geht der Telekom-Chef gegenüber den Wettbewerbern in die Offensive. Gleichzeitig legt er die Zahlen des ersten Quartals vor.

Die Deutsche Telekom will nicht länger als der Bösewicht dastehen. Über die Strategie beim Ausbau des Netzes ausführlich zu sprechen, lag Telekom-Chef Timotheus Höttges gestern bei der Vorstellung der Quartalszahlen am Herzen: „Ich verstehe die Debatte um eine angebliche Re-Monopolisierung nicht.“ Mit der sogenannten Vectoring-Technik im Nahbereich bekämen sechs Millionen Haushalte einen sehr schnellen Internetzugang. Die Hälfte davon befinde sich in ländlichen Regionen. 80 Prozent des Ausbaus finde ohne öffentliche Fördermittel statt. Die Telekom möchte das umstrittene Vectoring als Übergangstechnologie einsetzen, um kurzfristig schnelleres Internet bei geringeren Investitionskosten anbieten zu können. Der Telekommunikationsmarkt ist erst seit 1998 vollständig für Wettbewerber geöffnet. Vorher war die Telekom der einzige Anbieter.

Im vergangenen Monat hatte die Bundesnetzagentur den Vectoring-Plänen zugestimmt und damit starke Kritik der Telekom-Konkurrenten hervorgerufen. Sie sehen sich ausgeschlossen. In einem Brief an die EU-Kommission sprachen sich 25 deutsche und europäische Verbände gegen die Vectoring-Pläne der Telekom aus. Vor dem Hintergrund würden sich ihre eigenen Aktivitäten beim Glasfaser-Ausbau nicht mehr rechnen. In Brüssel liegen die Plänen noch zur Genehmigung.

Höttges forderte die Wettbewerber gestern zum Handeln auf. Statt zu lamentieren, sollten sie ihren Beitrag zur Ausweitung des Breitbandnetzes leisten. „Über welchen Schatten müssen die Wettbewerber eigentlich noch springen?“, fragte der Telekom-Chef. Er sagte, dass die Telekom bereits ein Glasfasernetz in einer Länge von 400 000 Kilometer verlegt habe. Allerdings nennt das Unternehmen keine Zahl, bei wie viel Anschlüssen das Glasfasernetz bis ins Haus hinein verlegt ist. Höttges: „Ich werde mich an der sinnfreien Diskussion über gute oder schlechte Glasfasertechnologie nicht beteiligen.“ Bei Vectoring reicht die Glasfaser nur bis zum Kabelverzweiger.

Die Deutsche Telekom hat im ersten Quartal wieder von der äußerst guten Geschäftsentwicklung ihrer US-Tochter profitiert. Mit 2,2 Millionen Neukunden, davon mehr als eine Million Vertragskunden unter eigener Marke, ist die Tochter mittlerweile Nummer drei im US-Markt. T-Mobile US hat jetzt rund 65,5 Millionen Teilnehmer.

Der Gesamt-Umsatz stieg um 10,9 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar.

Der Umsatz in Deutschland, der nur noch gut 30 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, ging im ersten Quartal um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Als Hauptgrund dafür nannte Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt die Entscheidung der Telekom, das margenarme Handelsgeschäft mit Mobilfunkgeräten zu reduzieren. Der Rückgang der Service-Umsätze im Mobilfunk um 1,7 Prozent sei auf Rabatte für den Tarif Magenta-Eins zurückgegangen, die anfallen, wenn Kunden in dieses für sie günstigere Bündel-Produkt wechseln.

Auch mit der Entwicklung der Geschäftskundensäule T-Systems zeigts sich Danneldt zufrieden. Mehr Clou-Dienstleistungen und das Maut-Erhebungssystem in Belgien hätten zu einem Umsatzwachstum um 6,6 Prozent beigetragen.