Ärger mit der neuen Düngeverordnung: Hennefer Bio-Bauer erwartet mehr Rücksichtnahme durch die Politik

Ärger mit der neuen Düngeverordnung : Hennefer Bio-Bauer erwartet mehr Rücksichtnahme durch die Politik

Bernd Schmitz demonstrierte in der vergangenen Woche gemeinsam mit Zehntrausenden Bauern und Bürgern am Rande der Grünen Woche in Berlin. Der Betreiber eines Bio-Bauernhofs in Hennef erwartet mehr Rücksichtnahme durch die Politik.

Emilia will sich nicht zwischen den Hörnern kraulen lassen. Die braun-weiße Milchkuh dreht ihren großen Kopf ungeduldig weg, schließlich ist sie mit Fressen beschäftigt: Lang streckt sie ihren Hals durch die Gitterstäbe des Offenstalls dorthin, wo das leckere Heu ausgestreut ist. 50 Kühe und ebenso viele Jungtiere stehen auf dem Hof von Bernd Schmitz im Süden von Hennef, eine überschaubare Größe, und so tragen auch alle einen Namen.

Als Schmitz vergangenen Freitag mit Zehntausenden Bauern und Bürgern in Berlin am Rande der Grünen Woche demonstrierte, haben seine beiden ältesten Töchter, die noch im Teenager-Alter sind, an seiner statt die Kühe gemolken. „Die sind kuhverrückt“, berichtet er und lacht. Schnell wird er wieder ernst. „Wir wollen, dass dieser Betrieb auch noch für unsere Töchter eine Zukunft bietet“, erklärt Schmitz, der den Hof im Hanftal in fünfter Generation von seinen Eltern übernahm. Seinen heute rund 80 Hek­tar großen Betrieb bewirtschaftet er seit über zwölf Jahren nach biologischen Standards.

Bauern fühlen sich von der Politik verraten

Als Vorsitzender des NRW-Verbandes der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) vertritt Schmitz die Interessen der kleinen und mittleren Agrarbetriebe, während sich im Deutschen Bauernverband eher die industriellen Erzeuger organisieren. Allen Landwirten aber gemein ist, dass sie sich von der Politik verraten fühlen, die sie mit Bürokratie überhäufe, und von der Gesellschaft an den Pranger gestellt sehen. Nitratbelastetes Grundwasser, Insektensterben, Klimawandel – an allem sollen die Bauern schuld sein, zumindest empfinden sie es so.

Beispiel Gülle: Die Ausscheidungen von Kühen und Schweinen – Kot und Harn – verwendet der Landwirt als wertvollen Dünger auf seinen Äckern, Wiesen und Weiden. Doch für das Ausbringen der Gülle gibt es viele Auflagen, wegen der Geruchsbildung und weil einige Bestandteile die Umwelt belasten. Zu viel Nitrat im Grundwasser, wie es etwa im Münsterland und am Niederrhein an Messstationen der Fall ist, wo sich große Betriebe mit mehreren Hundert Kühen befinden, ist nur ein Problem. Das andere ist Feinstaub, der dadurch entsteht, dass Ammoniak-Emissionen aus der Gülle sich mit anderen Gasen in der Luft verbinden und beim Menschen schwere Gesundheitsschäden hervorrufen können. Nach der neuen Düngeverordnung dürfen die Landwirte ab 1. Februar die Gülle nur mit Schleppschläuchen einbringen, die hinter größeren Tankwagen angebracht sind, die zehn Kubikmeter statt heute vier Kubikmeter fassen.

„Damit fahren wir den Acker platt“

„Zusammen mit dem Trecker bringen wir damit 35 Tonnen Gesamtgewicht auf den Acker“, erklärt Schmitz. „Damit fahren wir den Acker platt.“ Eine solche Bodenverdichtung zerstört auch die Regenwürmer, die die Erde gerade auflockern sollen. Ihn regt das besonders auf, da er für die Würmer den Boden extra schonend bewirtschaftet. „Da wehre ich mich gegen.“

Mit dem Lohnunternehmer, der die Gülle auf seinem Land ausbringt, hat er bereits eine Testfahrt mit der neuen Technik unternommen. Bei den Flächen in Hanglage liegt das Gewicht des Güllewagens fast einseitig auf den beiden talwärtigen Rädern, was den Druck noch erhöht und die Gefahr des Wegrutschens birgt. Um das giftige Ammoniak aus der Gülle zu binden, reicht aus Schmitz’ Sicht die Vermengung mit Tonmineralien und Gesteinsmehl aus. Die Schleppschlauch-Technik lehnt er auch deshalb ab, weil sie Zusatzinvestitionen von 100 000 Euro bedeuten würde. „Das sind Mehrkosten, die ich am Markt nicht reinholen kann.“

„Wir dürfen nicht mit den ganz großen Betrieben im Flachland über einen Kamm geschoren werden. Wir brauchen Ausnahmetatbestände“, lautet sein Fazit.

Kleinere Betriebe tragen zur Artenvielfalt bei

Ob der Agrarbetrieb ökologisch oder konventionell bewirtschaftet wird, spielt bei der AbL keine Rolle, was zählt, ist die Größe. Und da ist Schmitz überzeugt, dass kleine Strukturen künftig unsere Landwirtschaft bestimmen sollten, weil sie zur Biodiversität beitrügen, durch die Vielfalt der Sorten beim Anbau und durch Hecken, Knicks und Baumreihen, wo Vögel und viele Pflanzenarten einen Lebensraum finden, die wiederum Insekten anziehen. Ackerflächen mit weniger als sechs Hektar seien deshalb ideal, haben Forscher der Georg-August-Universität Göttingen herausgefunden. Bei Höfen mit 400 oder 500 Kühen müssten größere, schwerere Maschinen eingesetzt werden, weil anders eine Familie die Arbeit gar nicht schaffen könne, erklärt Schmitz.

Bis zum Jahresende muss die Europäische Union die Struktur und Verteilung der Geldmittel für die Bauern im Rahmen der Förderperiode 2021 bis 2027 beschließen. „Für die Umsetzung im Detail haben wir noch Hoffnung“, sagt Schmitz, der für die Kleinbetriebe besondere Förderung erwartet. „Wir haben hier im Hanftal eine tolle Mischung von Acker, Grünland und Wald, die schwierig zu bewirtschaften ist.“

Wege zur Direktvermarktung

NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU), die seinen Hof kürzlich besuchte, hat Schmitz’  Wunsch aufgenommen, sich für die Direktvermarktung einzusetzen. Supermärkte bieten zwar immer mehr regionale Produkte an, doch laut Schmitz bekommen kleine Betriebe kaum einen Fuß in die Tür. „Die wollen dann gleich wieder Mengen.“ Seine Biomilch etwa muss er einer Biomolkerei im Sauerland verkaufen, weil es in der näheren Umgebung keine mehr gibt. So engagiert er sich auch im Ernährungsrat Köln, ein Pendant wurde vergangenes Jahr in Bonn gegründet. Die Idee ist, eine Stadt aus dem direkten Umfeld zu versorgen. „Menschen im urbanen Bereich machen sich Gedanken, wie wir Ernährung und Versorgung ändern können.“ Für Schmitz ist das modern, nicht nur Hightech und Digitalisierung.