Nachwuchsmangel in NRW: Hausärzte werden dringend gesucht

Nachwuchsmangel in NRW : Hausärzte werden dringend gesucht

Der Hausärzteverband Nordrhein sorgt sich um die medizinische Versorgung, vor allem auf dem Land. Jeder vierte Hausarzt, der aufhört, geht ohne Nachfolger.

Der Hausärzteverband Nordrhein sorgt sich um die medizinische Versorgung vor allem in ländlichen Gebieten. Der Behandlungsbedarf nehme auch deshalb zu, weil Senioren in die Umgebung der Städte und aufs Land abwanderten, wo sie billiger leben könnten, sagte Oliver Funken, zweiter Vorsitzender des Verbandes vor Journalisten. Andererseits gingen viele Hausärzte altersbedingt in Pension.

Im Kammerbezirk Nordrhein absolvierten jährlich rund 100 Nachwuchsmediziner die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin (Hausarzt). Notwendig wären, so der Verband, mindestens 200. Gegenwärtig versorgten rund 8000 Hausärzte etwa acht Millionen Einwohner in Nordrhein. In den nächsten fünf Jahren, so die Prognose, würden 25 Prozent aus Altersgründen ohne geeignete Nachfolger ausscheiden.

Das Problem bestehe darin, Mediziner für den Beruf des Hausarztes zu begeistern und ländliche Regionen besser zu versorgen. Die Zeit, in der Hausärzte, im Vergleich zu Fachärzten, zu schlecht bezahlt wurden, sei vorbei, sagte Funken. Hausärzte verdienten inzwischen gut. Und was die vermeintlich unattraktiven Standorte angeht, so sollen künftig Hausärztliche Versorgungszentren für Zuzug sorgen.

Übergeordnete Trägergesellschaften könnten jungen Ärzten Investitionsrisiken abnehmen und sie mit erfahrenen Kollegen zusammenführen. Allerdings müsse man auch auf familienfreundliche Bedingungen und flexible Arbeitszeiten achten. 70 Prozent der Medizinstudenten sind laut Verband Frauen.

Die regionale Lage ist unterschiedlich. Im Rhein-Sieg-Kreis ohne Alfter und Wachtberg gibt es laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Nordrhein derzeit 9,5 freie Hausarztsitze. 4,5 davon liegen im Gebiet Hennef/Ruppichteroth, zwei in Niederkassel sowie jeweils 1,5 in Sankt Augustin sowie im Bereich Siegburg/Lohmar/Neunkirchen-Seelscheid/Much.

Den niedrigsten Versorgunggrad hat der Bereich Hennef/Ruppichteroth mit 89 Prozent. In den anderen Kommunen dürfen sich momentan keine weiteren Hausärzte ansiedeln, lediglich eine Praxisübernahme wäre möglich.

Trotz der freien Sitze sei aber auch im ländlichen Bereich des Kreises derzeit kein Mangel bei der Versorgung spürbar, teilt die KV Nordrhein mit.

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