Haribo sucht nach Großfläche für seine Logistik

Haribo sucht nach Großfläche für seine Logistik

Seit Jahren schreckt der Bonner Gummibärchen-Produzent Haribo immer wieder mit Umzugsplänen die Verantwortlichen im Rathaus auf.

Nun will das Traditionsunternehmen zumindest die räumlichen Voraussetzungen für einen solchen Schritt schaffen. Der Konzern sucht in einem Umkreis von 35 Kilometern rund um Bonn eine Großfläche von etwa 30 Hektar. Firmensprecher Marco Alfter bestätigte am Mittwoch die Pläne.

Sie gehen aus einer dem General-Anzeiger vorliegenden Anfrage hervor, die über eine Immobilienfirma an mehrere Kommunen in der Region gestellt wurde. In Frage kommen nach Angaben von Haribo unter anderem Grafschaft, Rheinbach, Bornheim und Euskirchen.

An dem neuen Standort soll nach Unternehmensangaben zunächst ein Logistikzentrum entstehen. Dabei handelt es sich laut Alfter um ein vollautomatisches Hochregallager mit 11 400 Palettenplätzen für Gummibärchen, Lakritzschnecken und Co. "Eine Verlagerung der Produktion hat damit nichts zu tun", sagte Alfter. Er räumte allerdings ein, dass es zu einem späteren Zeitpunkt durchaus zu einer Verlagerung aus Bonn an den neuen Standort kommen könnte.

Laut Alfter bestehen langfristig weiterhin drei Möglichkeiten: Entweder kommt es zu einem Komplettumzug aus Bonn. Oder Haribo verlagert die Produktion, während die Verwaltung in Kessenich bleibt. Möglich sei auch der Umzugs lediglich einzelner Fertigungsschienen.

Aus der Ausschreibung der Immobilienfirma geht hervor, dass sich Haribo mit dem neuen Logistikstandort weitere Optionen offen halten will. So fordert der Süßwarenhersteller von den Kommunen eine gute Anbindung an Bus und Bahn. Nach Firmenangaben kommt ein vergleichbares Haribo-Logistikzentrum in Solingen jedoch mit acht Mitarbeitern aus. Der Wunsch nach Anbindung deutet daher auf eine geplante Aufstockung hin.

Nach Informationen des General-Anzeigers hat die Gemeinde Grafschaft diesbezüglich bereits beim Land Rheinland-Pfalz um Unterstützung gebeten. Gleich zwei Standorte kommen auf der Grafschaft in Frage: Sowohl im mit Bundesmitteln aus dem Ausgleichsfonds geförderten Innovationspark in Ringen als auch in Gelsdorf gebe es Grundstücke, die für Haribo maßgeschneidert wären, hieß es in Ratskreisen.

Am Donnerstagabend soll der Rat der Gemeinde in nichtöffentlicher Sitzung über die Anfrage informiert werden. Bürgermeister Achim Juchem (CDU) wollte keine Stellungnahme abgeben. Auch der Rheinbacher Bürgermeister Stefan Raetz bestätigte am Mittwoch, dass die Kommune seit Jahren ein passendes Gewerbegrundstück für Haribo bereithalte. "Wir haben mehrfach unser Interesse bekundet und hoffen nun auf eine finale Entscheidung", sagte Raetz.

Abseits der beiden seit Jahren als Favoriten gehandelten Kommunen wird der Platz für Haribo knapp. Im gesamten Rhein-Sieg-Kreis stehen derzeit nach Angaben des Kreis-Wirtschaftsförderers Hermann Tengler lediglich 170 Hektar freie Gewerbefläche zur Verfügung. "Diese Standorte sind im Moment stark gefragt", sagte Tengler weiter. Die Kommunen orientierten sich bei der Vergabe zunehmend an der Zahl der Arbeitsplätze, die geschaffen werden, und an den zu erwartenden Steuereinnahmen.

Damit dürfte Haribo zumindest an vielen Standorten im Rhein-Sieg-Kreis schlechte Karten haben, solange das Unternehmen seine Ausbaupläne nicht konkretisiert. Nach Ansicht von Experten ist die Nutzung einer Großfläche von 30 Hektar allein mit einem wenig arbeitsintensiven Hochregallager für viele Kommunen kaum interessant.

In vielen Gewerbegebieten fehlt schlicht der Platz. In Bornheim will man sich über laufende Ansiedlungsanfragen nicht äußern. Allerdings könne die Gemeinde 30 Hektar nur als "Standortverbund" anbieten, sagte der Erste Beigeordnete, Manfred Schier. "Wir bemühen uns, die Wünsche der Unternehmen zu erfüllen, aber die Nachfrage ist groß."

Gleichzeitig scheinen die Vorstellungen von Haribo gemäß der internen Papiere sehr konkret: Autobahn und Bundesstraßen dürfen nicht weiter als fünf Kilometer entfernt sein. Das Areal soll frei von Altlasten sein, eine Wohnnutzung sowie emittierende Industrie in der Nachbarschaft seien auszuschließen. Bis Mitte 2012 will Haribo das Grundstück kaufen, der Bezug des Neubaus sei schließlich bereits für 2014 vorgesehen, heißt es in den Unterlagen weiter.

Besonders wichtig sind dem Süßwarenkonzern weitere Eigenschaften: ebenes Grundstück, hohe Bodentragfähigkeit, Lastenfreiheit und die Möglichkeit, mit einem Hubschrauber starten und landen zu können - der 88-jährige Seniorchef Hans Riegel gilt als begeisterter Hobbypilot. Ampeln, Kreuzungen und Ortsdurchfahrten dürften die Verkehrsanbindung nicht stören. Wie detailliert die Planungen bereits sind, belegt auch die konkrete Nachfrage nach den Möglichkeiten der Energieversorgung. Immerhin sei an einen Gasverbrauch von 14 000 Kubikmetern am Tag, an einen Wasserverbrauch von 220 Kubikmeter täglich gedacht.