Pilotprojekt zur Integration: Handwerkskammer Köln bereitet Flüchtlinge auf Beruf vor

Pilotprojekt zur Integration : Handwerkskammer Köln bereitet Flüchtlinge auf Beruf vor

Die Handwerkskammer hat 16 junge Flüchtlinge auf einen Beruf vorbereitet. Sie sollen den Mangel an Arbeitskräften in einigen Bereichen lindern.

Alpha Barry kann schon erstaunlich gut deutsch. Sprachlehrer. Vielleicht hat ihm beim Lernen geholfen, dass er in seiner Heimat Guinea als Sprachlehrer gearbeitet hat. Denn er ist erst seit rund 15 Monaten in Deutschland und wagt hier mit anderen Flüchtlingen in Köln einen Neuanfang. Er ist einer von 16 Absolventen eines zehnmonatigen Integrationsprojekts der Handwerkskammer Köln.

Die jungen Männer haben in der Berufsvorbereitungsmaßnahme fünf Monate lang Deutsch gelernt, sich weiter mit Land, Leute und Kultur vertraut gemacht und handwerkliche Grundlagen in Bau- oder Metallgewerken vermittelt bekommen. Er und seine Mitschüler formen im Ausbildungszentrum der Kammer in Köln-Ossendorf gerade Blumen aus Metall oder stellen eine Schublade her. Nutzen kann er das Gelernte schon bald. Ab dem 1. August beginnt seine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudeinstallation.

Neun der Kursabsolventen haben bereits eine Lehrstelle. Bila Abdoun Gafour aus Burkina Faso etwa wird Kfz-Mechatroniker, Patrick Tshibangu aus dem Kongo Maler und Lackierer. Fünf weitere junge Menschen etwa aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder Eritrea haben Ausbildungsplätze in Aussicht, zwei wollen zunächst den Hauptschulabschluss machen.

„Sehr leistungsbereit“ seien die jungen Flüchtlinge gewesen, so Hans Peter Wollseifer, Präsident der Handwerkskammer. Außerdem lobt er ihre Umgangsformen.

Das Handwerk habe helfen wollen, so Wollseifer. Es habe eine humanitäre Verpflichtung übernommen wie früher bereis im Balkankrieg. Den Fachkräftebedarf könnten Flüchtlinge nicht decken. Immerhin sind bundesweit 17 000 Ausbildungsplätze nicht besetzt, In Köln fanden sich für 500 Stellen keine geeigneten Bewerber, so Ortwin Weltrich, der Hauptgeschäftsführer der Kammer. Da würden die Flüchtlinge ganz gewiss nicht anderen Bewerbern die Stellen wegnehmen.

Geholfen hat auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, das den Lehrgang finanziert hat. „Die Handwerkskammer Köln hat absolute Pionierarbeit geleistet“, sagte Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel. Weit vor anderen sei man zur Tat geschritten. Und dabei sei ein Leuchtturmprojekt entstanden. „Mit der gemeinsamen Initiative qualifizieren wir heute Flüchtlinge, damit sie morgen ihre Lebensunterhalt selbst bestreiten und übermorgen beim Wiederaufbau ihrer Länder helfen können“, so Fuchtel weiter. Er berichtet von einer Zusammenarbeit mit der Asiatischen Entwicklungsbank bei Aufbauprojekte etwa im Bereich Infrastruktur mit Ausbildung kombiniert werden.

Etwa 10 000 Euro hat der Kölner Pilotkurs pro Teilnehmer gekostet. Insgesamt wendet das Entwicklungsministerium fünf Millionen auf, um 1000 Leute bundesweit zu qualifizieren. Außerdem engagieren sich Bundesbildungsministerium und Arbeitsagentur.

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