Guter Wille

Kommentar

Es gehört schon etwas guter Wille dazu, hinter einem 82-prozentigen Gewinnrückgang ein "sehr erfolgreiches Jahr", wie sich der seit gut einem Jahr amtierende Telekom-Chef René Obermann am Donnerstag ausdrückte, zu erkennen. Aber es muss wohl so gewesen sein, schließlich sind die doch wesentlich erfolgsabhängigen Vergütungen des Konzernvorstands im vergangenen Jahr zumindest nicht gesunken...

Obermann und Finanzchef Eick haben am Donnerstag vor allem auf Erfolge im operativen Geschäft abgehoben. Wie es mit Handyverträgen und DSL-Anschlüssen läuft, ist wichtig für die Zukunft des Bonner Konzerns. Tatsächlich haben sich die Perspektiven hier verbessert.

Im Inland sind die Rückgänge etwas gebremst. Das Ausland brummt. Es ist auch richtig, wenn sich das Management hier zunächst auf bestehende Märkte konzentriert. Beim Gewinn schlagen sich die Fortschritte allerdings noch nicht nieder.

Dass die Telekom an ihre Aktionäre erheblich mehr Geld ausschütten möchte, als sie unterm Strich eigentlich verdient hat, kann man mit etwas gutem Willen als aktionärsfreundliche Politik bezeichnen. Auf Dauer muss sich das Verhältnis aber umkehren.

Schließlich bleiben die Unsicherheiten bei der Personalentwicklung. Dass die Telekom vor kurzem erneut fast anderthalb Milliarden Euro für Stellenabbau zurückgestellt hat, lässt auf einen erheblichen Umbaubedarf schließen.

Vielleicht steht das viele Geld aber auch für die Absicht, weiterhin vor allem auf freiwillige Lösungen mit Abfindungen statt auf Kündigungen zu setzen. Mit etwas gutem Willen kann man auch das so sehen.

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