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Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit: Grünes Jobwunder fraglich

Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit : Grünes Jobwunder fraglich

Entstehen durch einen ökologischen Umbau der Volkswirtschaft in Deutschland tatsächlich viele neue Arbeitsplätze? Das Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) hat sich am Montag zu entsprechenden Prognosen skeptisch geäußert. "Ich glaube nicht, dass grüne Jobs auf absehbare Zeit für ein Beschäftigungswunder sorgen werden", schreibt IZA-Projektleiter Nico Pestel in einer Studie.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich vor einem Jahr von der Unternehmensberatung Roland Berger eine Studie erarbeiten lassen, nach der sich die grüne Technologie als Wachstumstreiber erweist. Die Studie zählte 2011 etwa 1,4 Millionen Erwerbstätige in der Umwelttechnik und prognostizierte einen Zuwachs von rund einer Million Beschäftigten bis 2025. Diese Prognose findet sich auch im Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen zur Bundestagswahl, und auch die anderen Parteien verweisen indirekt auf die Wachstumschancen im Umweltbereich.

Das IZA kritisiert zahlreiche Punkte in der Diskussion um die angeblich so zahlreichen Ökojobs. Die Untersuchungen, die es darüber gebe, seien "aus vielerlei methodischen Gründen mit großer Unsicherheit behaftet", schreibt Pestel. Zwar wiesen sie für das Jahr 2008 knapp zwei Millionen Menschen als im Umweltschutz tätig aus. Das entspreche allerdings nur einem Anteil von weniger als fünf Prozent aller Erwebstätigen. Es sei unklar, was genau eine Tätigkeit im Umweltschutz sei. Hinzu komme, dass etwa bei den erneuerbaren Energien 60 bis 70 Prozent der Arbeitsplätze "stark abhängig von der Subventionierung durch die Stromverbraucher" seien. Deswegen sei jetzt die Zahl der Jobs in der Photovoltaik-Branche binnen eines Jahres um rund ein Fünftel eingebrochen.

Optimistische Prognosen blendeten auch aus, wie viele "nicht-grüne" Arbeitsplätze durch den ökologischen Umbau verloren gingen oder gefährdet seien. So haben etwa die großen Energieversorger zuletzt drastische Sparprogramme auch beim Personal aufgelegt. Wie viele Arbeitsplätze in Deutschland verloren gingen, wenn etwa die energieintensiven Industrien auch an der EEG-Umlage beteiligt würden, sei nicht abzusehen.

Pestel: "Die Frage, ob Deutschland sein grünes Beschäftigungswunder erlebt, bleibt somit vorerst offen. Ich halte die Euphorie, wie sie von interessierter Seite an den Tag gelegt wird, für deutlich überzogen."