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GA-Serie "Mythen der Wirtschaft": Aufschwung setzt Firmen unter Druck

GA-Serie "Mythen der Wirtschaft": Aufschwung setzt Firmen unter Druck

Wenn die Wirtschaft am tiefsten darniederliegt, ist die Zahl der Firmenpleiten am höchsten. Diese landläufige Beobachtung ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz zutreffend. Experten sprechen vom Nachlaufeffekt der Insolvenzkurve.

Köln. Wenn die Wirtschaft am tiefsten darniederliegt, ist die Zahl der Firmenpleiten am höchsten. Diese landläufige Beobachtung ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz zutreffend. Experten sprechen vom Nachlaufeffekt der Insolvenzkurve.

Das bedeutet, dass Unternehmen auch oder gerade bei Wiederbelebung der Konjunktur vor eine Bewährungsprobe stehen. Die Krise haben sie zwar überstanden, aber sie konnten die Kosten nicht ausreichend an den Einbruch von Aufträgen und Umsätzen anpassen. Sie mussten von Rücklagen zehren. Kleingespart und ausgelaugt fehlt es ihnen an Liquidität für die Vorfinanzierung der neuen Aufträge.

Man muss, so erläutert Volkswirt Hardy Gude von der Auskunftei Creditreform, Rohstoffe und Vormaterial bezahlen, womöglich neue Maschinen anschaffen und die Belegschaft wieder vergrößern. Dabei sind die Gewinnmargen vielleicht noch bescheiden. Die Banken als Kreditgeber haben ihr Risikobewusstsein in der Krise geschärft. Ob eine Kreditklemme tatsächlich oder nur gefühlt existiert - leicht ist es dann nicht, sich die nötigen Zahlungsmittel zu beschaffen.

So rechnen denn auch der Kreditversicherer Euler Hermes und Creditreform für 2010 mit etwas höheren Insolvenzzahlen als 2009, obwohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach den Prognosen um ein bis zwei Prozent wachsen soll, nachdem es 2009 um 4,9 Prozent geschrumpft war und damit den bisher tiefsten Einbruch markiert hat.

Romeo Grill, Volkswirt bei Euler Hermes beziffert die Zahl der Firmeninsolvenzen für 2009 mit 32 687, nach 29 291 im Jahr davor. Das Ausfallvolumen, der Umfang der in den Insolvenzverfahren angemeldeten Forderungen, sei 2009 aber massiv um 231 Prozent auf 73 Milliarden Euro gestiegen, weil es überdurchschnittlich viele große Pleiten gegeben habe. 2010 werde das Ausfallvolumen wohl geringer sein.

Grill bestätigt im Prinzip den Nachlaufcharakter der Insolvenzwelle, er sieht darin aber kein einheitliches Muster im Sinne einer Gesetzmäßigkeit. Für Zahlungsunfähigkeit gebe es auch Gründe unabhängig von Konjunkturschwankungen wie Fehler in der strategischen Ausrichtung von Unternehmen oder unzureichende Beherrschung des Forderungsmanagements.

Euler Hermes und Creditreform hatten im Herbst vergangenen Jahres für 2010 düstere Insolvenz-Prognosen abgegeben. Die fallen nun nicht mehr ganz so trübe aus, da sich die Konjunktur trotz aller Unsicherheiten belebt, wobei der Exportindustrie der schwache Euro-Kurs zugute kommt. Gude weist aber darauf hin, dass man nach den Erfahrungen ein deutliches Wachstum braucht, damit sich das Insolvenzgeschehen entspannt.

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Die GA-Serie "Mythen der Wirtschaft" geht landläufigen Behauptungen über wirtschaftliche Zusammenhänge nach.

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