Interview mit Eurowings-Chef Thorsten Dirks: "Fliegen kann nicht so verrückt günstig bleiben"

Interview mit Eurowings-Chef Thorsten Dirks : "Fliegen kann nicht so verrückt günstig bleiben"

Eurowings-Chef Thorsten Dirks spricht mit dem GA über Ticketpreise, die Bedeutung des Flughafens Köln/Bonn und zahlreichen Verspätungen, die in den letzten Monaten für viele Fluggäste ein Ärgernis waren.

Wie immer trägt Thorsten Dirks keinen Schlips, als ihn GA-Autor Reinhard Kowalewsky in der Eurowings-Zentrale direkt am Flughafen Köln/Bonn besucht. Rechts im Zimmer ermöglicht ein großer Bildschirm Video-Konferenzen?- speziell mit Kollegen in der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt, in deren Vorstand Eurowings-Chef Thorsten Dirks ebenfalls sitzt.

Herr Dirks, 2018 hatte Eurowings so viele Verspätungen wie noch nie, wird 2019 noch schlimmer?

Thorsten Dirks: Die gesamte Branche hatte im Sommer 2018 erhebliche Schwierigkeiten. Eurowings fällt an unseren größten Standorten in Düsseldorf und Köln stärker auf, weil hier keine andere Airline auch nur annähernd so viele Flüge anbietet. Die Kritik an Verspätungen haben wir sehr ernst genommen und aus dem turbulenten Sommer 2018 viel gelernt. Seit Beginn des Winterflugplans gehört Eurowings wieder zu den pünktlichsten Airlines in ganz Europa.

Woran liegt das?

Dirks: Wir haben zahlreiche Puffer in unsere Flugpläne eingebaut, etwa die Boden- und Flugzeiten planerisch verlängert. Zur Mittagszeit setzen wir jetzt sogenannte Wellenbrecher ein - Flugzeuge, die sofort einspringen können, damit sich etwaige Verspätungen am Morgen nicht über den ganzen Tag ziehen. Wir haben innerdeutsche Strecken von Umläufen ans Mittelmeer getrennt. So können überfüllte Lufträume in Südeuropa oder Streiks in Südfrankreich wichtige Routen für deutsche Geschäftsreisende nicht länger durcheinanderbringen.

Versprechen kann man viel...

Dirks: Wir wollen nichts versprechen, sondern konkrete Verbesserungen liefern. Kunden erkennen bereits, dass unser Maßnahmenpaket Wirkung entfaltet. Im November war Eurowings die pünktlichste Airline in Deutschland. Dieser positive Trend hat sich im Dezember fortgesetzt. Wir haben seit Beginn des Winterflugplans rund 30000 Flüge absolviert. Mehr als 85 Prozent dieser Flüge waren auf die Minute pünktlich oder hatten maximal 15 Minuten Verspätung. Dabei konnten wir mehr als 99 Prozent der Flüge durchführen?- auch weil die Sonderlasten der Air-Berlin-Integration jetzt verdaut sind.

Das bedeutet?

Dirks: Eurowings hat nach dem Zusammenbruch von Air Berlin an erster Stelle mitgeholfen, die Mobilität im deutschen Luftverkehr bestmöglich aufrecht zu erhalten - insbesondere am Standort Düsseldorf, einer früheren Domäne der Air Berlin. Um das schaffen zu können, mussten wir unsere Belegschaft in Rekordzeit um mehr als 3000 Mitarbeiter auf rund 10000 Kollegen aufstocken. Wir haben innerhalb eines Sommers 77 Flugzeuge integriert und 15 Tonnen Papierdokumente geprüft. Das hat, trotz einiger Verzögerungen, in diesem Tempo keine andere Airline vor uns gemacht. Wir können unseren Mitarbeitern und Teams bei Eurowings zum Jahresende gar nicht genug danken. Sie haben in einer absoluten Ausnahmesituation Herausragendes geleistet - und sie tun es bis heute.

Der Umzug ihrer Langstreckenflotte von Köln nach Düsseldorf ist abgeschlossen. Wie läuft es?

Dirks: Wir betreiben inzwischen mehr als 40 Kurz- und Langstreckenflugzeuge in Düsseldorf und sehen hier die besten Möglichkeiten, profitable und damit nachhaltige Langstreckenverbindungen für Nordrhein-Westfalen zu entwickeln. Aktuell bieten wir ab Düsseldorf elf direkte Fernverbindungen nach Nordamerika an, darunter zweimal täglich nach New York, sowie zu Karibikzielen wie Kuba oder in die Dominikanische Republik. Wir tragen also dazu bei, dass Düsseldorf heute wieder ein besseres Langstreckenangebot hat als vergleichbar große Städte in Europa? - obwohl Air Berlin, der zuvor größte Carrier am Standort, am Boden bleiben musste.

Wie werden sich die Preise in 2019 entwickeln?

Dirks: Fliegen kann in den unteren Buchungsklassen nicht so verrückt günstig bleiben wie zurzeit. Denken Sie nur an das Servicepersonal und die Kosten für Kerosin, für die Flotte, die Wartung und Technik, die vielen Dienstleister, die Flughafengebühren. Wenn uns das Jahr 2018 eines gelehrt hat, dann das: Wir brauchen nicht noch mehr Quantität im Luftverkehr, sondern mehr Qualität. Wer Flugtickets billiger anbietet als eine kurze Taxifahrt oder eine Parkgebühr am Flughafen kann diese Qualität einfach nicht leisten.

Wie wichtig bleibt Köln/Bonn?

Dirks: Herz und Kopf des Unternehmens sitzen weiter in unmittelbarer Nähe des Airports Köln/Bonn, zudem haben wir mit Eurowings Digital gerade ein weiteres Unternehmen in Köln gegründet. Zwar ist unser Fußabdruck in Düsseldorf inzwischen größer, auch weil das unmittelbare Einzugsgebiet mit 18 Millionen Menschen hier größer ist. Aber mit mehr als 20 stationierten Jets und 90 verschiedenen Zielen bleibt Köln/Bonn enorm wichtig für unser Unternehmen.

Freut es Sie, dass Ryanair Tarifverträge unterschreiben musste?

Dirks: Ich freue mich über etwas mehr Fairness im Markt. Im Fußball gibt es gleiche Spielregeln für alle, im Luftverkehr leider nicht - das hat zu Verzerrungen im Markt und zu einer ungesunden Entwicklung geführt. Die aktuellen Tarifdebatten werden bei Ryanair zu einem Kostenschub führen und perspektivisch zu einer Annäherung der Kostenstrukturen im Wettbewerb. Das halte ich für eine gesunde Entwicklung, die auch im Sinne von Mitarbeitern und Kunden ist.

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